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Beleuchtungstechnik : Zumtobel-Aktie hat noch Potential

  • Aktualisiert am

Zumtobel beleuchtet das „Brown Center” in Baltimore Bild: Zumtobel AG

Zumtobel, Europas Marktführer in der Beleuchtungsindustrie, steigert Umsatz und Gewinn. Die fundamentale Bewertung und die erwartete Dividende sprechen für die Aktie. Charttechnisch orientierte Anleger sollten das Papier aber noch meiden: Dem Kursbild fehlt ein positiver Trend.

          Mit einem kleinen Plus von 0,5 Prozent auf 18,59 Euro reagierte die Zumtobel-Aktie auf die Vorlage der ersten Geschäftszahlen seit dem Gang an die Wiener Börse (Isin: AT0000837307). Am 12. Mai waren die Aktien des europäischen Marktführers in der Beleuchtungsindustrie zu 20,50 Euro zugeteilt worden, seitdem werden sie im Leitindex ATX gehandelt.

          Die in Dornbirn in Österreich ansässige Zumtobel-Gruppe konnte das Geschäftsjahr 2005/06 (per Ende April 2006) erstmalig seit 2000 wieder mit einem deutlichem Umsatzplus abschließen, wie die Gesellschaft am Mittwoch mitteilte. Das Jahresergebnis erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr um fast 50 Prozent auf 43,6 Millionen Euro.

          Bereinigtes Ergebnis plus zehn Prozent

          Den Umsatz steigerte das Unternehmen um 55 Millionen oder 4,9 Prozent auf 1,18 Milliarden Euro. Bereinigt man das Vorjahr um den Umsatz des ehemals konzerneigenen Geschäftsbereichs Werkzeugbau, der im Jahr 2004/05 veräußert wurde, betrug der Zuwachs sechs Prozent.

          Das um Restrukturierungs- und Einmalaufwendungen bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) legte im Vergleich zum Vorjahr um 10,4 Prozent oder 9,4 Millionen Euro auf 99,5 Millionen Euro zu. Das Ebit erreichte 86,1 Millionen Euro, was eine Verbesserung um drei Prozent bedeutet.

          „Merkliche Steigerung des Ergebnisses“

          „Das Management erwartet aufgrund eines verbesserten Marktumfeldes sowie der Fortsetzung der eingeleiteten Wachstumsinitiativen für das Geschäftsjahr 2006/07 weiteres Umsatzwachstum“, heißt es in einer Ad-hoc-Meldung.

          Weil in diesem Jahr keine Restrukturierungskosten mehr anfielen und die Kapitalstruktur durch den Börsengang zu geringeren Kapitalkosten geführt habe, sei mit einer „merklichen Steigerung des Ergebnisses“ zu rechnen - „eine weiterhin positive Marktlage vorausgesetzt“.

          KKR machte beim Börsengang Kasse

          Der Börsengang des Traditionskonzerns war der größte eines Industrieunternehmens in Österreich innerhalb der zurückliegenden sechs Jahre seit der Plazierung der Telekom Austria im Herbst 2000. Mit dem Nettoemissionserlös von 150 Millionen Euro wollte das Unternehmen vor allem die Nettoverschuldung verringern und damit seine Eigenkapitalbasis verbessern. So hatte Zumtobel im Zuge der Übernahme des britischen Konkurrenten Thorn im Jahr 2000 einen großen Kredit aufnehmen müssen.

          Ein großer Teil des Emissionserlöses von 525 Millionen Euro floß allerdings in die Kassen der Beteiligungsgesellschaft Kohlberg Kravis Roberts (KKR), die ihren Zumtobel-Anteil durch den Börsengang von 49,96 Prozent auf neun Prozent verringerte. Größter Einzelaktionär blieb die Familie Zumtobel mit einem Anteil von 34 Prozent.

          „Die schwierigen Jahre liegen hinter uns“

          Kurz nach dem Börsengang hatte Zumtobel-Chef Andreas Ludwig im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung seine Pläne erläutert: „Wir bauen eine neue Fabrik in Rumänien, wachsen in China, expandieren in neue Märkte“, sagte Ludwig. „Und wir haben ein neues Produktsortiment für Hotels und den Wellnessbereich entwickelt. Das läuft ganz hervorragend.“ Potential sehe Zumtobel auch im LED-Geschäft.

          „Die schwierigen Jahre liegen hinter uns“, sagte Ludwig. „Künftig müssen wir uns nicht nur mit Sparen und Restrukturieren beschäftigen. Wir können endlich wieder wachsen.“ Der europäische Markt der Lichtindustrie sei zergliedert, neben Philips sei Zumtobel in Europa das einzig global agierende Unternehmen. „Als Marktführer sind wir prädestiniert, bei der Konsolidierung eine entscheidende Rolle zu spielen.“

          Aktie ist nicht zu teuer

          Die Aktie hat ihren Emissionspreis von 20,50 Euro bisher nicht wieder gesehen. Mitte Juni kostete die Aktie in Wien zeitweise nur noch 16 Euro. Dann setzte eine Erholung ein, die sie bis auf 18,50 Euro am Dienstag trug. Noch ist die Kurshistorie zwar sehr kurz, darum ist es für ein negatives Urteil wohl zu früh. Für die Aktie spricht der Chart jedenfalls nicht.

          Analystenstimmen zum Unternehmen sind Mangelware - in den üblichen Datenbanken finden sich nur drei Gewinnschätzungen. Nach diesen errechnet sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 12,93 für das laufende und 11,03 für das kommende Geschäftsjahr. Damit scheint die Aktie angesichts des hohen prognostizierten Gewinnwachstums nicht zu teuer zu sein. Die erwartete Dividendenrendite beträgt 3,7 Prozent für das laufende Geschäftsjahr - auch das ist nicht zu verachten. Das Unternehmen teilt zur Dividendenpolitik mit, es strebe eine Ausschüttungsquote von etwa 30 bis 50 Prozent des konsolidierten Nettogewinns an.

          Charttechnisch orientierte Anleger sollten bei der Zumtobel-Aktie noch abwarten, bis sich ein eindeutiger Trend etabliert hat. Die fundamentale Bewertung und die Dividende dagegen sprechen für das Papier. Das Unternehmen hat nach vielen verlustreichen Jahren vor kurzem den Turnaround geschafft und sollte in der Lage sein, profitabel zu wachsen. Jetzt ist die Aktie zudem deutlich günstiger zu haben als beim Börsengang.

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