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Biotechnologie : Actelion-Aktie nach Akquisition im Höhenflug

  • Aktualisiert am

Actelion will wachsen Bild: Actelion Pharmaceuticals Ltd.

Das Schweizer Biotech-Unternehmen Actelion stärkt mit einem Zukauf seine Stellung. Das ist auch nötig, denn im nächsten Jahr kommt ein Konkurrenz-Präparat auf den Markt. Die Aktie bietet noch Chancen, birgt aber auch hohe Risiken.

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          Dieser Chart kann sich wahrlich sehen lassen: In den vergangenen drei Monaten hat sich der Kurs um mehr als ein Drittel erhöht, im vergangenen halben Jahr waren es mehr als 50 Prozent. Und wer die Aktie vor fünf Jahren kaufte, kann sie heute für mehr als das Dreifache wieder verkaufen.

          Anfang November wurde mit einem Schlußstand von 218,90 Franken sogar das Rekordhoch aus dem Jahr 2000 geknackt. Für ein neues Rekordhoch fehlen allerdings noch ein paar Franken, am Freitag kostete die Aktie, die auch an vier deutschen Regionalbörsen gehandelt wird, im frühen Züricher Handel 215,90 Franken. Die Rede ist vom Schweizer Biotech-Unternehmen Actelion (Isin CH0010532478).

          Zukauf in den Vereinigten Staaten

          Die Entwicklung der Geschäfte kann mit der des Aktienkurses durchaus mithalten: 2001 betrug der Umsatz noch 14 Millionen Franken, 2005 waren es schon knapp 664 Millionen Franken. 2004 gelang der Sprung in die schwarzen Zahlen, im vergangenen Jahr blieben unter dem Strich 125,5 Millionen Franken.

          Das jüngste Kursplus ist freilich durch eine Übernahme vor einigen Tagen zu erklären, die zwar nicht überraschend kam, aber doch überraschend schnell. Das Unternehmen aus Basel bietet für die amerikanische Cotherix 420 Millionen Franken. Cotherix hat wie Actelion ein Medikament zur Bekämpfung des Bluthochdrucks in der Lungenarterie auf dem Markt. Im Gegensatz zu den Schweizern erwarten die Amerikaner für das laufende Geschäftsjahr aber rote Zahlen.

          Im nächsten Jahr kommt ein Konkurrenzprodukt

          „Cotherix bietet mit Ventavis ein inhalierbares Medikament gegen den Lungenhochdruck an. Es ist allerdings weniger wirksam als Tracleer von Actelion“, schreibt die Schweizer Zeitung „Finanz und Wirtschaft“. „Doch die Kombination von beiden Medikamenten scheint einen Zusatznutzen zu bringen.“ Entsprechende Studien seien derzeit im Gang. Erste Zwischenergebnisse seien günstig ausgefallen.

          „Finanz und Wirtschaft“ hebt hervor, daß der Zukauf durch die Begebung einer Nullprozent-Wandelanleihe günstig finanziert worden sei. Außerdem habe Actelion mit dem Zukauf ihre Verteidigungslinie gegenüber neuen Konkurrenten etwas verbreitert. Das sei auch nötig, denn im nächsten Jahr erhalte das Unternehmen voraussichtlich erstmals bedeutende Konkurrenz, wenn der amerikanische Gilead-Konzern das Präparat Ambrisentan auf den Markt bringe.

          „Daß Actelion wegen Ambrisentan Umsatz verlieren wird, ist wenig wahrscheinlich“, schreibt „Finanz und Wirtschaft“ weiter. Dafür wachse der Markt für Lungenhochdruckpräparate zu schnell. Anders als früher, als es keine geeignete Behandlungsmethode gegeben habe, schauten die Ärzte inzwischen viel genauer hin. „Deshalb besteht Platz für mehr als ein oder zwei Präparate.“

          Hohe Chancen, hohe Risiken

          Trotzdem sind die Risiken nicht zu vernachlässigen. Die Eingliederung von Cotherix muß die erwarteten Synergien bringen, sonst war der Kaufpreis zu hoch. Auch muß sich erst noch zeigen, ob das Gilead-Präparat den Actelion-Medikamenten nicht doch Umsatz wegnimmt. Dazu kommt, daß das Unternehmen „bislang faktisch ein Einproduktunternehmen war“, wie „Finanz und Wirtschaft“ schreibt.

          Auch die Bewertung ist stattlich: An der Börse ist das Unternehmen 4,8 Milliarden Franken wert, das ist mehr als das Siebenfache des für 2005 gemeldeten Umsatzes. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf Basis der durchschnittlichen Gewinnschätzung beträgt 22,7 für dieses und 20,8 für das kommende Jahr. Bezogen auf den 2005 vorgelegten Gewinn beträgt das KGV sogar 38,4.

          Charttechnisch strebt der Wert langfristig klar nach oben. Ein neues Kaufsignal wäre allerdings erst gegeben, wenn die Notiz ein neues Rekordhoch erreicht. In einem intakten Börsenumfeld sind weiterhin stattliche Kursgewinne möglich. Wenn die Anleger während einer Korrektur an den Märkten aber wieder risikoscheuer werden, dürfte die Actelion-Aktie überproportional verlieren. Sie daher nichts für nervöse Anleger.

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