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Geldanlage : Bei der Telekom ist nicht nur Bares Wahres

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom, Timotheus Höttges, zahlt seinen Aktionären auch in 2016 eine Dividende aus. Bild: dpa

Statt in Geld gibt es beim magentaroten Telekomkonzern die Dividende auch in Aktien. Die Aktionäre können wählen. Was ist für den Anleger attraktiver?

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          Auch in diesem Jahr brüten viele Aktionäre der Deutschen Telekom wieder über dem Bezugsangebot für ihre Dividende: Sollen sie sich die 55 Cent je Anteilsschein lieber bar auszahlen oder zusätzliche Aktien ins Depot buchen lassen? Aus Sicht der Telekom ist natürlich die zweite Option schöner, weil sie dem Konzern erst einmal eine Menge Geld erspart, das er für seine Investitionen in neue Mobilfunkfrequenzen und Netze gut gebrauchen kann. Da trifft es sich prima, dass sich immer mehr Anleger gegen die Bardividende entscheiden. Betrug die Annahmequote für den Aktienumtausch 2013, als die Deutsche Telekom diese Option zum ersten Mal anbot, erst 38 Prozent, waren es im vorigen Jahr schon 49 Prozent der dividendenberechtigten Aktien. Dadurch blieben rund 1,1 Milliarden Euro in der Telekom-Kasse. „Das hat uns bei unserem Wachstumskurs sehr geholfen“, lobte Vorstandschef Tim Höttges auf der Hauptversammlung seine besonders treuen Anhänger.

          Helmut Bünder
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Bilanztechnisch betrachtet, kommt die Sachdividende einer Kapitalaufstockung gleich. Anleger, die sich für Bares entscheiden, müssen also eine leichte Verwässerung ihrer Anteile hinnehmen. In den Vorjahren hat sich die umgehende Wiederanlage gelohnt, wie ein Blick auf die Kursentwicklung seit 2013 zeigt: Von weniger als 9 Euro ist es seitdem auf aktuell fast 16 Euro heraufgegangen. Einen Vorteil hat die Sache auf jeden Fall: die Bequemlichkeit. Im aktuellen Niedrigzinsumfeld muss man sein Geld nicht lange zwischenparken, um nach alternativen Anlagemöglichkeiten Ausschau zu halten. Ob Gebühren anfallen, hängt von der jeweiligen Bank ab. Von der Telekom gibt es als Anreiz einen kleinen Preisnachlass auf die Aktien aus dem Dividendenumtausch. Wie die hohen Annahmequoten zeigen, haben sich in den Vorjahren zahlreiche Fonds und andere Großanleger für die Dividende in Aktien entschieden.

          Der Regelfall für die Ausschüttung bleibt freilich die Bardividende. Wer nichts weiter unternimmt, bekommt voraussichtlich am 22. Juni seine 55 Cent je Aktie in Cash - für inländische Anleger steuerfrei, wie in den Vorjahren. Auch beim Umtausch in Aktien geht der Fiskus leer aus, wie die Telekom erläutert. Wer auf die weitere Kursentwicklung vertraut und lieber neue T-Aktien hätte, muss sich in den kommenden Tagen festlegen. Von der Bank, die das Depot führt, gibt es Vordrucke, die spätestens am 13. Juni ausgefüllt wieder zurück sein müssen. Die Entscheidung ist dann unwiderruflich.

          Anleger können ihre Wahl auch splitten: Auch innerhalb eines bestimmten Depots ist es möglich, nur für einen Teil des Bestandes für Aktien zu votieren. Das Umtauschverhältnis für die Auszahlung der Dividenden in Aktien steht noch nicht fest. Veröffentlicht wird es erst am 10. Juni auf der Internetseite der Telekom und im Bundesanzeiger. Das Umtauschverhältnis richtet sich nach dem gewichteten Durchschnittskurs der Telekom-Aktien vom Vortag, also dem 9. Juni. Dieser sogenannte Referenzpreis wird dann durch die aktuelle Dividende von 55 Cent dividiert. Nach Abzug eines „Discounts“ von 2 Prozent von diesem Ergebnis erhält man das Bezugsverhältnis, also die Zahl der Aktien, die bei Verzicht auf die Dividende zum Bezug einer neuen Aktie berechtigen.

          Ein Rechenbeispiel: Bei einem angenommenen Aktienkurs von 16 Euro ergibt sich, gerundet auf eine Nachkommastelle, ein Faktor von 28,5. Der Bezugspreis für eine neue Aktie liegt dann (multipliziert mit 0,55) bei 15,675 Euro. Der Anleger müsste in diesem Fall also über mindestens 29 alte Aktien verfügen, um aus seinen Dividendenansprüchen eine neue Aktie zu erhalten. Restbeträge, im Beispiel der Dividendenanspruch für eine halbe Aktie, werden bar ausgezahlt. Wie ein Telekomsprecher erläuterte, soll der 2-Prozent-Abschlag auch eventuelle Kursverluste abpuffern, die sich zwischen der Veröffentlichung des Referenzpreises und dem Ende der Bezugsfrist am 13. Juni ergeben. Das freilich hilft nur jenen Aktionären, die sich erst in den letzten Tagen entscheiden. Die meisten Privatanleger, die sich für den Umtausch in Aktien interessieren, schicken ihre Order erfahrungsgemäß schon sehr viel früher an die Banken zurück. Die neuen Aktien werden am 22. Juni ins Depot gebucht - und werden ihre Eigner im kommenden Frühjahr hoffentlich ebenfalls vor die Wahl stellen, was aus der Dividende werden soll.

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