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Billigfluglinien : Ryanairs Strategie birgt Kurschancen

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"Ryanair auf Erfolgskurs" - Ein Beitrag des F.A.Z. Business-Radio Bild: dpa

Die jüngsten Zahlen belegen, dass sich das aggressive und flexible Vorgehen der Iren auszahlt. Das macht die Aktie interessant.

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          Ryanair-Chef O'Leary kämpft nach einer klaren Strategie. Die bisherigen strategischen Schritte des Iren erwiesen sich als richtig. Und haben gezeigt, dass Ryanair bedeutend flexibler als seine größeren Konkurrenten auf Marktveränderungen reagiert.

          Das macht auch die Aktie interessant, die auf die gerade vorgelegten guten Zahlen in Frankfurt bis 11.15 Uhr mit einem Abschlag von 3,6 Prozent auf 6,65 Euro reagiert. Den Anlegern schlägt offenbar die auch geplante Platzierung von 26 Millionen neuen Stammaktien (rund 3,6 Prozent des bisherigen Aktienkapitals) bei institutionellen Investoren auf den Magen.

          Aggressiver Wettbewerb zahlte sich aus

          Der Billigflieger bewegt sich in einer Branche, in der Fehleinschätzungen sehr rasch zu Problemen führen. Die Zahlen zum dritten Quartal belegen aber, dass sich das rigorose Wettbewerbsverhalten der Iren auszahlt. Den Schock nach den Anschlägen vom 11. September nutzte Ryanair sofort für Sonderaktionen und Werbekampagnen. So kostete ein Flug von Hahn nach London-Stansted zeitweise 29 Mark.

          Ryanair: frischer Wind auf dem deutschen Markt

          Zwar ging mit solchen Maßnahmen der Gewinn pro Passagier um zehn Prozent zurück. Doch der Umsatz stieg um 18 Prozent auf 135,5 Millionen Euro, der Nettogewinn um 35 Prozent auf 28,8 Millionen Euro. Der Gewinn je Aktie betrug damit 0,0389 Euro, während Marktbeobachter im Schnitt nur 0,035 Euro pro Aktie erwartet hatten.

          Branchenflaute geschickt genutzt

          Ende Januar hat die Fluglinie bis zu 150 Boeing-Maschinen vom Typ 737-800 bestellt, um ihre Expansionspläne voran zu treiben. Ein weiterer Schritt, der den Analysten zusagt. "Wir glauben, dass sich Ryanair dabei deutlich bessere Konditionen sichern konnte, weil es aus der augenblicklichen Schwäche im Flugzeugmarkt und der Größe der Order Vorteile ziehen konnte", meinen die Analysten von Merrill Lynch, die ihre Kaufempfehlung nach dem Deal bekräftigten. Bis 2009 ermögliche dieser ein durchschnittliches Kapazitätswachstum von 25 Prozent jährlich.

          Seit der Gründung 1985 hat sich Ryanair zum erfolgreichsten europäischen Billigflieger entwickelt. Die Iren wollen sich im kommenden Jahr ganz auf den deutschen Markt konzentrieren und der Lufthansa Konkurrenz machen. Den Flughafen Hahn erweitert Ryanair momentan zu ihrem zweiten kontinentalen Drehkreuz nach Charleroi. „Dank Ryanair und dem Flughafen Hahn ist die Ära des Hochpreis-Monopols der Lufthansa auf dem deutschen Markt vorbei“, hatte O'Leary zum Flughafenausbau verkündet.

          "Hohe Bewertung gerechtfertigt"

          Für das am 31. März endende Geschäftsjahr erwartet Ryanair einen Nettogewinn von 130 Millionen Euro. Die Konsensschätzung der Analysten liegt bei 0,18 Euro pro Aktie, was ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 36,9 ergibt. Für 2002/03 werden 0,215 Euro erwartet, was die Kennzahl auf 30,9 verringert.

          Eine gerechtfertigt hohe Bewertung, meinen etwa die Analysten von Credit Suisse First Boston, die ein jährliches Wachstum Ryanairs von knapp 29 Prozent über die nächsten drei Jahre erwarten. Den fairen Wert für die Aktie, basierend auf den erwarteten Cash Flows und dem Unternehmenswert, setzen sie zwischen 12,20 und 13,20 Euro pro Aktie an.

          Dennoch bleiben Risiken. Ob Ryanair sich bei seinen strategischen Entscheidungen in einem schwer prognostizierbaren Markt weiter so glücklich gegen die Konkurrenz behaupten kann, muss sich zeigen. Bleiben Enttäuschungen aber aus, hat die Aktie noch erhebliches Potenzial. Dennoch sollten Interessierte nicht ohne Stop-Loss-Marke einsteigen.

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