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Basisgüter : Aktien von Reifenherstellern in der Defensive

  • Aktualisiert am

Bridgestone hat an Dynamik verloren Bild: REUTERS

Märkte können sich länger irrational verhalten als man annehmen mag. Diese Erkenntnis zeigte sich in den vergangenen Monaten am Beispiel der großen Reifenhersteller. Bei Bridgestone zeigt sich die Realität: Gewinneinbruch um 94 Prozent

          Märkte können sich länger irrational verhalten als man annehmen und als Anleger aushalten kann. Diese Erkenntnis zeigte sich in den vergangenen Monaten am Beispiel der großen Reifenhersteller. So liefen die Papiere von Reifenherstellern wie Michelin noch im Jahr 2007 im Rahmen des überbordenden Optimismus nach oben, obwohl sich die folgende Krise zwischen den Zeilen längst abzeichnete.

          Umso größer waren die Kursverluste danach. So verloren die Papiere von Michelin in den vergangenen Monaten knapp 72 Prozent ihres Wertes, während die Aktien des japanischen Konkurrenten Bridgestone inzwischen 62 Prozent unter ihrem Zwischenhoch des Jahres 2006 liegen. Bei beiden Aktien zeigt der Trend weiter nach unten.

          Gewinneinbruch und Umsatzrückgang bei Bridgestone

          Das dürfte kaum verwundern. Denn Bridgestone legte am Donnerstag vorläufige Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr vor und die fielen schwach aus. Das Unternehmen teilte mit, der Gewinn werde nach vorläufigen Zahlen 94 Prozent unter dem Vorjahresergebnis liegen und sich auf 7,5 Milliarden Yen oder umgerechnet knapp 64 Millionen Euro belaufen. Der Umsatz ging um 4,1 Prozent zurück auf 3,25 Billionen Yen.

          Bridgestone wurde in den vergangenen Monaten auf der einen Seite von zwischenzeitlich und vorübergehend hohen Rohstoffpreisen getroffen. Gummipreise waren auf den höchsten Stand seit 28 Jahren gestiegen, bevor sie deutlich nachgaben. Auf der anderen Seite machen sich die Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise in Form einer deutlich nachgebenden Nachfrage bemerkbar. Das ausgewiesene Ergebnis wird auch durch die Entwicklung am Devisenmarkt beeinflusst. Denn da der Yen in den vergangenen Monaten im Rahmen der allgemeinen Risikoaversion deutlich gegen die meisten Währungen weltweit aufwertete, waren Umrechungsverluste in die heimische Währung die Folge.

          „Hohe Materialkosten und der starke Yen seien die negativsten Faktoren im vergangenen Jahr, “ hieß es denn auch von Analystenseite. Im laufenden Jahr würden die Umsätze zwar voraussichtlich weiter fallen. Allerdings seien in den vergangenen Monaten auch die Kosten gefallen, so dass der Gewinn des Unternehmens wieder steigen könne, heißt es unter Optimisten. Ob das so sein wird, dürfte sich erst noch zeigen müssen. Denn die Automobilindustrie befindet sich in der Krise, aus der sie trotz staatlicher Kaufanreize auf die Schnelle nicht herauskommen dürfte.

          Aktie optisch deutlich teuerer als die von Michelin

          Das wird die Nachfrage nach Reifen nicht nur schmälern. Sondern die Autohersteller werden mit allen Mitteln versuchen, ihre Kosten zu senken. Das führt mit Sicherheit zu Preisdruck auf die Autozulieferer. Der mit finanziellen Schwierigkeiten kämpfende amerikanische Autohersteller Chrysler hat von seinen Teilezulieferern längst Preisnachlässe gefordert. In einem Brief an die Autoteilehersteller forderte Chrysler diese auf, ab dem ersten April geringere Preise zu verlangen, wie das „Wall Street Journal“ auf seiner Webseite berichtet. Geringere Kosten für die Autoteile seien Voraussetzung dafür, dass Chrysler die Bedingungen für die Notkredite der amerikanische Regierung erfüllt. Solche Meldungen machen deutlich, was in diesem Bereich im Moment vor sich geht.

          Auf dieser Basis werden Anleger dazu neigen, die Aktien der Reifenhersteller weiterhin skeptisch zu betrachten. Die Papiere von Bridgestone sind mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 88 und knapp 18 auf Basis der Gewinnschätzungen für das vergangene und das laufende Geschäftsjahr alles andere als günstig, selbst wenn man an die optimistischen Gewinnerwartungen glauben sollte. Die Papiere von Michelin sehen mit KGVs von acht optisch deutlich günstiger aus. Allerdings stellt sich hier die Frage, ob die Gewinnschätzungen nicht noch zu optimistisch sind.

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