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Bankenaufsicht : Weichere Schuldenregeln beflügeln Bankaktien

Die Deutsche Bank profitiert: die Aktie ist 17 Prozent mehr wert als vor vier Wochen Bild: REUTERS

Die internationalen Finanzaufseher kommen den Instituten bei der Verschuldungsquote entgegen. Das lässt die Kurse steigen: Besonders gefragt ist die Aktie der Deutschen Bank.

          Die Aktienkurse europäischer Banken sind am Montag deutlich gestiegen. Auslöser waren die Beschlüsse des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht, der seine Regeln zur Verschuldung der Institute aufgeweicht hat. Vor allem für europäische Banken sind die milderen Vorgaben zur Berechnung der Leverage Ratio, die das Verhältnis von Eigenkapital zur Bilanzsumme misst, vorteilhaft. Als Gewinner der neuen Aufsichtsregeln rief Credit-Suisse-Analyst Amit Goel die Deutsche Bank aus.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dem schlossen sich die Investoren an: Der Kurs der Deutschen Bank sprang um 4,7 Prozent nach oben. Mit 38,50 Euro ist die Aktie 17 Prozent mehr wert als vor vier Wochen. Allgemein sind europäische Bankaktien zuletzt in der Gunst der Anleger gestiegen. Der Stoxx-600-Bankenindex, der 47 europäische Banken umfasst, hat sich in den vergangenen sechs Monaten um ein Drittel erhöht. Diese Entwicklung geht einher mit Kursgewinnen der Staatsanleihen aus Euro-Krisenländern und entsprechend rückläufigen Renditen.

          Italienische und spanische Bankaktien haben deutlich zugelegt

          So haben die Kurse italienischer und spanischer Bankaktien deutlich zugelegt. Die Unicredit-Aktie ist nun 70 Prozent teurer als noch Mitte Juli. Der Commerzbank-Kurs ist in diesem Zeitraum von 5,56 Euro auf 13,69 Euro gestiegen. Ähnlich gut verlief die Kursentwicklung der spanischen Banco Popular von 2,50 auf 5,60 Euro. Deren Aktie legte am Montag 6,4 Prozent zu. Die Analysten von Morgan Stanley bevorzugen in Europa die Finanzwerte, weil sie ein attraktives Kursniveau aufweisen und von einer wirtschaftlichen Erholung besonders profitieren dürften.

          Dafür sprechen nun auch die Kapital- und Liquiditätsregeln, die am Sonntag die Notenbankgouverneure und die Chefs der Aufsichtsbehörden aus den 27 führenden Wirtschaftsländern verabschiedeten. Europäische Banken können ihre Absicherungen von Wertpapieren und Krediten, also die Derivatpositionen, großzügiger miteinander verrechnen. Dadurch verringern sich ihre Nachteile gegenüber amerikanischen Wettbewerbern, die aufgrund ihrer Bilanzregeln (US GAAP) deutlich mehr Positionen gegenseitig verrechnen können. Die europäischen IFRS-Regeln sind hier deutlich strenger.

          Die Entwicklung am Bankaktienmarkt seit Anfang 2013

          In der Folge fällt die Bilanzsumme europäischer Banken, vor allem wenn sie umfangreiche Kapitalmarktgeschäfte aufweisen, deutlich größer aus als bei amerikanischen Instituten. So hatte die Deutsche Bank Ende September eine Bilanzsumme nach den europäischen IFRS-Regeln von 1,8 Billionen Euro, während es nach den amerikanischen Vorschriften nur 1,1 Billionen Euro waren. Durch die großzügigeren Verrechnungsmöglichkeiten wird die Bilanzsumme und damit der Kapitalbedarf spürbar sinken.

          Bislang sieht der Baseler Ausschuss eine Leverage Ratio von 3 Prozent vor. Dies wären bei der Deutschen Bank auf IFRS-Basis 54 Milliarden Euro, während nach den amerikanischen Regeln nur 33 Milliarden Euro nötig wären. Die Deutsche Bank wies Ende September mit einem Eigenkapital von 46,5 Milliarden Euro eine Leverage Ratio von 3,1 Prozent aus. Die Quote misst, wie hoch die Banken sich maximal verschulden dürfen. Bei 3 Prozent wäre es das 33-Fache des Eigenkapitals, bei 4 Prozent sinkt die Grenze auf das 25-Fache.

          Schlechte Vergleichbarkeit der Risikoberechnung

          Ab dem Jahr 2018 sollen die Banken diese Quote erfüllen. Deren endgültige Höhe steht noch offen, weil die britischen und amerikanischen Aufseher auf eine strengere Vorgabe dringen. Die Diskussionen dürften sich dann auch um die Bilanzregeln amerikanischer Banken drehen. Denn die nun vom Baseler Ausschuss beschlossene Berechnung der Bilanzsumme lässt noch immer weniger Verrechnungsmöglichkeiten zu als die amerikanischen Bilanzregeln.

          Die Schuldenregel hat deshalb an Bedeutung gewonnen, weil die nationalen Vorschriften den Banken zu viele Freiräume in der Berechnung der Eigenkapitalunterlegung in Abhängigkeit von den jeweiligen Risikopositionen zulassen. Noch vor gut einem Jahr galt die risikogewichtete Eigenkapitalquote als die entscheidende Kennziffer im künftigen Aufsichtsrecht. Doch zwei Studien des Baseler Ausschusses haben große Unterschiede in der Risikoberechnung offengelegt. Sie fielen so groß aus, dass in Aufsichtskreisen die Vergleichbarkeit der so ermittelten Kapitalquoten bezweifelt wird.

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