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Baugewerbe : Pfleiderer-Aktie läuft auf neues Hoch und sendet Kaufsignal

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Das Grüne Gleis in Dresden - Feste Fahrbahn System von Pfleiderer Bild: Pfleiderer

Der im MDax gelistete Holzwerkstoff-Verarbeiter Pfleiderer will bis 2008 operatives Ergebnis und Marge deutlich steigern sowie den Umsatz erhöhen. Analysten stufen die Aktie hoch, die auf ein neues Hoch gelaufen ist und ein Kaufsignal sendet.

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          Mit einem Plus von knapp 6,7 Prozent auf 18,39 Euro glänzte die Aktie von Pfleiderer am Donnerstag an der Spitze des MDax. im Zuge dieses Kurssprungs hat die Notiz das bisherige Rekordhoch herausgenommen (siehe Grafik 1), was als technisches Kaufsignal interpretiert werden kann, zumal der Titel nur knapp unter dem Tageshoch schloß. Zum Wochenschluß schiebt die Aktie die Bestmarke weiter nach oben: Sie legt um 4,6 Prozent auf 19,24 Euro zu.

          Zu diesen Kurssteigerungen passen neue Nachrichten aus dem Unternehmen und Kommentare von Analysten: Der Holzwerkstoff-Verarbeiter will bis 2008 sein operatives Ergebnis und die Marge deutlich steigern sowie den Umsatz erhöhen. Zudem plant er eine Kapitalerhöhung für weitere Zukäufe. Analysten der DZ Bank haben die Aktie hochgestuft.

          Marge soll von elf Prozent auf 16,5 Prozent steigen

          Die Pfleiderer AG strebt nach den Worten ihres Vorstandssprechers Hans Overdiek im Jahr 2008 einen Umsatz von zwei Milliarden Euro an. Dabei soll die operative Rendite in Bezug auf das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) auf 16,5 Prozent bis 17 Prozent steigen, wie Overdiek im Gespräch mit der „Börsen-Zeitung“ sagte. Dies entspräche in zwei Jahren - unter Einbeziehung möglicher weiterer Zukäufe - einem Ebitda von rund 340 Millionen bis 350 Millionen Euro, führte er aus.

          In diesem Jahr zielt der Holzwerkstoff-Verarbeiter - vor allem wegen des Kunz-Erwerbs - auf ein Ebitda von mindestens 200 Millionen Euro bei 1,4 Milliarden Euro Umsatz an, was einer durchschnittlichen Jahresmarge von 14,3 Prozent entspräche. Bis zum Jahresende soll die Umsatzrendite auf 15 Prozent wachsen. Für das vergangene Jahr stellte der Vorstandssprecher zuletzt ein Ebitda von mehr als 90 Millionen Euro und eine Rendite von mehr als elf Prozent nach 9,7 Prozent im Vorjahr in Aussicht, wie die Agentur Dow Jones weiter berichtet.

          „Unsere Erwartungen sind eingetroffen“, sagte Overdiek. Der angepeilte Umsatzzuwachs von 2006 bis 2008 über rund 600 Millionen Euro soll seinen Worten zufolge jeweils zur Hälfte aus eigener Kraft und aus weiteren Zukäufen kommen. Mit erneuten Übernahmen will Overdiek die Position des Unternehmens im Kerngeschäft stärken.

          Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen und Investitionen plant das Management demnächst eine Kapitalerhöhung, die auch der Refinanzierung der Kunz-Übernahme dienen soll. „Die Kapitalerhöhung durch Ausgabe neuer Aktien findet - sofern die Beschlüsse wie erwartet gefaßt werden - voraussichtlich im April statt.“ Derzeit plane das Management die Ausgabe von zehn Millionen neuen Stückaktien mit einem Bezugsrecht für Altaktionäre; derzeit stehen 43 Millionen Scheine aus. Overdiek rechnet bei der Transaktion mit einem Bruttoerlös von rund 150 Millionen Euro.

          Bahnschwellen-Geschäft soll bis Ende '06 verkauft sein

          Nach seiner Einschätzung zieht die Nachfrage im mitteleuropäischen Geschäft an. Dazu zählt Overdiek neben Deutschland auch Polen, wo Pfleiderer mit einer eigenen börsennotierten Tochter vertreten ist. Aber auch das Exportgeschäft nach Benelux und Skandinavien verzeichne Zuwächse. „Wir spüren dies bei unseren Auftragseingängen. Unsere Kapazitäten sind derzeit voll ausgelastet.“ Die Preisniveaus seien „akzeptabel“.

          Zum zunächst gescheiterten Verkauf des verbliebenen Infrastrukturtechnik-Geschäfts an Vossloh sagte er: „Wir gehen davon aus, daß wir unsere Bahnschwellen-Aktivitäten Ende April 2006 verkaufen - selbst wenn das Kartellamt Vossloh eine Übernahme untersagen sollte.“ Das Bundeskartellamt hatte vor Weihnachten Bedenken angemeldet, die Vossloh nach eigenem Bekunden mit Zugeständnissen ausräumen will. Pfleiderer sieht sich aber dennoch nach alternativen Kaufinteressenten um. Mit den Verkaufserlösen, die Analysten auf rund 130 Millionen Euro schätzten, soll die Kunz-Übernahme zum Teil refinanziert werden.

          Analysten sehen Kapitalerhöhung positiv

          Die Analysten der DZ Bank haben das Kursziel für die Aktien von Pfleiderer auf 23,50 von 18,40 Euro hochgesetzt. Die Einstufung sei „buy“, teilten die Experten am Donnerstag in Frankfurt mit. Die geplante Kapitalerhöhung sei bei dieser Entscheidung schon berücksichtigt. Die Analysten erwarten nach der Übernahme der Kunz-Gruppe im vergangenen Herbst einen signifikanten Ergebnisanstieg.

          Schon kurz nach Jahresbeginn hatte die Hypo-Vereinsbank ihre Kaufempfehlung für Pfleiderer und das Kursziel von 21,50 Euro bestätigt. Der Grund: Mit der Übernahme des polnischen Leim-Herstellers Silekol habe sich Pfleiderer in Polen langfristig eine Bezugsquelle für Leim gesichert, des Weiteren sei das Unternehmen in dieser Hinsicht nun unabhängiger von Preisschwankungen.

          Aus der Sicht des Charttechnikers Marcus Metz von Staud Research sieht Pfleiderer sehr gut aus. Der Ausbruch aus der Handelsspanne über das bisherige Rekordhoch sei von steigenden Umsätzen im Vergleich zu vorherigen Korrekturphase begleitet und nicht zu beanstanden. Der Titel könne auf einen „sehr, sehr schönen Trend zurückgreifen“ und nun mindestens die Kursregion „21 plus x“ anpeilen, sagte Metz zu FAZ.NET. Seine Kollegin Sandra Schiller von der Commerzbank sieht das Kursziel bei gut 20 Euro.

          Unter dem Strich wirkt die Pfleiderer-Aktie weiter attraktiv. Denn ein technisches Kaufsignal ist erfahrungsgemäß für Kursgewinne von etwa 15 Prozent gut, wobei gut sieben Prozent schon realisiert sind. Dabei ist der Titel mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15,9 nicht hoch bewertet, wenn die Ergebnisse wie erwartet steigen: Analysten gehen für dieses Jahr von einem Gewinn je Aktie von 1,12 Euro aus; die Prognose für 2005 steht bei 29 Cent. Zudem hat der Titel die Absicht des Managements für sich, für 2005 wieder die Dividendenzahlung aufzunehmen, Analysten kalkulieren mit 17 Cent je Aktie für 2005 und 32 Cent für 2006, woraus sich eine Rendite von 1,7 Prozent errechnet.

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