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Banken : Wende im Alltagsgeschäft gibt HVB-Aktie neue Kraft

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Die Hypovereinsbank wirtschaftet nach mehreren Quartalen mit Millionenverlusten wieder profitabel. Zudem hat sie die Prognosen von Analysten übertroffen. Die Zahlen dürften der Aktie neue Kraft geben.

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          Gute Nachrichten für die Aktionäre der Hypovereinsbank: Hatte das Institut viermal hintereinander mit seinen Quartalsberichten rote Zahlen und gleichsam Hiobsbotschaften geliefert, so nehmen sich die neuesten Nachrichten deutlich besser aus. Die Hypovereinsbank (HVB) hat im dritten Quartal wieder einen Gewinn erwirtschaftet und die Prognosen von Analysten übertroffen.

          Zudem ist die Summe der Abschreibungen ebenso gesunken wie die Risikovorsorge für notleidende Kredite. Nur beim Aufbau der Kernkapitalquote kommt das Institut nicht ganz so gut voran wie erhofft. Gleichwohl stößt das Nachrichtenpaket der HVB auf wohlwollende Stimmen und dürfte der Aktie auf ihrem beschwerlichen Weg aus einem tiefen Kurstal weiter Kraft geben. Im vorbörslichen Handel des Brokers Lang & Schwarz verbuchten die HVB-Aktien ein Plus von mehr als zwei Prozent. Kurz nach Handelseröffnung liegt sie mit 3,8 Prozent im Plus bei 18,13 Euro.

          Ohne Verkauf der Norisbank noch in Verlustzone, aber...

          Die Zahlen im einzelnen: Vor Steuern hat die HVB 368 Millionen Euro verdient, nachdem sie vor Jahresfrist noch einen Verlust von 164 Millionen Euro erwirtschaftet hatte. Unter dem Strich steht ein Gewinn von 294 Millionen Euro. Diese Summe vergleicht sich zum einen mit dem Vorjahresergebnis von minus 173 Millionen Euro und den jüngsten Analystenschätzungen von durchschnittlich 112 bis 127 Millionen Euro, die Befragungen durch die Agenturen Reuters und VWD ergeben hatten. Nach Abzug von Fremdanteilen steht ein Überschuß von 196 Millionen Euro.

          Deutlich vorangekommen ist die Bank im dritten Quartal sowohl beim Handelsergebnis, das von 88 auf 222 Millionen Euro wuchs, und beim Provisionsüberschuß, der von 621 auf 738 Millionen Euro kletterte. Dagegen gab der Zinsüberschuß von 1,633 auf 1,533 Milliarden Euro nach; allerdings hatte er im zweiten Quartal nur bei 1,464 Milliarden Euro gelegen. Der Verwaltungsaufwand wurde von 1,777 auf 1,603 Milliarden Euro verringert.

          Wichtig für die Interpretation der jüngsten Quartalszahlen ist die Tatsache, daß die HVB ohne den Verkauf der Norisbank in der Verlustzone geblieben wären. Und nach neun Monaten steht die Bank aber immer noch in den roten Zahlen: Der Verlust beträgt 30 Millionen Euro. Diese Zahl spiegelt aber ebenfalls eine deutliche Verbesserung wider, da die Bank vor Jahresfrist noch ein Minus von 607 Millionen Euro ausgewiesen. Die gesamten operativen Erträge - ohne den Veräußerungsgewinn der Norisbank - bezifferte die HVB für die ersten neun Monate auf 7,275 Milliarden Euro.

          ...Beifall von Analystenseite: „Turnaround geschafft“

          HVB-Vorstandssprecher Dieter Rampl erklärte laut VWD: “Mit der Entwicklung im dritten Quartal sind wir insgesamt zufrieden. Wir liefern, was wir versprochen haben. Wir kommen gut voran, wissen aber, das wir noch ein gutes Stück Weg vor uns haben.“ Und er erhält Beifall von Analystenseite: "Das Ergebnis ist insgesamt besser als erwartet. Vor allem der Zins- und Provisionsüberschuß sind stark. Das deutet darauf hin, daß die Bank im operativen Geschäft den Turnaround geschafft hat", sagte Analyst Johannes Thormann von der WestLB Panmure, die die HVB als Outperform einstuft. „Mein erster Eindruck ist sehr positiv", sagte Lorenzo Carcano, Fondsmanager bei Metzler Asset Management.

          Wohlwollende Stimmen kann die Aktie der Hypovereinsbank auch gebrauchen - trotz des satten Kursgewinns von 160 Prozent seit Ende März. Denn sie dürfte vielen Aktionären eine Menge Geld gekostet haben, da sie vor zwei Jahren noch das Doppelte wert war. Vom knapp fünf Jahre alten Kurshoch von 77,46 Euro ganz zu schweigen. Entsprechend zwiespältig stellt sich die charttechnische Lage dar: Der langfristige Abwärtstrend, in dem die Aktie steckt, wäre erst bei etwa 62 Euro überwunden - um dies zu erreichen müßte der Kurs um 254 Prozent steigen. Doch aufgrund der Kursgewinne seit dem Frühjahr hat der Titel einen mittelfristigen Aufwärtstrend aufgebaut, steckte zuletzt aber in der Handelsspanne zwischen 18,75 Euro und 13,81 Euro fest.

          Technische Kaufsignale würde die Aktie wenden, wenn sie die Widerstandszone bei 18,20/18,75 Euro nachhaltig überwinden könnte; dann wäre der Weg frei bis 24,50 Euro. Dabei sollte das überaus hohe Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 198 nicht aus den Augen verloren werden, doch aus den Gewinnschätzungen für 2004 ergibt sich ein KGV von 19. Dafür muß sich aber die Wende im operativen Geschäft bestätigen, die derzeit durch das freundliche Börsenumfeld befördert wird. Die große Frage bleibt aber, wie es nach der zyklisch bedingten Erholungsphase weiter gehen wird (Deutsche Bankaktien sind keine erste Wahl). Beobachter sehen den deutschen Bankensektor als übersättigt an, was in schlechteren Zeiten den Instituten das Geldverdienen erschwere. Darin stecken latente Risiken, die auch und gerade die HVB-Aktie betreffen, wie die jüngere Vergangenheit gezeigt hat.

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