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Bericht vom internationalen Finanzmarkt : Das große Auf und Ab der Gefühle

  • -Aktualisiert am

Spanien ist von einer Notsituation weit entfernt

Spaniens Rendite für Staatsanleihen mit zehn Jahren Restlaufzeit ist nun mit 5,98 Prozent wieder näher an die Marke von 7 Prozent gerückt, die Rettungsprogramme für Griechenland, Irland und Portugal auslöste. Die Risikoprämien am Markt für spanische Kreditausfallversicherungen (CDS) sind wieder auf einen Rekord gestiegen. Dennoch pochte der spanische Premierminister Mariano Rajoy vergangene Woche darauf, dass Spanien kein Rettungsprogramm benötige. Rufe aus dem spanischen Wirtschaftsministerium, die EZB sollte ihr Programm der Anleihekäufe wieder aktivieren, wehrte das holländische EZB-Mitglied Klaas Knot sofort mit den Worten ab, die EZB sei davon „sehr weit weg“.

Eine Umfrage von Bloomberg unter Volkswirten zeigt allerdings, dass an den Finanzmärkten eher neue Anleihekäufe durch die EZB erwartet werden als ein weiterer Langfristtender oder gar die Nutzung des Rettungsschirms durch Madrid. Aber die EZB-Spitze weiß, dass hohe Anleiherenditen und der Druck der Märkte notwendig sind, um die Politik zum Einlenken zu bewegen. Seit Mai 2010 hat die EZB im Volumen von 214 Milliarden Euro periphere Staatsanleihen von Griechenland, Irland, Portugal, Italien und Spanien gekauft. Sie hat das Programm allerdings in den vergangenen Monaten stark zurückgefahren.

Spanien wird am Donnerstag Anleihen von bis zu 3,5 Milliarden Euro mit Laufzeiten von sechs bis zehn Jahren am Markt begeben. Das Land braucht mehr ausländische Investoren, hat aber schon 47 Prozent seines diesjährigen Kapitalbedarfs finanziert. Madrid verfügt über 100 Milliarden Euro Liquidität, und Spaniens Banken haben durch die EZB-Tender stark Liquidität aufgesogen. Das Land ist also von einer Notsituation weit entfernt.

In der Währungsunion bleibt die Stimmung gedrückt

Die EZB dürfte daher auf die Umsetzung fiskalpolitischer Versprechen warten und neue Anleihekäufe erst tätigen, wenn die spanischen Anleiherenditen auf mehr als 6,5 Prozent steigen, vermutet Barclays. Mit Spannung wird jetzt beobachtet, wie sehr die Finanzminister und Notenbankgouverneure der G-20-Länder und wie die IWF- und Weltbanktagung die Ausweitung des europäischen Rettungsprogramms beurteilen und wie hoch der versprochene Finanzierungsbeitrag des IWF ausfallen wird.

Wichtig ist, dass die EZB im vergangenen Herbst gezeigt hat, dass sie agiert, damit die Euro-Krise keine globale Gefahr für die Finanzmärkte wird. Analysten von JP Morgan meinen, dass dies Investoren ermögliche, den Blick von der Währungsunion auf Märkte zu richten, die nach der jüngsten Korrektur interessante Anlagen ermöglichten: amerikanische Aktien, die Rohstoffmärkte und auf Dauer auch wieder die Märkte der Schwellenländer. In der Währungsunion indessen bleibt die Stimmung gedrückt: Diese Woche dürfte der Ifo-Bericht zeigen, dass sich auch in Deutschland die Stimmung in der Wirtschaft eingetrübt hat.

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