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Biotechnologie : Das Übernahmekarussell dreht sich schneller

  • Aktualisiert am

Die Mega-Übernahme von Immunex durch Amgen wird nicht das letzte Geschäft dieser Art sein, vermuten Experten.

          2 Min.

          Nachdem Amgen für 16 Milliarden. Dollar Immunex übernommen hat, wird die Biotech-Branche nach Ansicht von Investoren noch weiter zusammenrücken. Unternehmen wie Celltech Group oder Neurocrine Biosciences haben es schwer, im derzeitigen Umfeld Finanzmittel für ihre Forschung und Entwicklung zu finden.

          Fusioniert sparen die Unternehmen nicht nur Kosten, sondern sie gewinnen auch an Marktmacht. Celltech und Neurocrine könnten neben anderen Biotechnologie-Unternehmen nach der bisher größten Transaktion in der Biotechnologie-Branche zu Übernahmekandidaten werden, erklärten Investoren.

          Weitere "Deals" in der Pipeline

          In früheren Transaktionen hat Celltech signalisiert, es werde mit einem anderen Unternehmen zusammengehen, erklärte Libbe Englander, Hedge Fondsmanager bei BioPharma Capital in London. Und die US-Konkurrenten Neurocrine, Cell Therapeutics und InterMune würden Käufern rentable neue Produkte bereitstellen, so Englander.

          Die Bekanntgabe der Fusion von Amgen und Immunex erfolgt im gleichen Monat, in dem bereits rekordverdächtige Übernahmeaktivitäten in der Biotechnologiebranche verzeichnet wurden. Am 6. Dezember kam Millenium Pharmaceuticals überein, Cor Therapeutics für 1,7 Milliarden Dollar zu übernehmen. Millenium gewinnt mit der Akquisition ein Medikament gegen Herzleiden hinzu. Drei Tage zuvor hatte MedImmune den Kauf von Aviron für 1,3 Milliarden Dollar angekündigt, um sich dessen Grippe- Impfstoff zu sichern.

          Auch in Europa gibt es Kandidaten

          Der Fusionsdruck kommt dadurch zu Stande, dass die Unternehmen nur begrenzt über die Möglichkeit verfügen, durch die Ausgabe von Aktien Kapital aufzunehmen, erklärten Analysten. "Es wird eine solide Konsolidierungsphase benötigt, in der sich diese Unternehmen zusammentun und an kritischer Masse hinzugewinnen können," erklärte Nick Woolf, Biotechnologie-Analyst bei ABN Amro in London, in einem Interview mit Bloomberg TV. Celltech, das größte Biotechnologie-Unternehmen Grossbritanniens, und Serono, dass größte Biotechnologie-Unternehmen in Europa, sind attraktiv, weil sie profitabel sind, führte Woolf aus. "Sie haben bereits starke Portfolios," erklärte er. Genzyme und IDEC Pharmaceuticals zählen zu jenen Unternehmen, die voraussichtlich zukaufen werden, berichtete er.

          Auch große Pharmakonzerne werden auf Einkaufstour gehen, erklärte Englander. Einige der weltweit größten Pharmahersteller, wie etwa Merck & Co., sehen sich bei ihren absatzstärksten Produkten dem Wettbewerb von billigen Generika- Produkten ausgesetzt. Sie müssen neue Medikamente finden, um ihre Profitabilität zu steigern. Obwohl die Aktienkurse von Biotechnologie-Unternehmen in den letzten Wochen gestiegen sind, liegen diese Werte noch immer weit unter ihren im Jahr 2000 erreichten Höchstständen. Der Bloomberg U.K. Biotechnology Index, der 25 Unternehmen umfasst, hat in diesem Jahr 41 Prozent an Wert verloren. In der gleichen Zeit sank der 72-Werte zählende Nasdaq Biotechnology Index um lediglich 14 Prozent. Damit sind die Unternehmen in Europa dringender auf einen Fusionspartner angewiesen, erklärten Investoren und Branchenvertreter. Dennoch sei die Biotechnologie-Branche in den USA attraktiver, da sie besser entwickelt sei.

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