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Biotech : Imclone im freien Fall

  • Aktualisiert am

Wird Biotechnologie zum Glücksspiel? Bild: dpa

"Ärger" mit dem House Energy and Commerce Committee bringt die Aktie heftig unter Druck. Firmenangehörige haben schon im November massiv Papiere verkauft.

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          Gute Nachrichten und schlechte Nachrichten können sehr schnell wechseln im Biotech-Bereich und die Aktien der betroffenen Unternehmen sehr stark bewegen. Sowohl nach oben als auch nach unten.

          Ein tragisches Beispiel für den extrem schnellen Fall ehemaliger High Flyer ist aktuell Imclone. Die Aktie ist nach den heftigen Kursverlusten der vergangenen Tag in den freien Fall übergegangen. Ursache: Das House Energy and Commerce Committee, das die Aufsicht über die amerikanische Zulassungsbehörde für Medikamente FDA hat, hat eine förmliche Untersuchung über die Zulassung des ursprünglich vielversprechenden Krebsmedikaments Erbitux angekündigt. Die Aktie verlor allein am Freitag knapp 30 Prozent auf nur noch 21,15 Dollar.

          "Schlamperei" oder Vorsatz?

          Ursache für diese Maßnahme scheint einmal eine unzureichende Dokumentation der amerikanischen Untersuchungsreihen zu sein. Zum anderen könnte aber auch die Studie selbst falsch konzipiert gewesen sein, um die Wirksamkeit des Medikaments nachzuweisen. Protokollverletzung und fehlende Daten über Patienten, die innerhalb von 30 Tagen nach der Anwendung des Medikaments verstarben, deuten zumindest auf Schlamperei hin. Nicht völlig auszuschließen sind aber auch weitergehende Überlegungen. Immerhin haben Mitarbeiter der Firma, unter anderem der CEO Samuel D. Waksal, schon im November Aktien im Wert von 138 Millionen Dollar verkauft. Ob die mehr wussten?

          Der Vorgang hatte sich schon Ende des vergangenen Jahres angedeutet. Wir berichteten schon unter dem Link „Imclone zeigt die Risiken des Geschäfts“. Daneben ist Imclone mittlerweile mit wenigstens acht Klagen von Anlegern konfrontiert, die dem Unternehmen vorwerfen, nicht genügend über die Schwächen des Zulassungsprozesses informiert zu haben.

          Einzelne Biotechwerte sind riskant

          Das amerikanische Unternehmen hat zwar auch mit dem deutschen Vertriebspartner Merck KgaA eine ähnliche Untersuchung laufen, die die US-Ergebnisse eventuell bestätigen könnten. Allerdings ist es eher anzuzweifeln, ob Merck sich dafür zu stark anstrengen wird. Denn das Unternehmen hat selbst ein „Ersatzprodukt“ in der Pipeline.

          Der ganze Vorgang bestätigt wieder einmal unsere Argumentation, in der Biotechnologie nicht auf einzelne Aktien zu setzen, sondern auf Fonds. Das Risiko ist einfach zu hoch.

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