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Bericht vom internationalen Finanzmarkt : Das große Auf und Ab der Gefühle

  • -Aktualisiert am

Die Gefahr einer „harten“ Landung ist in China abgewendet. Der Yuan notierte vergangene Woche bei 6,3030 Dollar Bild: dapd

Schwächeres Wirtschaftswachstum in China, schlechterer Arbeitsmarktbericht in Amerika - schon weicht die Euphorie der Verunsicherung. Die Korrektur dürfte nicht von Dauer sein.

          Umsatzschwache Handelstage über die Osterzeit laden zu einer lang erwarteten Korrektur geradezu ein. Nun hat sich der Markt zurechtgerüttelt: Die globalen Aktienmärkte haben um 5 Prozent korrigiert. Allein in der vergangenen Woche verlor der deutsche Aktienindex Dax 2,8 Prozent auf 6584 Punkte. Die Renditen an den Anleihemärkten der peripheren Mitgliedstaaten der Europäischen Währungsunion sind wieder in die Höhe geschnellt. Ein schwächeres Wirtschaftswachstum in China und ein schlechterer Arbeitsmarktbericht in den Vereinigten Staaten - und schon weicht die Euphorie der vergangenen Monate tiefer Verunsicherung.

          Zunächst zu China: Zwar ist die Wirtschaft des Fernostgiganten im ersten Quartal „nur“ um 8,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal gestiegen, und Peking strebt dieses Jahr ein Wirtschaftswachstum von „nur“ 7,5 Prozent an. Doch Daten über den Absatz im Einzelhandel, über die Industrieproduktion und die Kreditvergabe lassen erkennen, dass China den Tiefpunkt der Konjunkturflaute im ersten Quartal offenbar durchschritten und die Gefahr einer „harten“ Landung abgewendet hat. Nachdem Peking die Bandbreite der Wechselkursschwankung des Yuan gegenüber dem Dollar auf 1 Prozent ausgeweitet hat, dürfte sich der Blick der Finanzmärkte von China wieder abwenden. Der Yuan notierte vergangene Woche bei 6,3030 Dollar. Er ist seit Juni 2010 um 8,3 Prozent und in den vergangenen sieben Jahren um 31 Prozent gestiegen.

          Amerika überrascht mit besseren Wachstumszahlen

          In den Vereinigten Staaten hat der jüngste Arbeitsmarktbericht zwar enttäuscht. Er bestätigt jedoch den Trend der sehr mittelmäßigen, aber dennoch stetigen Konjunkturerholung des Landes. Die beiden größten Volkswirtschaften der Welt werden der Welt also in den kommenden Quartalen weiteres Wachstum bescheren, so dass auch an den Rohstoffmärkten ein Stimmungswandel zu erwarten ist mit wieder steigenden Notierungen.

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          Nachdem Standard & Poor’s Großbritannien bestätigt hat, dass die Regierung mit ihrem fiskalpolitischen Sanierungsprogramm auf Kurs ist und das Land seine Spitzenbonität von „Aaa“ behalten wird, ist es der Krisenherd der Währungsunion, der die Investoren beunruhigt. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, warum sich die Stimmung im Herbst vergangenen Jahres so aufhellte, nachdem die Investoren extrem negativ positioniert waren: Nicht nur überraschte Amerika mit besseren Wachstumszahlen, sondern die EZB hatte den peripheren Banken - und damit indirekt den peripheren Anleihemärkten - mit ihrem zweiten, dreijährigen Langfristtender unter die Arme gegriffen. Von Seiten der Notenbank war damit das maximal Mögliche getan worden, um Zeit zur Krisenbewältigung zu gewinnen.

          Gleichzeitig waren der Fiskalpakt mit Reformbestrebungen in den Peripherieländern vereinbart worden. An diesem Punkt hapert es jetzt: Madrids Schwierigkeiten, das Defizitziel von 5,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes in diesem Jahr zu erreichen und die Regionen in das straffe fiskalpolitische Korsett zu zwingen, verunsichern die Märkte. Noch können sie nicht erkennen, ob die Umsetzung der Spar- und Reformbestrebungen funktioniert. Auch die verwässerte Arbeitsmarktreform der italienischen Regierung dämpft die Stimmung. Die Märkte hat auch enttäuscht, dass die Ausweitung des Rettungsschirms aus dem kombinierten EFSF/ESM auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner festgeschrieben wurde.

          Spanien ist von einer Notsituation weit entfernt

          Spaniens Rendite für Staatsanleihen mit zehn Jahren Restlaufzeit ist nun mit 5,98 Prozent wieder näher an die Marke von 7 Prozent gerückt, die Rettungsprogramme für Griechenland, Irland und Portugal auslöste. Die Risikoprämien am Markt für spanische Kreditausfallversicherungen (CDS) sind wieder auf einen Rekord gestiegen. Dennoch pochte der spanische Premierminister Mariano Rajoy vergangene Woche darauf, dass Spanien kein Rettungsprogramm benötige. Rufe aus dem spanischen Wirtschaftsministerium, die EZB sollte ihr Programm der Anleihekäufe wieder aktivieren, wehrte das holländische EZB-Mitglied Klaas Knot sofort mit den Worten ab, die EZB sei davon „sehr weit weg“.

          Eine Umfrage von Bloomberg unter Volkswirten zeigt allerdings, dass an den Finanzmärkten eher neue Anleihekäufe durch die EZB erwartet werden als ein weiterer Langfristtender oder gar die Nutzung des Rettungsschirms durch Madrid. Aber die EZB-Spitze weiß, dass hohe Anleiherenditen und der Druck der Märkte notwendig sind, um die Politik zum Einlenken zu bewegen. Seit Mai 2010 hat die EZB im Volumen von 214 Milliarden Euro periphere Staatsanleihen von Griechenland, Irland, Portugal, Italien und Spanien gekauft. Sie hat das Programm allerdings in den vergangenen Monaten stark zurückgefahren.

          Spanien wird am Donnerstag Anleihen von bis zu 3,5 Milliarden Euro mit Laufzeiten von sechs bis zehn Jahren am Markt begeben. Das Land braucht mehr ausländische Investoren, hat aber schon 47 Prozent seines diesjährigen Kapitalbedarfs finanziert. Madrid verfügt über 100 Milliarden Euro Liquidität, und Spaniens Banken haben durch die EZB-Tender stark Liquidität aufgesogen. Das Land ist also von einer Notsituation weit entfernt.

          In der Währungsunion bleibt die Stimmung gedrückt

          Die EZB dürfte daher auf die Umsetzung fiskalpolitischer Versprechen warten und neue Anleihekäufe erst tätigen, wenn die spanischen Anleiherenditen auf mehr als 6,5 Prozent steigen, vermutet Barclays. Mit Spannung wird jetzt beobachtet, wie sehr die Finanzminister und Notenbankgouverneure der G-20-Länder und wie die IWF- und Weltbanktagung die Ausweitung des europäischen Rettungsprogramms beurteilen und wie hoch der versprochene Finanzierungsbeitrag des IWF ausfallen wird.

          Wichtig ist, dass die EZB im vergangenen Herbst gezeigt hat, dass sie agiert, damit die Euro-Krise keine globale Gefahr für die Finanzmärkte wird. Analysten von JP Morgan meinen, dass dies Investoren ermögliche, den Blick von der Währungsunion auf Märkte zu richten, die nach der jüngsten Korrektur interessante Anlagen ermöglichten: amerikanische Aktien, die Rohstoffmärkte und auf Dauer auch wieder die Märkte der Schwellenländer. In der Währungsunion indessen bleibt die Stimmung gedrückt: Diese Woche dürfte der Ifo-Bericht zeigen, dass sich auch in Deutschland die Stimmung in der Wirtschaft eingetrübt hat.

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