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Bekleidung : Discount-Mode-Aktien glänzen, sind aber teuer

  • Aktualisiert am

H&M trifft den Geschmack der Kunden Bild: dpa

Dank modischer Billigprodukte laufen die Geschäfte von H&M und Inditex wie geschmiert. Den Aktienkursen beschert dies hohe Bewertungen.

          2 Min.

          Europas Verbraucher gehen verstärkt auf Schnäppchenjagd. Davon profitieren die Discount- Bekleidungsketten Hennes & Mauritz AB und Inditex SA. Die beiden Konzerne verkaufen ihre modische Bekleidung für etwa ein Zwanzigstel des Preises, den Designer wie Gucci fordern.

          H&M hat seinen Gewinn im dritten Quartal des Geschäftsjahres um 53 Prozent auf 1,24 Milliarden schwedische Kronen gesteigert und damit die Erwartungen der Analysten übertroffen. Bei der spanischen Inditex, zu der unter anderem die Zara-Kette gehört, rechnen Analysten mit einer Gewinnsteigerung von 20 Prozent auf 49,6 Millionen Euro im zweiten Quartal. Inditex gibt ihr Ergebnis nach Börsenschluss am Donnerstag bekannt.

          Vorteile bei Schnelligkeit und Preis

          H&M verkauft weiße Baumwollhemden ab neun Euro, bei Zara sind sie in Spanien bereits für sechs Euro erhältlich. Gucci Group NV, deren Gewinn im ersten Quartal um 42 Prozent eingebrochen ist, verlangt für ein weißes Standard-Hemd etwa 360 Euro. Zara bietet Herrenblazer für rund 120 Euro an, während das italienische Edel-Label Ermenegildo Zegna SpA seine billigsten Herrenjacketts nicht unter 435 Euro verkauft.

          „Ihr Styling und Modegefühl sind fantastisch, und die Preise sind einfach großartig", urteilt Richard Fitzpatrick, Leiter Research bei Retailmap Ltd., einem Beratungsunternehmen der Modebranche. „Den Kunden springt jede Woche neue Mode zu günstigen Preisen ins Auge." Zara benötigt etwa zwei bis drei Wochen, um neue Entwürfe vom Zeichenbrett in die Läden zu bringen. Das ist dreimal so schnell wie die meisten Konkurrenten. H&M ist mit einem Monat nur wenig langsamer.

          Gutes Marktgespür größte Stärke

          „Bei starken Modetrends springen diese Unternehmen schnell auf den Zug auf", beschreibt John Baillie, Branchenanalyst bei SG Securities in London. „Vor allem Inditex ist bei der Einführung neuer Trends in seinen Läden führend." Die Kombination aus niedrigem Preise und modischer Aktualität lockt die Kunden in die Discounterläden, obwohl das Verbrauchervertrauen in Europa im Juli weiter gesunken ist. Die Konsumenten halten sich bei größeren Käufen so stark zurück wie seit fünf Jahren nicht mehr, zeigt eine Studie der Europäischen Kommission. In Schweden, wo H&M etwa 20 Prozent seines Umsatzes erzielt, haben die Verbraucher im August weiter Vertrauen in die Wirtschaft verloren. In Spanien, das fast die Hälfte zum Inditex- Umsatz beiträgt, schrumpfte die Wirtschaft im zweiten Quartal.

          Discounter auf Wachstumskurs

          Hennes & Mauritz hat vor allem in seinem größten Markt Deutschland zugelegt, wo das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal mit 0,3 Prozent praktisch stagnierte. „Das preiswerte Angebot von H&M bietet in dem schwachen Einzelhandelsumfeld eine gewisse Widerstandskraft", berichtet Joseph Spooner, Analyst bei Lehman Brothers. Inditex „ist für den Wettbewerb in einem preisbewussteren Umfeld gut positioniert", erklärt Katharine Wynne, Analystin bei Merrill Lynch.

          H&M konnte seinen Umsatz im dritten Quartal um 15 Prozent steigern. Inditex will bis 2006 mehr doppelt so viel wie jetzt verkaufen. Beide Ketten wollen mit neuen Geschäften ihren Anteil am europäischen Bekleidungsmarkt, dessen Umfang von Mintel Retail Intelligence 175 Milliarden Dollar beziffert wird, vergrößern. H&M hat im zweiten Quartal 26 neue Ladenlokale eröffnet und betreibt damit mehr als 800 Läden in 14 Ländern. Inditex will in diesem Jahr mit 275 neuen Geschäften auf mehr als 1.500 Läden anwachsen.

          Hohe Bewertung dämpft die Euphorie

          Einige Analysten warnen jedoch, dass die Aktien der beiden Ketten zu teuer seien. H&M haben in den letzten zwölf Monaten drei Prozent zugelegt und werden zum 28,2fachen des erwarteten Gewinns gehandelt. Inditex liegen für die vergangenen zwölf Monate 23 Prozent im Plus und sind mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 29,5 noch etwas teurer. Die Unternehmen im Bloomberg Europe 500 Retail Index weisen im Schnitt ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16 auf.

          „Es ist fraglich, ob die in diesem Kursen eingepreisten Wachstumsraten gerechtfertigt sind", gibt Nick Sheridan, Fondsmanager bei Tilney Investment Management zu Bedenken. „Der Anleger kauft hier Aktien mit einem hohen Wachstumspotential, aber auch zu entsprechenden Preisen." Inditex gewannen am Donnerstag 0,9 Prozent auf 20,45 Euro. H&M kletterten 1,2 Prozent auf 174 Kronen.

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