https://www.faz.net/-gv6-rzbi

Bilanz : Noch nie waren die Verluste nach drei Wochen so hoch

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

2008 ist das erste Jahr, in dem der Dax in den ersten drei Wochen zweistellige Verluste eingefahren hat. Die Statistik hält aber für das Gesamtjahr alle Optionen offen: Nach einem schlechten Auftakt gab es schon sehr schlechte, aber auch sehr gute Börsenjahre.

          2 Min.

          Noch nie in der Geschichte des Dax hat es in den ersten drei Wochen eines Jahres einen dermaßen starken Rückgang gegeben wie in diesem Jahr. Andreas Hürkamp von der Commerzbank, der den erst seit 1988 existierenden Deutschen Aktienindex Dax bis 1965 zurückgerechnet hat, kann keinen schwärzeren Jahresauftakt entdecken. Am vergangenen Montag, als der Dax um 7 Prozent einbrach, gab es den größten Kursrutsch an einem Tag seit den Terroranschlägen in Amerika im September 2001. Seit Jahresbeginn hat der Dax mehr als 14 Prozent verloren.

          Schwarzes Jahr 1994

          Der schlechteste Jahresauftakt stammte bisher aus dem Jahr 1994, als der Dax in den ersten drei Handelswochen um 8,5 Prozent einbrach. Dem Jahr 1994 ging wie diesem Jahr - der Dax ist 2007 im dritten Jahr in Folge um mehr als 20 Prozent gestiegen - ein sehr gutes Aktienjahr voraus. Mit 47 Prozent Zuwachs im Jahr 1993 war der Dax zum Jahresanfang 1994 offenbar anfällig gewesen für Gewinnmitnahmen. Zudem gab es an der Börse Ängste, die konservativ-liberale Regierung von Bundeskanzler Kohl werde im „Super-Wahljahr“ nicht Kurs halten. Im Jahresverlauf weitete sich das Minus aber nicht weiter aus. Am Ende stand für Dax-Anleger im Jahr 1994 ein Minus von 8,3 Prozent.

          1987 - schlecht begonnen und so weiter gemacht

          Ganz anders verlief das Jahr 1987. Es begann schlecht, und der Kursverfall setzte sich von wenigen Erholungen abgesehen bis zum 19. Oktober 1987 fort, dem „schwarzen Montag“, als der Dax wegen Ängsten vor steigenden Zinsen in Amerika um 9,4 Prozent einbrach. Insgesamt stand im Jahr 1987 der seit 1965 zweitgrößte Jahresverlust von 30 Prozent für den Dax zu Buche. Nur im Jahr 2002 - mitten in der Baisse der Jahre 2000 bis 2003, war der Jahresverlust noch größer.

          Allerdings muss ein schlechter Jahresauftakt auf Jahressicht nicht zwangsläufig Kursverluste bedeuten. Dies zeigen die Jahre 1983 und 1988, als die Aktienmärkte nach schwachem Jahresauftakt drehten und der Dax mit 40 und 33 Prozent Zuwachs hervorragend abschnitt. Gerade das Jahr 1988, als die amerikanische Notenbank nach dem schwarzen Montag im Oktober 1987 die Zinsen kräftig senkte und die amerikanische Wirtschaft schnell wieder Tritt fasste, könnte das Drehbuch auch für dieses Jahr liefern, hoffen Optimisten.

          Algorithmus-Störungen

          Allerdings sind die diesjährigen Kursverluste für den Dax eine ungleich schwerere Hypothek. An den Aktienmärkten sind derzeit zwei grundsätzlich verschiedene Meinungen zu hören. Die einen glauben, dass Amerika in eine Rezession fällt und die Weltwirtschaft erheblich bremsen wird - mit großen Auswirkungen für die starken deutschen Exportunternehmen. Die anderen vertreten die Ansicht, die Weltwirtschaft hänge anders als in den neunziger Jahren nicht mehr fast allein von den amerikanischen Konsumenten ab, sondern stehe auf mehreren Säulen - insbesondere auf dem stabilen und hohen Wachstum asiatischer Länder wie China und im Nahen Osten wie die Arabischen Emirate.

          Auffallend ist, dass über kleinere Aktienwerte derzeit kaum jemand etwas Positives sagt, obwohl M- und TecDax seit Jahresbeginn noch mehr verloren haben als der Dax. Die Hypo-Vereinsbank (HVB) führt dies auf automatische Verkaufsprogramme ausländischer Anleger zurück. Es fehle an Kaufbereitschaft, Standardaktien würden bevorzugt. Die HVB und das Bankhaus Lampe gehen davon aus, dass sich dieser Trend erst mit Vorlage der Jahresabschlüsse für 2007 und damit nicht vor Februar umkehrt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Parteitag in Berlin : Die Wende der SPD

          Der Parteitag in Berlin ist ein historischer Bruch für die SPD. Sie verabschiedet sich endgültig von der „neoliberalen“ Schröder-Ära durch ein Programm für einen „neuen Sozialstaat“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.