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Bericht vom internationalen Finanzmarkt : Viele Risiken lauern auf die Anleger

Zweifel am EZB-Programm zum Kauf von Pfandbriefen

Getrieben hat die Aktienkurse seit Dienstag vor allem die wachsende Bereitschaft unter den europäischen Politikern, Banken gegen Verluste, die eine Umschuldung Griechenlands mit sich bringt, mit Eigenkapitalspritzen zu wappnen. Zudem kündigte Jean-Claude Trichet auf seiner letzten Pressekonferenz als Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) neue Liquiditätsmaßnahmen für Banken an. Auch stellt die EZB 40 Milliarden Euro für den Kauf von Pfandbriefen bereit.

In den Emissionsabteilungen der Banken wird allerdings bezweifelt, dass das neu aufgelegte Programm der EZB zum Kauf von Pfandbriefen große Wirkung haben wird. Seit drei Wochen werde darüber spekuliert, aber die Risikoaufschläge für die gedeckten Bankanleihen stiegen nach kurzen Phasen der Stabilisierung immer weiter, heißt es. Weitere Kursverluste für die Besitzer von Pfandbriefen und teure Finanzierungskosten für die emittierenden Banken gäbe es, wenn sich die zugrunde liegende Bund-Rendite weiter erhöhen sollte.

Auftakt einer neuen Welle von staatlichen Bankenrettungen?

Auch Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank, zweifelt am Erfolg der EZB-Strategie. „Das neue Programm zum Ankauf von Pfandbriefen kann den Banken in Deutschland, Spanien und Irland helfen. Es mag das Risiko einer Kreditklemme etwas vermindern. Aber angesichts des großen Misstrauens, das europäischen Banken auf den Weltmärkten entgegenschlägt, dürfte es nur eine begrenzte Wirkung haben“, sagte Schmieding dieser Zeitung. Für ihn ist vielmehr die große Frage: „Ist die EZB bereit, notfalls die Finanzstabilität Europas durch weitere Ankäufe von Staatsanleihen zu wahren und damit eine Megarezession zu verhindern?“ Der Analyst warnt: „Sollte die EZB den Ankauf von Pfandbriefen als eine Art Alternative statt als eine Ergänzung zu Ankäufen von Staatsanleihen verstehen, könnte das Signal für die Märkte letztlich sogar negativ sein.“

Entscheidend für die Märkte dürfte indes zunächst sein, ob und wie die europäischen Staaten Banken rekapitalisieren. Die Politiker sind alarmiert durch den Fall des großen belgisch-französischen Kommunalfinanzierers Dexia. Trotz einer guten Kernkapitalquote von 11,2 Prozent liehen andere Banken Dexia kaum mehr Geld. Darin zeigt sich exemplarisch das Misstrauen der Anleger in die Kernkapitalquoten der Banken. In diesem Verhältnis von risikogewichteten Aktiva und Haftungskapital kommen Staatsanleihen nicht vor, weil sie gesetzlich „Nullrisiko“ und damit keine risikogewichteten Aktiva sind. Dexia hat allein 21 Milliarden Euro an Anleihen hochverschuldeter Euroländer. Rund 100 Milliarden der 520 Milliarden Euro großen Bilanzsumme finanziert Dexia kurzfristig über den Kapitalmarkt. Doch andere Banken liehen dem Kommunalfinanzierer zuletzt kaum mehr Geld. Deshalb wird Dexia nun in Einzelteile zerlegt und von ihren staatlichen Eignern vor einem Liquiditätsengpass bewahrt. Es könnte der Auftakt einer neuen Welle von staatlichen Bankenrettungen sein. Sie senkten zwar das Insolvenzrisiko für die Bankaktionäre. Aber nach Kapitalerhöhungen muss ein künftiger Gewinn mit mehr Aktionären geteilt werden.

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