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Bau-Aktien : Hochtief-Aktie zwischen Altlasten und Hoffnungen

  • Aktualisiert am

Der Umbau von Hochtief steckt weiter fest. Bild: dapd

Eine abermalige Gewinnwarnung sorgt für Missfallen bei den Hochtief-Anlegern. Den Hoffnungen auf ein besseres Jahr 2012 steht Skepsis hinsichtlich wichtiger Beteiligungsprojekte entgegen.

          Das Jahr 2011 gehört für Hochtief und seine Aktionäre wohl zu den weniger erfolgreichen. Negative Schlagzeilen dominierten: Das fing an mit dem gescheiterten Börsengang der Hochtief Concessions und später dem Übernahme streit mit ACS.

          Vor allem aber macht die einstige australische Vorzeige-Tochter Leighton Kummer, nachdem sie Abschreibungen auf Projekte tätigen musste. Dieser Kummer findet nun auch in der Erfolgsrechnung seinen Niederschlag. Der Reinverlust wird 2011 mit rund 160 Millionen Euro rund 60 Millionen höher ausfallen als im November prognostiziert. Als Vorsteuerverlust erwartet Hochtief nun rund 130 Millionen Euro anstatt eines niedrigen zweistelligen Millionenbetrages.

          Teurer Führungswechsel

          Der erste Grund sind die zusätzlichen Abschreibungen bei Leighton. Die Australier mussten schon im Januar Abschreibungen vornehmen, im vierten Quartal kamen Wertberichtigungen auf Mautstraßenprojekte in Griechenland und Chile von rund 90 Millionen Euro hinzu. Gerade in Griechenland bleibt der Erlös aus zwei Mautstraßen hinter den Erwartungen zurück, weil die Griechen an der Maut sparen.

          Die Übernahme durch den ungeliebten spanischen Baukonzern ACS brachte im Schlussquartal aufgrund ausgeübter Sonderkündigungsrechte ehemaliger Vorstandsmitglieder nochmals eine Belastung von rund 16 Millionen Euro. Zuletzt hatte Martin Rohr zum Jahresende den Konzern verlassen. Vorher waren bereits der frühere Vorstandsvorsitzende Herbert Lütkestratköter, Konzernfinanzvorstand Burkhard Lohr sowie Concessions-Chef Peter Noe gegangen. Zuletzt verschob sich der Verkauf der Flughafenbeteiligungen von Hochtief Concessions abermals.

          Schlussstrich unter ein verkorkstes Jahr

          Für Hochtief ist dies aber der Schlussstrich unter ein verkorkstes Jahr. Die weitere Entwicklung sieht man positiv. Alle Hochtief-Bereiche hätten sich im vierten Quartal operativ stark entwickelt und Auftragseingänge von 9 Milliarden Euro erzielt. Damit habe sich das Auftragspolster per Ende Dezember auf rund 48 Milliarden Euro erhöht.

          Leighton habe eine Reihe von Aufträgen gewonnen und so soll Hochtief 2012 wieder in die Gewinnzone zurückkehren. Operativ soll das Ergebnis etwas niedriger ausfallen als im Rekordjahr 2010 aus. Damals hatte der Konzern einen Vorsteuergewinn von rund 757 Millionen Euro und einen Reingewinn von 288 Millionen Euro erzielt.

          Irritationen

          Indes zeigen sich Analysten und Anleger von der abermaligen Gewinnwarnung irritiert und so fällt der Aktienkurs um mehr als 4 Prozent. Zumindest die Kosten für die Manager-Abfindungen hätten im vergangenen November, als Hochtief zum ersten Mal vor Verlusten warnte, eigentlich bekannt sein müssen, monieren etwa die Analysten von Equinet. Die Erklärungen seien daher nicht völlig nachzuvollziehen.

          Nicht so erfolgreich wie gedacht war und ist das Flughafengeschäft. Die öffentlichen Miteigentümer waren nicht so kooperativ wie gedacht, das reduziert die Attraktivität des Geschäfts, zudem ist in Sydney und Budapest die wirtschaftliche Lage der Heimatfluggesellschaften schlecht, die gesamtwirtschaftliche Lage dämpft die Begeisterung für Athen. Es gibt Berichte, wonach die Verkaufsverhandlungen mit der französischen Vinci und der chinesischen HNA so gut wie gescheitert seien. Auch der Verkauf der Immobilien-Tochter Aurelis verläuft nicht glatt. Geplante Investitionen beispielsweise in Offshore-Windkraftprojekte müssten daher fremdfinanziert werden. Das stellt zwar wohl kein Problem dar, wirkt sich aber nachteilig auf die Verschuldung aus.

          Hindernissen auf dem Weg nach oben

          Mit geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnissen von knapp 12 für das laufende und 10,5 für das kommende Jahr erscheint diese derzeit zumindest angesichts gewisser Unwägbarkeiten fair bewertet. Wenngleich der Verkauf des Flughafengeschäftes bzw. der Immobiliensparte unternehmerisch wohl kein Beinbruch wäre, sorgt es nicht eben für gute Stimmung – und die ist für die Entwicklung des Aktienkurses von nicht zu unterschätzender Bedeutung.

          Abzuwarten bleibt die weitere Kursentwicklung. Ungünstig ist, dass sich die Notierung von dem jüngsten Doppelgipfel deutlich weg bewegt hat. Damit ist die Marke von 51 Euro endgültig zu einem kurzfristigen Widerstand geworden, den zu knacken derzeit die Impulse fehlen. Vor allem aber wurde abermals die Chance verspielt, den seit Mai gültigen Abwärtstrend zu durchbrechen.

          Insgesamt ist der Aktienkurs gefangen zwischen der Hoffnung, dass 2012 ein besseres Jahr wird, in dem sich Altlasten auflösen, und der Skepsis, dass es dazu kommt. Positiv ist der Ausblick auf das operative Geschäft zu werten, doch muss sich das Klima zunächst wieder bessern.

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