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Basismaterialien : Wacker Chemie: Im Schatten der Sonne

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Pilot-Fermenter bei Wacker Chemie Bild: dpa

Familienunternehmen werden an der Börse oft unterschätzt. Das ist auch der Wacker Chemie passiert. Doch inzwischen kann davon keine Rede mehr sein. Die Aktie ist so teuer geworden, dass mancher Analyst schon Gewinnmitnahmen empfiehlt.

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          Familienunternehmen werden an der Börse oft unterschätzt. Das ist auch der Wacker Chemie passiert. Doch inzwischen kann davon keine Rede mehr sein.

          Die Aktie ist mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 20,5 und 19,4 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr so teuer geworden, dass mancher Analyst schon Gewinnmitnahmen empfiehlt. Da fehle es an der Phantasie, dass alles noch besser werden könnte - zumal Dollar und Rohstoffpreise auf die Marge drücken. Im vergangenen Geschäftsjahr erzielte das Unternehmen rund die Hälfte aller Erlöse in den Vereinigten Staaten und Asien.

          Silizium auf Jahre hinaus begehrt

          Doch warum eigentlich nicht? Silizium wird auf Jahre hinaus begehrt sein, weil die Solar- und die Chipindustrie diesen Rohstoff benötigen. Bisher gibt es aber weltweit nur ein halbes Dutzend Unternehmen, die die Chemie der Siliziumproduktion gut beherrschen. Selbst wenn weitere Gesellschaften in das Geschäft einsteigen, wird genug für alle bleiben.

          Doch Wacker Chemie profitiert nicht nur vom Solartrend. Auch andere Produkte laufen gut, zum Beispiel Polymere, die in der Dämmung von Gebäuden eingesetzt werden. Das ist ein stark wachsender Markt, in den das Unternehmen kräftig investiert. Wer künftig auf diese Aktie setzt, kauft sich also gleich mehrfach in Zukunftsmärkte ein: in die Schwellenländer, die Infrastruktur, die Hochtechnologie und die Energie.

          Warten auf bessere Einstiegschancen?

          Wacker investiert viel Geld, um auch künftig ordentlich zu wachsen und gutes Geld zu verdienen. Dennoch schadet es vielleicht nicht, mit dem Einstieg noch ein wenig zu warten. Etwas Luft nach unten hat der Kurs kurzfristig jedenfalls.

          „Das Silizium-Geschäft ist spannend“

          Peger-Alexander Wacker investiert eine Milliarde in Fabriken, die den Rohstoff für Solarzellen liefern. Im Gespräch erläutert er die Strategie des Unternehmens und die weiteren Aussichten.

          Herr Wacker, warum steigt Ihr Kurs so stark?

          Der Kapitalmarkt versteht unser Geschäft besser als beim Börsengang 2006: die Chemie einerseits und die Hochtechnologie andererseits. Das gemeinsame Band ist: 80 Prozent des Geschäfts basieren auf dem Rohstoff Silizium. Darin besitzen wir 50 Jahre Erfahrung, daraus schöpfen wir Synergien und neues Wachstumspotential.

          Geredet wird am meisten über Ihre Solar-Geschäfte?

          Solarenergie ist eben weltweit gefragt, doch der Rohstoff Silizium ist knapp. Deshalb sind die Spotpreise extrem hoch. Wir bauen neue Fabriken, die zum Teil von Solarfirmen durch Anzahlungen auf künftige Siliziumlieferungen finanziert werden. Im Gegenzug haben wir 80 Prozent unseres Siliziums fest versprochen. Teilweise laufen die Verträge bis 2018. Das ist ein solides Fundament.

          Und gleichzeitig machen Sie Ihren Kunden auch Konkurrenz?

          Wir haben uns nach vorne integriert. Mit Schott Solar produzieren wir nun die nächste Stufe in der solaren Wertschöpfungskette: die Wafer, die Basis für die Zellenproduktion. Dadurch sichern wir unser Geschäftsmodell ab und erweitern es zugleich.

          Steigt der Silizium-Bedarf weiter?

          Das Silizium-Geschäft ist spannend. Wir glauben, dass es großes Wachstumspotential hat. Wir investieren derzeit eine Milliarde Euro und werden bis 2010 unsere Kapazität von 10 000 auf 22 000 Tonnen steigern. Der weltweite Bedarf wird dann zwischen 75 000 und 100 000 Tonnen sein. Wir sind heute die Nummer zwei in einem Markt, der derzeit um 20 Prozent pro Jahr zulegt. Und diese Position wollen wir weiter stärken.

          Ist im Solarsektor noch mehr Wachstum drin?

          Viel hängt von der künftigen Klimapolitik in Amerika ab. Und von den verfügbaren Silizium-Kapazitäten. Wir sehen viele Ankündigungen im Markt. Die kann man glauben oder auch nicht. Tatsache ist: Es reicht nicht, eine Siliziumfabrik zu bauen. Man muss die komplizierten chemischen Prozesse beherrschen, um Silizium kostengünstig und hochwertig herzustellen.

          Wie wird 2007?

          Schon 2006 haben wir ein Rekordergebnis geschafft. In diesem Jahr steigt der Umsatz um 14 Prozent, und wir rechnen mit einer Marge beim Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 26 Prozent. Das bedeutet: Beim Ebitda kommt die Milliarde in Reichweite. Dieser Erfolg wird von allen Bereichen getragen.

          Und in den kommenden Jahren?

          Wir wollen in allen Bereichen weiter wachsen. Die Voraussetzung schaffen wir, indem wir weiter kräftig investieren: 16 Prozent vom Umsatz. Eine Herausforderung für das Ergebnis werden die steigenden Rohstoffpreise und der Wechselkurs des Dollar sein. Damit müssen wir fertig werden.

          Ihr Top-Argument für die Aktie?

          Wir haben bewiesen, dass wir Werte schaffen können. Die Wachstumsaussichten bleiben gut, denn unser Geschäft profitiert von mehreren Megatrends: der steigenden Energienachfrage, dem Wachstum in Asien, dem hohen Chipbedarf und der großen Bautätigkeit.

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