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Bayer : Unterstützung könnte getestet werden

Bald nur noch Bayer Bild: dpa/dpaweb

Die vor fünf Jahren erworbene Schering macht dem Bayer-Konzern weiter zu schaffen. Jetzt verhagelte eine Abschreibung das Ergebnis. Doch den Anlegern ist vor allem der Ausblick nicht optimistisch genug.

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          Als Bayer vor fast fünf Jahren die Berliner Schering kaufte, galt dies als durchaus sinnvolles Vorgehen. Klar war indes, dass es keine einfache Zukunft werden würde. So verzichtete Bayer damals auch weitgehend auf die übliche Rhetorik, sondern redete rasch von notwendigen Personalanpassungen.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Schon in den vergangenen Quartalen zeigte sich, dass die Schering-Produkte auf ihren Märkten unter Druck stehen. Als ob es noch eines Beweises bedurft hätte, überraschte Bayer nun am Montag damit, dass das Unternehmen für das vierte Quartal 2010 überraschend einen Quartalsverlust ausweist. Grund sind Kosten für die Umstrukturierung und Abschreibungen in Höhe von 405 Millionen Euro für die Marke Schering, die Bayer nicht länger nutzen will.

          Ohne Sondereinflüsse im Tritt

          Im vierten Quartal steht bei Bayer daher ein Nettoverlust von 145 Millionen Euro zu Buche. Analysten waren im Mittel von einem Gewinn von 147 Mill. Euro ausgegangen. Ein Jahr zuvor hatte Bayer einen Gewinn von 153 Millionen Euro ausgewiesen. Bayer setzte im Schlussquartal des vergangenen Jahres 9,01 Milliarden Euro um - ein Plus von 14,5 Prozent und deutlich mehr als die 8,5 Milliarden, die Analysten im Durchschnitt erwartet hatten.

          Bild: F.A.Z.

          Der Jahresgewinn ging auf 1,3 (Vorjahr: 1,36) Milliarden Euro zurück. Neben den Schering-Belastungen spielen auch Kosten für Rechtsstreitigkeiten eine Rolle. Das summierte sich zu Belastungen von 1,7 Milliarden Euro. Der Umsatz legte derweil um 12,6 Prozent auf 35,1 Milliarden Euro zu. Analysten hatten im Durchschnitt mit einem Gewinn von 1,87 Milliarden Euro und einem Umsatz von 34,6 Milliarden gerechnet

          Der um Sondereinflüsse bereinigte operative Gewinn legte binnen Jahresfrist um 11,6 Prozent auf 1,69 Milliarden Euro zugenommen. Analysten hatten für die Monate Oktober bis Dezember mit 1,63 Milliarden Euro gerechnet.

          Ausblick nicht optimistisch genug

          Für das laufende Jahr stellt Konzernchef Marijn Dekkers einen um Währungseinflüsse sowie um Zu- und Verkäufe bereinigten Umsatzanstieg von 4 bis 6 Prozent auf 35 bis 36 Milliarden Euro in Aussicht. Der um Sondereinflüsse bereinigte operative Gewinn soll in Richtung 7,5 Milliarden Euro gesteigert werden. Für 2012 würden wie bisher um die 8 Milliarden Euro angepeilt.

          Die Zahlen von Bayer können nicht wirklich überzeugen, auch wenn man sich damit trösten mag, dass die Belastungen durch Schering nicht wiederkehren sollten. Rechnet man gar die Abschreibung heraus, so hat das vierte Quartal einen schönen Gewinn gebracht.

          Was allerdings weniger begeistert, ist der Ausblick. „Der Ausblick ist nur verhalten optimistisch ausgefallen, das gefällt dem Markt nicht“, sagte ein Händler. Es bleibt insofern beim Trend der vergangenen Monate: Nur ein richtig guter Ausblick ist ein guter Ausblick.

          Wichtige Unterstützung im Test

          Bei einer Bewertung der Aktie mit geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 11,7 für das laufende und 10,4 für das kommende Jahr erscheint diese derzeit recht angemessen bewertet. Das stützt die Prognose, dass sich die Ergebnisvorlage am Montag eher negativ auswirken wird.

          Im Februar hatte sich der Kurs zunächst von der Schwäche erholt, die sich im Anschluss an das 35-Monats-Hoch ergeben hatte. Mit dem Dax aber knickte auch der Bayer-Kurs wieder ein. Möglicherweise wird am Montag die nicht unwichtige Unterstützung bei 53,60 Euro getestet werden. Fällt diese, könnten weitere Abgaben folgen. Falls nicht, könnte sich der Kurs zwischen 54 und 56 Euro einpendeln.

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