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Marktbericht : Bayer-Offerte und Zinsängste vergraulen Aktienanleger

  • Aktualisiert am

Die Aktien von Bayer verlieren am Montag fast 6 Prozent. Bild: dpa

Titel von Bayer gehen am Montag nach der Monsanto-Offerte als schwächster Dax-Wert aus dem Handel. Auch die Aktien von Fiat geraten nach der Ausweitung der Abgaskrise unter Druck.

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          Die 62 Milliarden Dollar schwere Offerte von Bayer für den amerikanischen Saatgutriesen Monsanto hat am Montag Europas Anlegern nicht behagt. Zudem lasteten die andauernden Spekulationen auf eine baldige Zinserhöhung in den Vereinigten Staaten auf der Stimmung. Der Dax fiel um 0,7 Prozent auf 9842,3 Punkte, mit dem Euro Stoxx 50 ging es um ein Prozent bergab. An der Wall Street notierten der Dow-Jones- und der S&P500-Index zum europäischen Handelsschluss wenig verändert. Amerikanische Notenbanker hatten abermals Erwartungen geschürt, die Fed könnte schon im Juni und noch vor der EU-Abstimmung in Großbritannien die Zinsen anheben. Die Fed wird eine Woche vor dem Referendum turnusmäßig beraten.

          Die Unsicherheit über die weitere Geldpolitik der Vereinigten Staaten, wo die Fed im Dezember erstmals seit fast zehn Jahren die Zinsen angehoben hatte, macht den Anlegern seit Wochen zu schaffen. Hinzu kommt das näher rückende Referendum der Briten über ihre Mitgliedschaft in der EU. Vor so entscheidenden Terminen wolle sich niemand zu weit aus dem Fenster lehnen, sagte ein Händler. Da jetzt auch noch die Bilanzsaison als Impulsgeber abflaue, fehle den Anlegern eine klare Orientierung. „Wir gehen in die nachrichtenarme Sommerphase, auch wenn das Wetter nicht danach aussieht.“

          In Wien stieg der ATX-Index um 0,6 Prozent auf 2205,2 Punkte und entwickelte sich damit besser als die meisten übrigen Länderindizes. Der unabhängige Kandidat Alexander Van der Bellen hat die Präsidentenwahl in Österreich mit einem Vorsprung von 31.000 Stimmen vor dem Rechtspopulisten Norbert Hofer knapp gewonnen.

          Aixtron-Aktionäre hoffen auf Ende der Talfahrt

          Schwächster Wert im Dax wie im Euro Stoxx 50 waren Bayer, die um 5,7 Prozent auf 84,4 Euro absackten. Das war der niedrigste Kurs seit Oktober 2013. Die Monsanto-Offerte wird von vielen als kostspielig bewertet. Analystin Marietta Miemietz von Equinet betonte, es sei nicht auszuschließen, dass das Angebot erhöht werde. Schon in der vorigen Woche hatten viele Anleger aus Furcht vor einer zu teuren Übernahme Bayer-Aktien verkauft und die Titel damit ins Minus gedrückt. Viele Börsianer zweifelten nicht nur, dass der Konzern die Übernahme ohne Kapitalerhöhung stemmen kann. Sie vermuteten auch, dass die Leverkusener schneller als bislang gedacht ihre Anteile an der Kunststoff-Tochter Covestro verkaufen dürften. Die im M-Dax gelisteten Papiere fielen um 2,4 Prozent. Monsanto stiegen in New York um bis zu 7,7 Prozent, grenzten aber später ihre Gewinne ein.

          Strahlende Gesichter auch bei den Aktionären von Aixtron im Tec-Dax. Der angeschlagene Chipanlagenbauer hat mit dem chinesischen Investmentfonds FGC einen Käufer gefunden. Nach vier verlustreichen Jahren hoffen die Investoren auf Licht am Ende des Tunnels. Die Papiere kletterten um 16,2 Prozent auf 5,56 Euro.

          Unter den größten Verlierern in Europa waren die Aktien von Fiat Chrysler, die wegen der Ausweitung der Abgaskrise um 4,4 Prozent fielen. Einem Medienbericht zufolge droht das Bundesverkehrsministerium dem italienischen Autobauer mit einem Verkaufsstopp in Deutschland, sollte sich die dauerhafte Missachtung von Abgaswerten bestätigen.

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