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Biotech-Aktien : Rücktritt setzt der Krise bei MWG-Biotech die Krone auf

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MWG-Biotech: zu undurchsichtig Bild: MWG-BIOTECH AG

Nach dem Rücktritt des Gründungsvorstandes und einer Gewinnwarnung ist MWG-Biotech in der Krise. Wenig Hoffnung auf Besserung.

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          Ohne auch nur etwas über das Unternehmen zu wissen, genügt mittlerweile ein Blick auf den Chart von MWG-Biotech, um einen ersten Eindruck von der Aktie zu gewinnen. Bei so einem Kursverlauf gibt es entweder Probleme im Management, am Geschäftsmodell stimmt etwas nicht oder - noch schlimmer - beides in Kombination. Und genau das scheint bei MWG-Biotech der Fall zu sein.

          So ist es kaum verwunderlich, dass auch am Freitag der Kurs nach einer Gewinnwarnung und dem Rücktritt eines Vorstandes um mehr als 20 Prozent eingebrochen ist auf mittlerweile nur noch 2,15 Euro, ganze Galaxien vom einstigen Hoch bei knapp 50 Euro entfernt.

          Produkte nicht mehr gefragt?

          „Den Verlust hätte man ja noch verkraften können“, sagten Marktteilnehmer, aber entscheidend sei der stagnierende Umsatz. Das ergebe den Anschein, als ob die Produkte von MWG nicht besonders gefragt seien. Ein eher schlechtes Zeichen.

          Dazu kommt die Vorgeschichte. „Die finanziellen Projektionen des Unternehmens sind von Anfang an nicht realistisch gewesen“, sagt ein Analyst, der nicht genannt werden möchte. So habe sich im Laufe des Jahres 2000 immer wieder gezeigt, dass das Unternehmen die eigenen finanziellen Vorgaben nicht einhalten konnte. Zu dem eher diffusen Bild tragen mehrere Managementwechsel bei. „Die Krönung ist dabei der Rücktritt von Gründungsvorstand Michael Weichselgartner, der so zu sagen über dem Ganzen thronte“, sagt der Analyst. Weichselgartner hatte seinen Rücktritt angekündigt, falls die Probleme im Management nicht gelöst würden.

          Keine „cutting edge“ Technologie

          Problematisch sei auch, dass sich das Unternehmen phasenweise auch als Marktführer in Bereichen bezeichnet habe, in denen es gar nicht Marktführer war. Für die angebotene Technologie gab es zwar ursprünglich Bedarf im Markt, aber „cutting edge“ Technologie - also absolut führende Technologie sei das nie gewesen.

          Zum Hintergrund: MWG-Biotech hatte am Donnerstag nach Börsenschluss seine Ergebnisprognose für das Gesamtjahr gesenkt und geht nun von einem Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 4,5 Millionen Euro aus. Im Juni hatte das am Neuen Markt gelistete Unternehmen noch einen Gewinn von 1,8 Millionen Euro prognostiziert.

          Für 2001 rechnet MWG mit einem konsolidierten Umsatz von 55 Millionen Euro. Ende Mai hatte das Umsatzziel noch bei 75 Millionen Euro gelegen. Das Ergebnis werde im laufenden Jahr von der schwachen Marktlage, Kosten der Restrukturierung und Zahlungen an die Boston Consulting Group, die MWG beim Konzernumbau berät, belastet, teilte MWG mit.

          Keine Anlagealternative

          Das Unternehmen will nun zwar die Gewinnschwelle im Jahr 2002 erreichen. Aber im gesamten Kontext dürfte diese Aussage eher eine Glaubensfrage sein. Alles in allem ist MWG-Biotech nicht unbedingt die Aktie, bei der man ruhig schlafen könnte, wenn man sie sich ins Depot legt. Und ein guter Schlaf geht vor.

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