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Bankier Metzler : Der Doyen des Finanzplatzes kämpft für die Börse

  • -Aktualisiert am

Friedrich von Metzler Bild: Axel Griesch/FinanzenVerlag/laif

Friedrich von Metzler ist mit vielen im Gespräch: mit Merkel, Weise, Kengeter und den Grünen. Dabei kommt der Privatbankier oft zu aufschlussreichen Erkenntnissen.

          Sich mit Friedrich von Metzler zu unterhalten, ist kurzweilig. Der im April 73 Jahre alt werdende persönlich haftende Gesellschafter der ältesten Frankfurter Privatbank umgarnt seine Gesprächspartner, hat für jeden ein freundliches Wort, und es ist kaum vorstellbar, dass er jemals jemanden verletzt hat, so überaus charmant und – wenn es heikel wird – diplomatisch agiert Frankfurts Ehrenbürger und großer Mäzen. Das zeigte sich auch, als Metzler im Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten auftrat.

          Die rund 40 anwesenden Journalisten wollen vor allem wissen, was der frühere Vorstandsvorsitzende der Frankfurter Wertpapierbörse (1989 bis 1993) und Aufsichtsrat der daraus hervorgehenden Deutschen Börse (1993 bis 2008) von der geplanten Fusion mit der Londoner Börse hält – und Metzler wird dazu am Ende überraschend deutlich. Zunächst aber äußert er sich wohlwollend zu den Veränderungen in der Deutschen Bank („spät, aber nicht zu spät“), zeigt sich beeindruckt von Winfried Kretschmann, dem grünen Ministerpräsidenten Baden-Württembergs, plaudert ungezwungen aus nächtlichen Hintergrundgesprächen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel („sie weiß, dass die Deutschen falsch sparen, mit zu wenig Aktien“) und verteidigt die Kanzlerin in der Flüchtlingspolitik. „Ich freue mich auf viele gute Flüchtlinge und habe mehr Angst vor Teilen der deutschen Bevölkerung, die zu träge sind, zu oft Veränderungen ablehnen“, sagt Metzler. Diese Teile erklärten sich gern zur Mehrheit, ihr stünden aber viele Deutsche gegenüber, die sich als Freiwillige in Flüchtlingsheimen engagierten.

          „Ich bin über jeden Mitbewerber froh.“

          Metzler erzählt, er telefoniere viel mit Frank-Jürgen Weise, dem Leiter des Bundesamtes für Flüchtlinge und Migration. „Der Druck hilft jetzt, Bürokratie abzubauen“, lautet sein Credo. Es müsse darum gehen, das Beste aus den Neuankömmlingen zu machen, ihre Zeugnisse schnell anzuerkennen, um sie zügig in Arbeit zu bringen. „Wir müssen zu einem vernünftigen Einwanderungsgesetz kommen“, sagt er und erinnerte daran, dass Bankgründer Benjamin Metzler ein „Zuwanderer aus Sachsen“ war, als er 1671 ins liberale Frankfurt kam.

          So freut sich Metzler auch über den jüngsten „Zuwanderer“ am Finanzplatz: Der Franzose Philippe Oddo hat gerade die BHF-Bank gekauft. „Ich bin über jeden Mitbewerber froh, der unseren unterentwickelten Kapitalmarkt voranbringt“, sagt Metzler. Sein Bankhaus habe mangels Größe bewusst den Fehler anderer Privatbanken vermieden und habe auf Spareinlagen und Kreditvergaben verzichtet. Metzler setzt stattdessen auf Vermögensverwaltung und Wertpapiergeschäft. Insofern sei Metzler von der für viele Banken schädlichen Niedrig-Zinspolitik der Europäischen Zentralbank wenig betroffen. Aber diese Geldpolitik sei für ihn nur damit erklärlich, dass „der EZB-Rat mehrheitlich von schwachen Ländern besetzt ist“. Hochverschuldete profitieren eben besonders von geringen Zinsen, meint Metzler wohl, ohne es zu sagen.

          Für Frankfurt als Börsensitz

          Auf Sparer trifft das Gegenteil zu, in Deutschland drohe weit verbreitet Altersarmut. „Das bereitet auch Angela Merkel zu Recht Sorge“, sagt Metzler und erzählt davon, dass er im kleinen Kreis mit der Kanzlerin festgestellt habe, dass sich diese darüber im Klaren sei: „Die bei den Deutschen so beliebten Lebensversicherer sind falsch reguliert und können deshalb zu wenig in Aktien investieren.“ Mit fast 63 Milliarden Euro verwalteten Kundenvermögen allein im Fondsgeschäft (Asset Management) und weiteren im Privatkundengeschäft sei das Bankhaus Metzler groß genug, um eigenständig und damit vollständig im Familienbesitz zu bleiben.

          Für die Deutsche Börse ist Eigenständigkeit aus Metzlers Sicht dagegen keine gute Option. „Ich begrüße ausdrücklich die geplante Fusion mit London.“ Europa brauche eine international wettbewerbsfähige Börse. Im Wettbewerb mit den großen Finanzzentren New York und Asien komme es auf Größe und Finanzkraft an, sagt Metzler, und London sei in Europa fast der einzige verbliebene Fusionspartner. Dann aber schiebt er ein „dickes Aber“ nach, schließlich soll die Holdinggesellschaft der fusionierten Börsen in London angesiedelt werden: „Die Deutsche Börse ist größer und in den Bereichen Terminmarkt, Clearing und in der Verwahrung von Wertpapieren leistungsfähiger“, sagt Metzler, Er muss nicht „als London“ hinzuzufügen, jeder weiß, wie er es meint: Metzler befürchtet, dass Frankfurt Schaden nimmt, dass London immer mehr Kapazitäten anziehen wird. „So ganz vertrauen wir den Engländern nicht“, sagt Metzler. Die Briten hätten auch eine Fusion der Deutschen Börse mit New York „hintertrieben“.

          Das sind für Metzler ungewöhnlich harte Worte. Viel lieber wirbt er mit warmen Worten für Frankfurt als Börsensitz, auch weil Großbritannien aus der EU ausscheiden könnte. Er habe den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Börse, Carsten Kengeter, aufgefordert, die „Weichen noch anders zu stellen“. War das erfolgreich? „Er hat mir nicht gesagt, was er davon hält“, antwortet Metzler. Offenbar ist Kengeter seinem Charme nicht erlegen. Aber Metzler wird weiter werben.

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