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Banken : Strohfeuer für UBS-Aktie

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Milliardenloch Bild: dpa

Nach einem Jahresverlust von 20 Milliarden Franken haussiert die Aktie der UBS zunächst an der Börse. Die Marktteilnehmer blenden dabei aus, dass die Bank nur mit staatlicher Hilfe im Herbst überhaupt am Leben gehalten wurde. Die Aktie ist daher eine hochspekulative Geldanlage.

          Nun ist es amtlich. Die UBS hat im vergangenen Jahr knapp 20 Milliarden Franken (13 Milliarden Euro) Verlust gemacht. Alleine im vierten Quartal waren es nochmals 8 Milliarden Franken. Wertberichtigungen im Investmentbanking gelten als eine der Hauptursachen. Aber auch in der Vermögensverwaltung ging im vierten Quartal das verwaltete Vermögen nochmals um 86 Milliarden Franken zurück. Mehr als 10.000 Mitarbeiter müssen das Unternehmen verlassen.

          Die Börse ficht das nicht an. Die Aktie gewinnt am Dienstag 7 Prozent an Wert und ist der größte Gewinner an der Börse Zürich. In Jubel werden die Aktionäre derweil jedoch nicht ausbrechen. Mit 13 Franken kostet die Aktie erheblich weniger als vor einem Jahr mit 40 Franken oder sogar vor zwei Jahren mit 70 Franken. Der Kursanstieg hielt auch nicht lange, bereits nach einer Handelsstunde drehte die Aktie ins Minus.

          Kein Wunder, denn es ist nicht zu erwarten, dass dem größten Schweizer Bankhaus nun eine rosige Zukunft bevorsteht. Die Anleger ziehen in Scharen ihr Kapital ab. Im Investmentbanking rechnen Experten noch längst nicht mit dem Ende der Abschreibungen und ob der Bedarf an frischem Kapital erst einmal gedeckt ist, vermag auch niemand mit Sicherheit zu sagen.

          Aktie noch immer kein Schnäppchen

          Ein Kauf der Aktie erscheint deshalb nun kaum ratsam. Wenn, dann ist dies eine höchst spekulative Position. Mit fast 40 Milliarden Franken (knapp 27 Milliarden Euro) ist die Bank immer noch kein Schnäppchen. Bereits in der Vergangenheit wähnten einige Marktbeobachter des Öfteren den Tiefpunkt der Finanzkrise und damit auch der Bankaktienkurse erreicht. Es kam stets schlimmer. Den Tiefpunkt zu erwischen wäre allenfalls ein Glücksfall. Die Gefahr weiterer drastischer Kursverluste scheint höher als eine substantielle Erholung des Aktienkurses. Eine Reihe anderer Bankaktien hat vorgemacht, wie steil eine Aktie nach einem Kursverfall dennoch weiter rutschen kann. So wird auch der Staatsfonds aus Singapur sein Engagement bei der UBS längst bereuen. Er stieg bereits vor mehr als einem Jahr mit 11 Milliarden Franken bei der UBS ein - deutlich zu früh, wie mittlerweile jedem bekannt ist.

          Unternehmenschef Marcel Rohner gibt sich derweil pflichtgemäß optimistisch. Das Jahr 2009 sei gut angelaufen und im Gesamtjahr stellt er wieder Gewinne in Aussicht. Die Börsianer scheinen es ihm zu glauben und sammeln die Titel des tief gefallenen Geldhauses ein.

          Keine nachhaltige Geschäftsstrategie erkennbar

          Die Analystenschar fokussiert sich derweil auf die längst nicht ausgestandenen Probleme. „Ohne die Hilfen des Schweizer Staates wäre die Bank im vergangenen Jahr pleite gewesen“, erinnert Dieter Hein, Analyst von Fairesearch, an die grundlegenden Probleme des Geldhauses. Die Mehrheit der Analysten würde die Titel derzeit nicht kaufen, ein immer noch seltenes Bild bei der Einschätzung einer Aktie. Noch ist keine Strategie erkennbar, wie das Geldhaus künftig wieder nachhaltig Gewinne erwirtschaften will. Die Unternehmensführung muss noch als Löschtrupp von einem unternehmensinternen Brandherd zum anderen eilen. Da passt es auch wenig ins Bild, dass für das desaströse Geschäftsjahr 2008 insgesamt 2 Milliarden Franken an Erfolgsprämien an die Mitarbeiter ausgeschüttet wurden, selbst in der größten Problemsparte Investmentbanking.

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