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Bewertungen : Das Aufholpotential nimmt ab

  • Aktualisiert am

Auch Trinity Mirror leidet unter immer weniger Zeitungslesern Bild: AFP

Wie viel Potential bieten Aktien noch, die in den vergangene Monaten gut gelaufen sind? Fundamental betrachtet gibt es nur noch wenig Spielraum. Ein Kandidat könnte der Flugzeugfinanzierer Aercap sein.

          Wer einmal tief Luft holt und auf die Entwicklung der Aktienkurse in den vergangenen zehn Wochen seit Anfang Juli zurückblickt, dem kann zufrieden sein. Trotz der jüngsten Schwankungen verzeichnet der Dax ebenso wie der Dow Jones einen Zuwachs von 11 Prozent, der TecDax von knapp 13 und der Nasdaq-Index von immer noch mehr als 9 Prozent.

          Damit hat sich die Rally abgeschwächt und genau das vermag Hoffnung zu machen, dass sich die Aktienkurse auch weiter positiv entwickeln. Geht man von dieser These aus, so stellt sich vor allem die Frage, auf welche Werte man dabei setzen kann. Am besten soll es eine Aktie sein, die weiter eine positive Entwicklung zu verzeichnen hat, aber immer noch fundamental günstig bewertet erscheint.

          Deutsche Aktien Mangelware

          Legt man als Kriterium ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von weniger als 10 im laufenden und kommenden Geschäftsjahr auf Basis der durchschnittlichen Analystenprognosen an und betrachtet die 100 Aktien aus der Datenbank des Dienstleisters Bloomberg mit der besten Wertentwicklung in Westeuropa und Amerika und einer Marktkapitalisierung von mehr als 500 Millionen Euro, so fällt zunächst auf, dass deutsche Aktien hier so gut wie gar nicht vertreten sind. Lediglich die Aktie der Hannover Rück kann sich im hinteren Mittelfeld plazieren. Auch bekannte Namen sind eher selten. Vor allem Vodafone ist auf einem der hinteren Plätze zu finden, ebenso wie Zurich Financial.

          Dominiert wird die Rangliste, nicht weiter verwunderlich, von amerikanischen Werten, die 59 der 100 Plätze belegen, 10 Unternehmen stammen aus Großbritannien, sieben aus Kanada. Angesichts der Bedeutung dieser Aktienmärkte ist diese hohe Gewichtung auch nicht weiter überraschend.

          Viel Versicherungsaktien

          39 der 100 Unternehmen entstammen der Versicherungsbranche. Diese hohe Dominanz wird aber nicht zuletzt dadurch bestimmt, das Versichereraktien traditionell ein niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis aufweisen. Indes ist dies ein Indiz dafür, dass das Aufholpotential offenbar deutlich abgenommen hat.

          Weiter stark gewichtete Branchen sind das Gesundheitswesen (13 Werte) und die Nahrungsmittelindustrie (8 Werte). An der Spitze der Tabelle steht einsam ein Unternehmen der Medienbranche. Mit einem Kursgewinn von 151 Prozent in den vergangenen 10 Wochen ist die britische Trinity Mirror der unbestrittene Spitzenreiter in der Auswahl.

          Turnaround-Spekulationen um Trinity Mirror

          Der größte britische Zeitungsverlag, der neben 240 Regionalzeitungen auch den Daily Mirror und People veröffentlicht, bietet eine klassische Turnaround-Story. Seit 2004 ist der Umsatz zunächst allmählich und zuletzt immer schneller um insgesamt ein Viertel auf 872 Millionen Pfund gefallen. Trotz eines ertragreichen Jahres 2007 hat sich die Gewinnentwicklung verschlechtert, 2008 verbuchte Trinity einen Verlust von 59 Millionen Pfund.

          Im Februar aber empfahl der Broker Singer Capital die Aktie zum Kauf, seither hat sich der Aktienkurs vom Tiefstand der vergangenen 18 Jahre bei 19,75 Pence annähernd verzehnfacht. Singer rechnet damit, dass sich die Erlösentwicklung stabilisiert. Zudem werde sich die Entwicklung des Cashflows und der Verschuldung zunehmend klarifizieren. Die Sorgen über die Anzeigenentwicklung bei den Regionalblättern hätten sich verringert und die der überregionalen Zeitungen sei besser.

          Nichtsdestoweniger rechnen Analysten im Durchschnitt damit, dass die Umsätze bis 2011 um weitere 14 Prozent schrumpfen werden und der dann erreichte Zuwachs zulasten des operativen Gewinns gehen wird. Auch Singer-Analyst Jonathan Barrett drückt sich kryptisch aus: Die Umsätze würden in den kommenden 12 Monaten wieder wachsen oder es werde so aussehen, dass sie wieder wüchsen.

          Aercap erscheint noch günstig

          Auch einige Werte aus der Luftfahrtbranche sind in der Liste enthalten. Dazu gehört auch die niederländische Aercap, die in den neunziger Jahren aus der damals angeschlagenen Fokker hervorging und Flugzeuge finanziert. Die Furcht der Anleger vor Insolvenzen aufgrund des Rückgangs der Nachfrage nach Flugzeugen ließ auch den Aktienkurs von Aercap zwischen Mitte 2007 und März 2009 um fast 95 Prozent fallen. Seitdem hat er sich wieder nahezu verfünffacht.

          Das Unternehmen verzeichnete im zweiten Quartal einen Anstieg der Leasingeinnahmen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 18 Prozent auf knapp 170 Millionen Dollar. Die Nettomarge nach Zinsen stieg um 21 Prozent. Dennoch beträgt das Kurs-Gewinn-Verhältnis für das laufende und das kommende Jahr auf Basis der Analystenschätzungen weiter nur wenig mehr als 4.

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