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Bauindustrie : Bilfinger-Aktie trotzt auf Sechsjahreshoch der Dauerflaute

  • Aktualisiert am

Der Chart zeigt den Kursverlauf der Aktie von Bilfinger Berger. Bild:

Deutschlands Bauindustrie sieht dem elften Krisenjahr in Folge entgegen. Der drittgrößte Branchenvertreter Walter Bau steht unter Druck. Doch die Aktie von Bilfinger Berger trotzt der Dauerflaute auf Sechsjahreshoch-Niveau.

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          Krasser könnte der Unterschied kaum sein: Während die Aktien von Walter Bau, dem drittgrößten deutschen Baukonzern, in diesen Tagen einen herben Absturz erleben, zeigen sich die Notizen der Konkurrenten Hochtief und Bilfinger Berger gut in Form. Dies gilt vor allem für den dritten im Bunde: Die Aktie von Bilfinger Berger ist am Montag auf 32,99 Euro gelaufen. Sie hat also zu Wochenbeginn ihren am Freitag geschafften Sprung über das bisherige Sechseinhalbjahres-Hoch bei 31,60 bestätigt und trotzt mithin nicht nur der Flaute in der Bauindustrie. Der Titel hat gleichsam ein Kaufsignal gesendet.

          Auch wenn er am Dienstag in einem schwächelnden Gesamtmarkt ein paar Federn lassen muß: Mit einem Kurs von 32,75 Euro bewegt er sich weiter über dem bisher höchsten Wert seit Mitte 1998. Dabei ist Bilfinger Berger gleichsam der am günstigste bewertete deutsche Bau-Titel. Und die Dividendenrendite schlägt zehnjährige Bundesanleihen und vor allem die entsprechende Kennziffer von Hochtief.

          Auftragseingang nach neun Monaten über Vorjahresniveau

          Die gute Kursentwicklung paßt auf den ersten Blick nicht zur Lage in der Branche: Für die deutsche Bauwirtschaft ist weiter kein Ende ihrer Dauerkrise in Sicht. Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie erwartet in diesem Jahr für die Gesamtbranche einen Umsatzrückgang um 3,5 Prozent, wie die dpa berichtet. Damit korrigierte der Verband am Dienstag die bisherige Prognose von maximal minus 3,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahr weiter nach unten. Für die Bauwirtschaft, die seit einem Boom in Folge der Wiedervereinigung in Schwierigkeiten steckt, wäre dies das elfte Krisenjahr in Folge.

          Bilfinger Berger ist es indes gelungen, sich dem Abwärtstrend ein Stück weit zu entziehen - trotz einer sogenannten Gewinnwarnung im Herbst: Die Gesamtleistung nahm in den ersten neun Monaten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um elf Prozent auf 4,516 Milliarden Euro zu. Der Auftragseingang übertraf den Vorjahreswert um fünf Prozent, so daß der Auftragsbestand mit einem Plus von 16 Prozent auf 6,409 Milliarden Euro einen neuen Höchststand in der Unternehmensgeschichte markierte.

          Analysten: Ausbau der Dienstleistungsangebote ein Pluspunkt

          Die Gesellschaft, die gerade ihren Vorstand verkleinert hat, erziele regelmäßig den Großteil ihres Ergebnisses im letzten Quartal eines Geschäftsjahres, wie das Bankhaus Lampe in einer Studie vom Dezember anmerkt. Vor diesem Hintergrund messen die Analysten dem Rückgang des Neun-Monats-Ergebnisses im Vorjahresvergleich von 23 Millionen Euro auf nunmehr 14 Millionen Euro nur eine untergeordnete Bedeutung bei. Ein wichtiger strategischer Aspekt bleibe für den Konzern neben dem Ausbau des Servicegeschäftes das Wachstum durch Akquisitionen. Die Analysten rechnen damit, daß Bilfinger Berger das Jahr 2004 mit einem Leistungszuwachs auf über sechs Milliarden Euro nach 5,6 Milliarden Euro im Vorjahr beendet hat. Bilfinger Berger geht nunmehr selber von einem Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Amortisation (Ebita) von mehr als 80 Millionen Euro aus.

          Die Analysten von Lampe äußerten sich zuversichtlich, daß die Bilfinger Berger diese Zielmarke überschreiten werde und erwarten ein Ebita von 85 Millionen Euro. Sie haben die Aktie mit dem Kursziel von 33 Euro zum Kauf empfohlen, während die Stadtsparkasse Köln zu Anfang Dezember die Aktie wegen der Dauerflaute am Bau beim seinerzeitigen Kurs von etwa 28,60 Euro als ordentlich bezahlt und folglich als Halte-Position ohne überdurchschnittliches Kurspotential („Marketperformer“) ansah.

          Die neueste Analystenstudie kommt von der Conrad Hinrich Donner Bank aus Hamburg und votiert mit Kaufen. Den Analysten zufolge sei trotz des schwierigen Branchenumfelds mit einem guten Jahr für Bilfinger Berger zu rechnen. Dies lasse sich vor allem auf die Fokussierung auf anspruchsvolle und profitable Ingenieurbauprojekte und die Ausweitung des Dienstleistungsgeschäfts zurückführen. Nachdem das Unternehmen in 2004 einen Rekordauftragsbestand vorgewiesen habe, dürfte mit dem anhaltendem Aufwärtstrend das angestrebte Ziel einer Ergebnisverdoppelung bis 2007 erreichbar sein. Besonders „bullish“ ist die Hamburger Sparkasse eingestellt, die Bilfinger Berger bei 51 Euro als fair bezahlt ansieht.

          Technisch gesehen Weg frei bis etwa 35 Euro

          Von dieser Kursregion ist der Titel aber meilenweit entfernt, und ob er diese in absehbarer Zeit sehen wird, darf bezweifelt werden. Ein Kurs von 51 Euro entspricht einem Kurspotential von 55 Prozent. Mithin müßte sich die Aktie in einem herausfordernden Umfeld mehr als dreimal so gut entwickeln wie seit Beginn vergangenen Jahres. Das bedeutet auch, daß sie dem MDax um Längen vorauseilen müßte. Und: Während der Titel mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von etwa 15 für dieses Jahr nach 23 für 2004 neutral bewertet ist, stiege das KGV bei einem Kurs von 51 Euro auf 23,2. Damit wäre Bilfinger Berger zwar klar günstiger als Hochtief (33,9/30,1), aber dennoch nicht (mehr) attraktiv bewertet. Zumal da der MDax, in dem sie notiert, lediglich ein KGV von knapp 14 aufweist.

          Bis 35 Euro könnte die Aktie aber noch gut hochlaufen. Zumindest aus charttechnischer Sicht: Bis zu dieser Marke, wo sich der nächste Widerstand in Form eines Hochs aus dem Jahr 1998 aufbaut, ist der Weg frei von Hürden. Und die Bewertung wäre noch verkraftbar.

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