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Beteiligungen : Gesco-Aktie hat noch Potential

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Bild: FAZ.NET

Gesco bilanziert für ein Beteiligungsunternehmen angenehm konservativ und steigert dennoch ordentlich den Gewinn. Ein wichtiger charttechnischer Widerstand ist durchbrochen. Jetzt muß sich zeigen, ob dieser künftig als Unterstützung dienen kann.

          Die Gesco-Aktie darf als Erfolgsgeschichte gelten. Die Titel des Beteiligungsunternehmens kosteten 2002 zeitweise nur 8,30 Euro, haben sich dann aber prächtig erholt und seit 2005 ein Rekordhoch nach dem nächsten markiert. In diesem Jahr arbeitete sich die Aktie lange an einem Widerstand bei 40 Euro ab. Anfang dieses Monats gelang endlich der Sprung über diese Marke und ein neues Rekordhoch bei 41 Euro.

          Doch jetzt hat der Kurs wieder korrigiert, am Montag ging die Aktie nach einem Minus von 2,2 Prozent bei 40 Euro aus dem Handel (Isin DE0005875900). An diesem Dienstag wird sich zeigen, ob der vormalige Widerstand als Unterstützung dient, was aus charttechnischer Sicht ein gutes Zeichen wäre. Fällt der Aktienkurs dagegen weiter, muß die Notiz einen neuen Anlauf nehmen.

          Gewinn und Umsatz legen zu

          Aus fundamentaler Sicht ist es schwierig, Argumente zu finden, die gegen die Aktie sprechen. Kennzahlen wie Umsatz, Gewinn, Eigenkapitalquote oder Dividende weisen schließlich seit Jahren nach oben.

          Auch die im November vorgelegten Zahlen für das erste halbe Geschäftsjahr 2006/07 zeigen in die richtige Richtung: Der Auftragseingang verbesserte sich um 7,4 Prozent auf 128,9 Millionen Euro, der Umsatz um 9,0 Prozent auf 123,2 Millionen Euro, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern um 19,4 Prozent auf 10,1 Millionen Euro und der Konzernüberschuß um 16,4 Prozent auf 4,9 Millionen Euro.

          „Unternehmer-Unternehmen“

          Die Gesco AG „hat sich als Beteiligungsgesellschaft der Aufgabe verschrieben, profitable und strategisch interessante Unternehmen des industriellen Mittelstands zu erwerben, sie weiter zu entwickeln und damit den Wert der einzelnen Unternehmen wie auch der gesamten Gesco-Gruppe konsequent zu steigern“, heißt es auf der Internetseite der Wuppertaler Firma, dessen Beteiligungsportfolio derzeit zwölf Unternehmen umfaßt. „Ertragssteigerung geht dabei vor Umsatzwachstum.“

          Die Gesellschaft übernimmt mittelständische Nischenanbieter der Segmente Werkzeug- und Maschinenbau sowie Kunststofftechnik vollständig und auf lange Sicht, meist im Rahmen von Nachfolgeregelungen. Gesco versteht sich als „Unternehmer-Unternehmen“, wie weiter erläutert wird: „Qualifizierte Branchen-Experten führen die Tochtergesellschaften, an denen sie in der Regel als Gesellschafter mitbeteiligt sind.“

          „Gute Chancen“

          „Gesco kommt der langfristige Trend zugute, daß bei immer mehr mittelständischen Unternehmen die Frage der Unternehmensnachfolge ansteht“, heißt es in einer Studie von German Business Concepts, einem Analysehaus für Nebenwerte.

          Mit Frank, Döhmer, Hubl und SVT seien seit 2002 vier Unternehmen zu günstigen Preisen erworben worden. „Aufgrund des nachhaltigen und langfristig orientierten Ansatzes dürften für Gesco auch zukünftig die Chancen gut stehen, daß attraktive Transaktionen getätigt werden.“

          Konservative Bilanz

          German Business Concepts hebt auch die konservativen Bilanzierungsmaßstäbe hervor: Der Goodwill belaufe sich bei Gesco trotz diverser Akquisitionen nur auf 5,5 Millionen Euro. Bei Beteiligungsunternehmen kann der Goodwill schnell sehr hoch werden, weil in der Regel der Unterschiedsbetrag zwischen Kaufpreis und Eigenkapital aktiviert wird. Dieser Goodwill wird in den Folgejahren mit Impairment Tests auf Werthaltigkeit überprüft, eine planmäßige Abschreibung gibt es nicht.

          Gesco nutze jedoch eine Regelung, die es erlaube, die Komponente „Immaterielle Vermögensgegenstände“ vom restlichen Goodwill abzuspalten und weiterhin planmäßig abzuschreiben. „Hierdurch erhöhen sich die laufenden Abschreibungen und gleichzeitig fällt der Nettogewinn optisch niedriger aus“, heißt es in der Studie. „Jedoch erhöht sich durch den niedrigen Goodwill die Qualität der Bilanz.“

          Auch die Dividende spricht für die Aktie

          Die Analysten rechnen für dieses Jahr mit einem Gewinn je Aktie von 4,44 Euro, was einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von neun entspricht. Bei der Dividende rechnen sie mit 1,50 Euro, damit würde sich eine Dividendenrendite von 3,75 Prozent ergeben. KGV und Dividende sprechen ohne Frage für die Aktie.

          Alles in allem sollten die Chancen auf steigende Kurse also nicht schlecht stehen. Das gilt aber nur für den Fall, daß die charttechnische Unterstützung bei 40 Euro hält.

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