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Beteiligungsgesellschaften : Augusta läßt auf neuen Aktien-Sommer hoffen

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Ralph Zettler soll Augusta in eine neue Zukunft führen Bild: Augusta Technologie AG

Einst war die Augusta Holding ein Börsenliebling. Doch dann geriet das Unternehmen in Schwierigkeiten, fiel in Ungnade und stand kanpp vor der Insolvenz. Jetzt besteht Hoffnung auf einen Neuanfang.

          Groß im Kommen ist die Aktie die Augusta Technologie AG. Besser gesagt: sie ist wieder da. 49 Prozent ging es im November für die Aktie nach oben. Mittlerweile notiert sie bei 8,05 Euro 80 Prozent höher als noch Mitte Oktober.

          Grund sind Hoffnungen auf einen Neuanfang bei der gebeutelten Technologieholding. Augusta war beim Börsengang im Mai 1998 eines der ersten Unternehmen am Neuen Markt. Mitbegründer der Mittelstandsholding war Manfred Bernau, ein umstrittener Investor.

          Umstrittene Beteiligungspakete

          Kritiker hielten Bernau vor, er bündele mittelständische Unternehmen ohne hinreichendes Ansehen der Ertragskraft in undurchsichtigen Holding-Gesellschaften zusammen, um sie an die Börse zu bringen.

          Die Kursentwicklung der Gesellschaften war jedenfalls meistens negativ. Die Berliner Elektroholding, die heute Adcapital heißt, kam 1996 für rund 21 Euro an den Markt, erlebte einen kurzen Höchststand im Jahr 1998 bei 24,80 Euro und stürzte bis 2003 auf 3,30 Euro ab. Bernau und der damalige Vorstand stritten sich lange Zeit um die Strategie. Nach vielen Portfolio-Bereinigungen notiert das Papier heute bei 9,20 Euro.

          Auch an der Max Holding, die heute M.A.X. Automation heißt, war Bernau beteiligt. Sie startete im Mai 1994 bei 6,98 Euro, gipfelte 1997 bei 8,46 Euro und fiel bis 2003 auf 66 Cents. Nach vielen Portfolio-Bereinigungen hat sie sich auf 2,20 Euro erholt.

          An Augusta, deren Vorstand er 1999 und deren Aufsichtsrat er 2002 verließ, hält er keine direkte Beteiligung mehr. Die Augusta-Aktie flog bis auf fast 500 Euro nach oben, nachdem sie rückgerechnet mit rund 200 Euro gestartet war. Mit dem Neuen Markt brach sie ein, konnte sich aber auch in den Jahren danach nicht erholen und stürzte schließlich 2004 auf ein Allzeittief von drei Euro.

          Sorgen mit Data Display & Pandatel

          Grund waren auch bei Augusta unter anderem eine schwache Entwicklung von Beteiligungsfirmen. Das ursprüngliche Portfolio bestand aus so unterschiedlichen Firmen wie dem Flachbildschirmhersteller Data Display und dem Waagen-Hersteller Korona. Doch das Geschäft mit der Beteiligungsverwertung lief nicht so wie erwünscht. Nach 2001 rutschte das Unternehmen bei sinkenden Umsätzen in die Verlustzone.

          Die Beteiligung an Data Display, die bei vielen Beobachtern als überbewertet galt, konnte nicht gehalten werden, weil eine Put-Option der Minderheitsaktionäre nicht bezahlt werden konnten. Eine der größten Beteiligungen war der Netzwerkausrüster Pandatel, der 2001 in die Krise geriet und dessen Umsätze bis heute zum Teil dramatisch schrumpften. Mit einem Umsatz von 2,8 Millionen Euro wurde im ersten Quartal diesen Jahres ein vorläufiger Tiefpunkt erreicht. Seit Mitte 2002 verbucht Pandatel hohe Verluste. Nach neun Monaten liegt der diesjährige Fehlbetrag bei 11,65 Millionen Euro oder 130 Prozent des Umsatzes.

          Vor allem aber drückte eine Wandelanleihe im Volumen von 75 Millionen Euro, die in diesem Jahr fällig werden sollte. Das Volumen von 75 Millionen Euro hätte eine Insolvenz unweigerlich nach sich gezogen.

          Neuanfänge auf der ganzen Linie

          Im November 2004 war die Hälfte des Grundkapitals aufgezehrt. Im Mai wurde das Kapital herabgesetzt. Eng wurde es, als mehrere Aktionäre gegen den Umtausch der Wandelanleihe im Zuge eines Debt-to-Equity-Swaps in junge Anteilsscheine eine Anfechtungsklage einreichten. Doch im Oktober konnte ein Vergleich erzielt werden.

          Vor allem aber wird man sich bis Jahresende von der an ein Faß ohne Boden gemahnenden Beteiligung an Pandatel endgültig getrennt haben. Der Wertverlust ist immens. Gerade einmal rund 3,2 Millionen Euro wird Augusta für die Anteile erhalten, die einmal einen Börsenwert von 750 Millionen Euro hatten. Selbst beim Börsengang betrug der Wert einst noch 100 Millionen.

          Personell wird ebenfalls ein Neuanfang gemacht. Alt-Vorstandschef Axel Haas verläßt das Haus. Seine Funktion wird von Ralph Zettler übernommen, der im September neu zu Augusta stieß. Vom ehemaligen Augusta-Vorstand ist damit nur noch Finanzchef Udo Zimmer übrig.

          Das alles läßt Anleger auf einen Neuanfang hoffen. In den ersten neuen Monaten des laufenden Geschäftsjahres konnte Augusta jedenfalls den Umsatz um immerhin vier Prozent auf 150 Millionen Euro steigern. Das Segmentergebnis der drei Geschäftsfelder stieg auf 15,2 Millionen Euro nach bereinigten 1,1 Millionen im Vorjahr. Allerdings plagen das Unternehmen noch eine Nettoverschuldung von 68,8 Millionen Euro und ein negativer Cash-Flow aus der operativen Geschäftstätigkeit von 4,8 Millionen Euro, der über dem Niveau des Vorjahres liegt.

          Die Zukunft ist offen

          Und nach diversen fälligen Abschreibungen steht nach neun Monaten ein Verlust pro Aktie von 64 Cent zu Buche. Indes besteht die Hoffnung, daß zumindest die umfangreichsten Abschreibungen getätigt sind. Dann würde sich der Gewinn deutlich verbessern und bei einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von geschätzten rund 0,35 im laufenden Jahr erschiene die Bewertung richtiggehend attraktiv.

          Indes gibt es auch Faktoren, die die weitere Entwicklung hemmen könnten. Die Beteiligungen Dr. Keil, Sensortechnics, Allied Vision Technologies und DLoG haben sich in Darlehensverträgen verpflichtet, einen Mindestbetrag an liquiden Mitteln zu halten. Dies könnte die Möglichkeit dieser Gesellschaften beschränken, Beteiligungserträge an die Augusta auszuschütten. Auch will Augusta nicht ausschließen, daß bei einzelnen Tochtergesellschaften Kreditlinien gekündigt werden könnten.

          Auch charttechnisch ist die Entwicklung noch unsicher. Bei acht Euro liegt eine starke Widerstandszone, die bis auf 9,10 Euro hinaufreicht und die das Papier noch nicht hat überwinden können. Der jüngste Kursanstieg ist rasch vor sich gegangen, was bei schlechten Nachrichten einen Sturz auf sechs Euro befürchten läßt. Diese Spekulation ist heiß.

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