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Beruhigung an den Börsen : An den Aktienmärkten steigt der Optimismus

  • -Aktualisiert am

Aktienmärkte beruhigen sich Bild: F.A.Z.

Der Trend zeigt an den Börsen weiter nach oben: Die Kursschwankungen nehmen ab und die Aktienkurse klettern über wichtige Indexmarken. Aber die Skepsis ist noch nicht verflogen.

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          An den internationalen Aktienmärkten festigt sich der Optimismus. Der Trend der wichtigsten Marktbarometer vor allem in den Vereinigten Staaten und Europa zeigt nach kräftigen Kursaufschlägen weiter nach oben. „Eine zunehmende Zahl von Aktienindizes liegt über der 200-Tage-Linie“, konstatieren die Analysten der britischen Bank Barclays. Die 200-Tage-Linie ist der gleitende Durchschnitt der Aktienkurse über diesen Zeitraum und wird üblicherweise als Trendindikator verwendet. Wenn Aktienkurse über die 200-Tage-Linie klettern, gilt das unter Analysten, die sich auf die Auswertung von Kursbewegungen konzentrieren, als Kaufsignal. Zu den Aktienindizes, die sich über dieser vielbeachteten Trendlinie bewegen, gehören neben dem amerikanischen S&P 500 auch der britische FTSE 100, die deutschen Barometer Dax und F.A.Z.-Index sowie der brasilianische Bovespa.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Gleichzeitig haben die extrem starken Schwankungen der Aktienkurse, die noch in der zweiten Jahreshälfte 2011 die Marktteilnehmer verunsichert hatten, deutlich abgenommen. In den Vereinigten Staaten ist das „Angst-Barometer“ Vix, das die erwarteten Schwankungen der Aktienkurse anhand von Optionspreisen auf den S&P 500 misst, auf den niedrigsten Stand seit mehr als sechs Monaten gefallen. Zuletzt notierte der Vix unter 20 Punkten. Im vergangenen August, als die Ratingagentur Standard & Poor’s die Bonität der Vereinigten Staaten senkte und Sorgen wegen der Euro-Krise die Händler umtrieben, war der Vix bis auf 48 Punkte geklettert. Auch im Dezember lag der Vix noch deutlich über 30 Zählern. Die Skepsis ist bei Händlern angesichts der noch frischen Erinnerung an die Turbulenzen der vergangenen sechs Monate allerdings noch nicht verflogen. „Wir sind nervös. Wir machen uns ein wenig Sorgen wegen der zu starken Aufwärtsbewegung“, schreibt der amerikanische Investor Dennis Gartman, der sich selbst als grundsätzlichen Optimisten bezeichnet, in seinem an der Wall Street vielgelesenen Marktkommentar. Der Kursanstieg erinnert viele Anleger an das erste Halbjahr 2011, als die Börsianer auf Wachstum der amerikanischen Wirtschaft hofften und die Euro-Krise in den Hintergrund geraten war.

          Es werden nicht mehr alle Aktien über einen Kamm geschert

          Europa ist aber immer noch ein latenter Risikofaktor. Darauf weisen auch die Fachleute für europäische Anleihen von der Deutschen Bank in London hin. „Obgleich es falsch wäre, zu behaupten, dass es keine positiven Entwicklungen gab, haben wir häufig ähnliche Kursanstiege und hochfliegende Hoffnungen erlebt, seitdem diese Staatsschuldenkrise begonnen hat“, schreiben die Analysten Jim Reid und Colin Tan. Nach Ansicht der Analysten befinden sich die Märkte in einer Phase der „Flitterwochen“, weil es neue Regierungen in Italien und Spanien gibt und die Europäische Zentralbank aktiver agiert. Die Sparpolitik dürfte das Wachstum allerdings über Erwarten stark beeinträchtigen. „Die Probleme in Europa dürften wieder auftauchen.“ Noch werden die Aktienkurse zumindest in den Vereinigten Staaten wie im vergangenen Jahr von der Hoffnung auf andauerndes Wirtschaftswachstum getrieben, nachdem die Arbeitslosenquote zuletzt rückläufig war.

          Überdies werden mittlerweile offenbar nicht mehr alle Aktien über einen Kamm geschert. Im vergangenen August waren 74 Prozent der amerikanischen Aktien im Gleichschritt marschiert, heißt es bei der Bank of America. Mittlerweile korrelieren nur noch 15 Prozent der Aktien. Getrieben wird der Anstieg des S&P 500 von Aktiensegmenten, die sensibel auf die Entwicklung der Konjunktur reagieren. Die Kurse von Grundstoffherstellern, der führenden Untergruppe im S&P 500, haben seit Anfang des Jahres um 9,4 Prozent zugelegt. Das zweitbeste Segment sind Finanzwerte mit einem Plus von knapp 9 Prozent. Der kräftige Aufschwung von Finanzwerten zeigt sich am Branchenbarometer KBW Bank Index, der seit Jahresanfang um mehr als 10 Prozent geklettert ist.

          Trotz der Kursgewinne von 4,5 Prozent in diesem Jahr gilt der S&P 500 immer noch als günstig bewertet. Gemessen an den durchschnittlichen Gewinnerwartungen für das Jahr 2012 liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des S&P 500 nach Angaben des Informationsdienstes Thomson Reuters derzeit bei 12,3. Im langfristigen Durchschnitt liegt das KGV des S&P 500, ein gebräuchlicher Maßstab für die relative Bewertung von Aktien, bei 15.

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