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Biotechnologie : Aktie von Novozymes hoch bewertet im Aufwärtstrend

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Flecken in der Wäsche: Novozymes hilft Bild: picture-alliance/ dpa

Mit einem neuen Waschmittelenzym und einem neuen Allzeithoch macht die dänische Novozymes auf sich aufmerksam. Indes ist die Aktie hoch bewertet, nicht zuletzt weil die Wechselkursentwicklungen dem Unternehmen zu schaffen machen.

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          Es gibt nur wenige Aktien, deren Kurs über Jahre hinweg eine stabile Aufwärtsentwicklung aufweist. Eine davon ist die dänische Novozymes, deren Name in den Ranglisten der Wertentwicklung der Titel am dänischen Aktienmarkt immer wieder mit ganz oben auftaucht.

          Seit Beginn des Jahres 2003, also gleich nach Ende der Baisse, läuft die Notierung nach oben, und nach der allfälligen Konsolidierung zur Mitte des vergangenen Jahres überflügelte sie ihren damaligen Höchststand im November wieder. Am Freitag ging sie mit einem Plus von 3,73 Prozent auf glatt 70 Euro aus dem Handel.

          Gegen Ketchupflecken und Schmutzwasser

          Novozymes ist Dänemarks führendes Biotech-Unternehmen, das sich auf Enzyme und Mikroorganismen spezialisiert hat. Das Unternehmen hat mehr als 100 unterschiedlichen Enzyme und 700 Produkte im Programm und damit nach eigenem Bekunden das größte Produkt-Portfolio der Welt.

          Erst zu Beginn des Jahres brachte das Unternehmen wieder das Waschmittelenzym Mannaway auf den Markt, das besonders effektiv bei der Bekämpfung von durch Guarkernmehl (Mannan) verursachte Flecken sein soll. Guarkernmehl wird als Stabilisator unter anderem in Eiscreme, Desserts, Ketchup, Suppen und Dressings eingesetzt. Außerdem findet sie in zahlreichen Körperpflegeprodukten wie Zahnpasta oder Shampoo Verwendung. Diese Flecken ließen sich bislang nicht vollständig entfernen, weil Mannan eine äußerst enge Verbindung mit Baumwolle eingeht und der Fleck nach dem Waschen nur scheinbar verschwindet, aber wie Klebstoff Schmutz anzieht, heißt es bei Novozymes.

          Der Einsatz von Enzymen als chemische Reinigungsmittel ist mit 32 Prozent des Umsatzes das größte Geschäftsfeld von Novozymes. Am zweithäufigsten werden sie bei der Aufbrechung von Stärke- zu Zuckermolekülen etwa in der Treibstoffproduktion, aber auch in der Textil- und Lederbearbeitung sowie in der Spirituosenherstellung verwendet (27 Prozent des Umsatzes). Knapp ein Viertel des Geschäfts macht Novozymes mit Enzymen, die in der Nahrungsmittelproduktion eingesetzt werden. Zwölf Prozent bringt die Tierfutterherstellung ein. Mikroorganismen zur Oberflächen- und Abwasserreinigung und zur Beschleunigung des Pflanzenwachstums machen dagegen lediglich fünf Prozent des Umsatzes aus.

          Wechselkursentwicklung belastet den Reingewinn

          In den vergangenen Jahren konnte das Unternehmen die Umsätze stetig im einstelligen Prozentbereich steigern. Dabei beschleunigte sich das Wachstum seit 2003 wieder deutlich und betrug 2005 zuletzt fünf Prozent. In den ersten neuen Monaten des vergangenen Jahres stieg es auf acht Prozent oder einen Umsatz von 5,038 Milliarden dänische Kronen (676,2 Millionen Euro).

          Dabei hielt auch das Gewinnwachstum Schritt und kletterte operativ im vergangenen Jahr um elf Prozent und in den ersten neun Monaten 2006 um den gleichen Prozentsatz auf rund eine Milliarde dänische Kronen (135 Millionen Euro). Damit verbucht das Unternehmen eine operative Marge von stolzen 20 Prozent.

          Etwas unregelmäßiger entwickelt sich der Reingewinn, bei dem das Unternehmen 2003 von einem außerordentlich guten Finanzergebnis nicht zuletzt aufgrund der Wechselkursentwicklung profitierte. Auch in den ersten neuen Monaten des vergangenen Jahres machte sich diese Entwicklung wieder bemerkbar, lief diesmal allerdings gegen das Unternehmen und drückte das Wachstum des Reingewinns um ein Prozent, nachdem es 2005 noch elf Prozent betragen hatte.

          Hoch bewertet im Aufwärtstrend

          Vor allem der Yen, aber auch der Dollar lief gegen das Unternehmen, wohingegen sich das Verhältnis zum Yuan verbesserte. Novozymes macht rund 30 Prozent seines Umsatzes in Nordamerika und rund 20 Prozent im asiatisch-pazifischen Raum. Zum anderen führten die Kursgewinne zu Belastungen bei den Mitarbeiteroptionen.

          Nichtsdestoweniger hob Novozymes bei Vorlage der Neun-Monats-Zahlen die Prognosen an und geht für das Jahr 2006 von einem Anstieg des Betriebsgewinns um zehn, des Umsatzes um acht und des Reingewinns um fünf bis sechs Prozent aus.

          Die starke Wechselkursabhängigkeit ist auch der Pferdefuß der Aktie und zeigt zudem die möglichen Nachteile eines Unternehmens aus einem Land mit eigener Währung, aber kleinem Binnenmarkt. Analysten gingen zuletzt von einem Gewinnanstieg je Aktie um rund neun Prozent aus, was nichtsdestoweniger ein Kurs-Gewinn-Verhältnis für das abgelaufene Jahr von nicht weniger als 36 impliziert. Auch der Blick auf die kommenden Jahre lässt das Papier mit geschätzten KGVs von 31,6 für 2007 und 27,8 für 2008 kaum günstiger erscheinen.

          Für die Aktie spricht dagegen die stabile charttechnische Entwicklung. Indes birgt die hohe Bewertung die Gefahr von deutlichen Rückschlägen, sollten sich die Perspektiven des Unternehmens oder der Märkte eintrüben. Das zeigte sich zuletzt im Frühsommer, als die Notiz innerhalb von neun Wochen 25 Prozent nachgab. Absicherungsstrategien erscheinen daher als Muss.

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