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Bauindustrie : Aussicht auf Wende beflügelt Aktie von Innotec TSS

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Bild: FAZ.NET

Lange Jahre war die Geschichte der C.H.A. Baulemente, mittlerweile Innotec TSS, nicht immer von Erfolgsnachrichten gekennzeichnet. Doch derzeit scheint es, als ob diesmal die Wende gelingen würde.

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          Eine interessante Entwicklung an den Aktienmärkten nahm in den vergangenen Monaten die Aktie der Beteiligungsgesellschaft Innotec TSS. Dreieinhalb Jahre lang pendelte der Kurs nach Beginn der Notierung im Jahre 2002 volatil auf und ab und kam nicht über 88 Cent hinaus. In diesem Jahr aber kam es im Mai zu einem raketengleichen Aufstieg auf zunächst 1,76 Euro. Im Juli wurde dann der vorläufige Gipfel bei zwei Euro erreicht.

          Seitdem hat die Notierung etwas nachgegeben. nach einer Kurssteigerung von rund 23 Prozent am Montag an der Börse Berlin-Bremen, bewegt sie sich indes wieder bei 1,80 Euro und hat sich damit in den vergangenen Wochen stabilisiert.

          Wenig Liquidität im Handel

          Dabei darf man nicht verkennen, daß das Handelsvolumen in der Aktie nicht eben üppig und die Spreads zwischen geld- und Briefkursen sehr hoch sind. So beträgt die Kurssteigerung an der liquidieren Börse München am Montag lediglich 3,55 Prozent auf 1,75 Euro, in Stuttgart und Düsseldorf notiert das Papier unverändert.

          Innotec TSS ist eine Holding, deren Tochterunternehmen zumeist Nischenpositionen in der Bauzulieferindustrie einnehmen. Das Geschäft unterteilt sich erstens in die Bereiche Türsysteme mit den Herstellern Rodenberg, Repol, Porta Glas Design und Mecklenburger Bauelemente.

          Zweitens gehört dazu der Bereich Bauspezialwerte mit Reckli, die elastische Strukturmatrizen zur Formgebung von Sichtbeton herstellen, Soceco Reckli, die Betonschalungen und Vertikaldrainagesysteme im Tief- und Ingenieurbau produzieren sowie Calenberg Ingenieure, die dauerelastische Elastomerlager für den Schall- und Erschütterungsschutz an Bauwerken fertigen.

          Den starken Kursanstiege im April/Mai hatte die Aktie guten Geschäftszahlen für das abgelaufene Jahr zu verdanken. Der Konzern steigerte 2005 den Jahresüberschuß um 60 Prozent auf 3,7 Millionen Euro und das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um 45 Prozent auf sieben Millionen Euro. Dieser hohen Ertragssteigerung stand dagegen nur ein geringeres Umsatzwachstum von 2,6 Prozent im Konzern auf 54,7 Millionen Euro gegenüber.

          Wende bei Türsystemen

          Zugute kam dem Unternehmen dabei allerdings, daß auch Erträge aus der Beendigung einer Reihe von Rechtsstreitigkeiten, den Verkauf und den Liquidationsabschluß von wertberichtigten Beteiligungen und insbesondere einen außergerichtlichen Vergleich flossen, die sich auf insgesamt 1,8 Millionen Euro summierten.

          So zog sich Innotec TSS aus der Fortknox-Venture AG und damit aus dem ehemals neu geschaffenen dritten Geschäftsfeld „Innovative Technologien“ zurück. Diese Beteiligung hatte Innotec TSS seinerzeit vom Großaktionär, der Kapitalbeteiligungsgesellschaft der Deutschen Versicherungswirtschaft übernommen. Diese enthielt im wesentlichen eine Beteiligung an dem mittlerweile insolventen Windpark-Betrieber Umweltkontor.

          Dagegen war die operative Lage mancher Unternehmen eher schwierig. Während die Bauspezial-Unternehmen Reckli und Calenberg den Umsatz deutlich steigern konnten. ging dieser im Bereich Türsysteme zurück.

          Doch die Lage in diesem Geschäftsbereich hat sich im ersten Halbjahr im Zuge des Auflebens der deutschen Baukonjunktur deutlich verbessert. Die Umsätze stiegen um 6,9 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2005 auf 17,4 Millionen Euro, nachdem dieser jahrelang zurückgegangen war.

          Irrungen und Wirrungen

          Der Geschäftsbereich Bauspezialwerte konnte seinen Umsatz um 22 Prozent auf 9,9 Millionen Euro steigern, so daß der gesamte Umsatzanstieg 11,9 Prozent auf 27,3 Millionen Euro beträgt.

          Das operative Ergebnis des Konzerns stieg im ersten Halbjahr 2006 um 56,2 Prozent auf 2,4 Millionen Euro, der Konzernüberschuß konnte um von 118.000 Euro in der Vorjahresperiode auf 1,1 Millionen Euro gesteigert werden.

          Mit diesen positiven Ergebnissen scheint die Innotec TSS sich langsam aus den Irrungen und Wirrungen der vergangenen Jahre herauszuarbeiten. 1986 als C.H.A. Chemie Holding gegründet, später als C.H.A. Bauelemente seit 1990 börsennotiert, wurde sie im Oktober 2000 in den Smax und später den SDax aufgenommen. 2002 schied man freiwillig aus dem Auswahlsegment aus und verließ 2003 auch die Frankfurter Börse.

          Die Fortknox-Venture brachte man 2003 in die Equitrust AG, was 2004 scheiterte, es folgte eine Kapitalherabsetzung. derzeit sind noch rechtliche Prüfungen einer Kapitalerhöhung aus dem Jahr 2001 anhängig, die womöglich nicht korrekt abgewickelt wurde.

          Niedrige Bewertung, aber niedrige Eigenkapitalquote

          Kann das gute Ergebnis des ersten Halbjahres beibehalten werden, so wäre die Aktie der Innotec TSS mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwas über sieben recht günstig bewertet. Indes ist die Eigenkapitalquote mit 19,5 Prozent nicht eben hoch. Kurzfristige Finanzverbindlichkeiten von 11,6 Millionen Euro standen zum 30. Juni liquide Mittel von 2,4 Millionen Euro gegenüber. Der Cashflow aus der laufenden Geschäftstätigkeit betrug im ersten Halbjahr rund eine Million und unter dem Strich 426.000 Euro.

          Daher ist das Unternehmen auf andere Finanzierungsformen angewiesen und nimmt etwa mit zehn Millionen Euro an dem von Merrill Lynch/Advisum aufgelegten Mezzanine-Programm teil.

          Das Investment hat daher ein gewisses Risiko, nicht zuletzt auch aufgrund des geringen Handelsvolumens. Daher sind auch charttechnische Aussagen von etwas eingeschränktem Wert. Das Papier hat seinen kurzfristigen Seitwärtstrend nach oben durchbrochen und notiert über dem mittel- und langfristigen Aufwärtstrend. Dennoch kämpft das Papier sich eher mühsam nach oben in Richtung des Juli-Hochs.

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