https://www.faz.net/-gv6-89m3y

Bester Börsenmonat : Goldener Oktober an den Aktienbörsen

Auch im Schlosspark Charlottenburg herrscht gerade ein goldener Oktober. Bild: dpa

Die Kurse an Europas Börsen sind gerade so stark wie seit vielen Jahren nicht mehr gestiegen. Das gilt für den deutschen Dax ebenso wie für eine griechische Bank.

          Börsenweisheiten sind zweifelhafte Ratgeber. Wer in diesem Jahr jedoch der Regel „Sell in May and go away, but remember, come back in September“ gefolgt ist, hat die Verluste der Sommermonate vermieden und nun im Oktober hohe Kursgewinne erzielt. Für den breiten europäischen Aktienindex Stoxx 600 ging es im Oktober um 8 Prozent nach oben und damit so deutlich wie seit Juli 2009 nicht mehr. Der 100 Aktien umfassende F.A.Z.-Euro-Index stieg sogar um 10 Prozent und damit so stark wie nie seit Beginn der aktuellen Hausse im Frühjahr 2009. Auch der Dax erholte sich kräftig von seinen Rückschlägen im Sommer. Von 9660 Punkten Ende September ging es um 12 Prozent auf 10.850 Punkte hinauf. Gleichwohl bleibt das Jahreshoch von 12.391 Punkten aus dem April noch weit entfernt.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Liegt es also vor allem an der Jahreszeit, dass die Kurse plötzlich drehen? Einige technisch orientierte Analysten halten von dieser Ansicht viel und haben auch sogleich genügend Statistiken parat, um sie zu belegen. Tatsächlich gehört der Oktober zu den stärksten Börsenmonaten, der September ist der schwächste, aber auch Mai und August sind oft schlecht.

          Streng an Wirtschaftsdaten orientierte Anleger halten von den Saisonmustern wenig. Für sie brachte der Oktober wichtige Erkenntnisse, die den Kursumschwung begründeten. Die im Sommer aufgekommenen Zweifel an der Wachstumsstärke der chinesischen Wirtschaft ließen neue Einschätzungen zur Geldpolitik zu. Die Mehrheit der Analysten hielt fortan eine zuvor oft schon als sicher angesehene Zinswende in den Vereinigten Staaten noch in diesem Jahr für unwahrscheinlich. Mancher Beobachter erwartete die erste Zinserhöhung sogar erst 2017.

          Zudem schürte die Europäische Zentralbank (EZB) die Erwartungen, dass sie den Märkten nicht nur weiter hilfreich zur Seite stehen werde, sondern ihr bis September 2016 angelegtes Anleihekaufprogramm von etwa 60 Milliarden Euro im Monat verlängern und ausweiten könnte. Die japanische Notenbank - die expansivste von allen - ließ außerdem wissen, dass sie keinerlei Grenzen für ihre Aktionen sehe, die Inflation Richtung 2 Prozent zu treiben. Die chinesische Notenbank wiederum senkte zum sechsten Mal innerhalb eines Jahres die Zinsen und hat mit einem Leitzins von mehr als 4 Prozent noch viel Spielraum nach unten.

          Gemischte Zahlen

          Für die Aktienmärkte ist billiges Geld seit je ein wichtiger Treiber der Kurse. Je niedriger die Zinsen sind, desto unattraktiver werden Zinsanlagen. Aktien stehen damit vergleichsweise besser da. Die Anleiherenditen liegen vielerorts im negativen Bereich. Zudem muss das Geld der Notenbanken ja irgendwie investiert werden.

          Das nutzt den Aktienmärkten jedoch nur dann, wenn die Konjunkturaussichten einigermaßen passabel sind. Denn auch der niedrigste Zins und die reichlichste Liquidität kann einen Kurssturz nicht verhindern. Das haben die Aktionäre von April bis September für viele überraschend klar aufgezeigt bekommen. Für die Wende im Oktober waren daher auch positive Konjunktursignale nötig. Und die waren genau nach dem Geschmack vieler Anleger. Nicht zu gut - so dass die Notenbanken nicht doch plötzlich zu einer strafferen Geldpolitik verleitet werden könnten -, aber eben auch nicht so schlecht, dass eine drastische Abschwächung der Weltkonjunktur zu befürchten wäre. Die Hiobsbotschaften blieben aus. Auch die derzeit berichteten Zahlen der Unternehmen über ihre Geschäfte im dritten Quartal liefern dieses gemischte Bild, das vor Euphorie ebenso schützt wie vor Panikmache.

          Schwache Finanzwerte

          Unter den Einzelwerten konnten sich im Oktober einige Prügelknaben der Sommermonate besonders stark erholen. Im F.A.Z.-Euro-Index stand die National Bank of Greece mit einem Kursplus von 67 Prozent an der Spitze vor Eon (plus 24 Prozent) und RWE (plus 22 Prozent). Nur 3 der 100 Werte gaben nach, und dies auch nur leicht: Der Kurs der belgischen Bank KBC verlor ebenso 2 Prozent wie der des französischen Baustoffkonzerns Saint Gobain. Der niederländische Telekomkonzern KPN büßte 1 Prozent an Wert ein.

          Unter den zehn Branchenindizes schlug sich der F.A.Z.-Euro-Industrie mit einem Monatsplus von 12 Prozent am besten, angeführt von einer Erholung des Autowertes Renault (plus 34 Prozent), Airbus (plus 22 Prozent) und Daimler (plus 21 Prozent). Aber auch der im Jahresvergleich bislang recht schwache Grundstoff-Index belebte sich unter Federführung der finnischen Papierhersteller UPM-Kymmene (plus 27 Prozent) und Stora Enso (plus 25 Prozent). Auch die meist gebeutelten Aktien aus den Bereichen Energie und Versorgung festigten sich im Oktober deutlich.

          Ihren stabilen Aufwärtstrend nahmen indes die Branchen Konsum und Gesundheit wieder auf. Der französische Spezialist für diverse Alkoholika Pernod Ricard verbuchte ein Monatsplus von 19 Prozent, gefolgt von den Bierkonzernen Anheuser-Busch Inbev und Heineken sowie dem französischen Luxusgüterkonzern Kering, ehemals Pinault Printemps Redoute (PPR). Im Gesundheitsbereich lag die belgische Fagron mit plus 26 Prozent vorne. Seit Jahresanfang ist der Finanz-Index die schwächste Branche und holte auch im Oktober nicht auf.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Unser Sprinter-Autor: Felix Hooß

          FAZ.NET-Sprinter : Polizisten in der AfD

          Die Diskussion um die Kandidatur von fünf Polizisten für die AfD-Thüringen nimmt Fahrt auf. Und eine neue Allensbach-Studie zeigt: Der Höhenflug der Grünen beschränkt sich auf Westdeutschland. Was außerdem wichtig wird, steht im FAZ.NET-Sprinter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.