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Banken : Solide RBS-Aktie vor Widerständen

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Bild: FAZ.NET

Die Royal Bank of Scotland verspricht, den Gewinn stärker als bislang erwartet zu steigern. Kein Wunder, daß die Aktie deutlich gewinnt. Sie wird ein solides Investment bleiben, hat aber Widerstände zu überwinden.

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          Wachstum, Wachstum, Wachstum - das scheint das Motto der Royal Bank of Scotland (RBS) zu sein. Inzwischen ist das Kreditinstitut Europas drittgrößtes Geldhaus, in diesem Jahr wird es laut Bloomberg außerdem die Citigroup als Marktführer im Europageschäft mit syndizierten Krediten überholen.

          Trotzdem läßt das Management der Bank die Profitabilität nicht aus den Augen. So steigen Zinserträge und Gewinn seit Jahren. Kein Wunder, daß die Schotten nicht an mangelndem Selbstbewußtsein leiden: „Wir wollen die beste Geschäftsbank der Welt sein“, hatte Johnny Cameron, Chef des Firmenkunden- und Kapitalmarktgeschäfts der RBS, im September im Gespräch mit der F.A.Z. gesagt.

          Aktie legt mehr als vier Prozent zu

          Am Mittwoch hatte das Management mal wieder eine positive Überraschung parat: Die RBS kündigte nämlich an, die Analystenerwartungen für seinen Gewinn im laufenden Jahr übertreffen zu wollen.

          Die Aktie gewann bis zum späten Nachmittag mehr als vier Prozent und kostete in London 1.916 Pence (Isin GB0007547838). Dies war der stärkste Kursgewinn seit mehr als zwei Jahren und ließ den Marktwert des Instituts auf etwa 60 Milliarden Pfund anschwellen - umgerechnet knapp 89 Milliarden Euro.

          Kräftiges organisches Wachstum

          Als Hauptgründe für ihren Optimismus nannte die Bank mit Sitz in Edinburgh ein kräftiges organisches Wachstum ihrer Einnahmen und gute Geschäfte ihrer Firmenkundensparte. In diesem Geschäftsbereich seien die Einnahmen auf der ganzen Linie stark gewachsen.

          Im Schnitt erwarten die Analysten vor Steuern und Einmalposten in diesem Jahr einen Gewinn von 9,16 Milliarden Pfund (rund 13,6 Milliarden Euro) - ein Plus von elf Prozent gegenüber 2005. Die Royal Bank of Scotland erklärte nun, sie werde diese Prognose voraussichtlich etwas übertreffen.

          HSBC hatte enttäuscht

          Im Privatkundengeschäft seien die Einnahmen im zweiten Halbjahr ordentlich gewachsen, das Hypothekengeschäft habe zugelegt und damit eine schwächere Nachfrage nach Verbraucherkrediten ausgeglichen.

          Im Gegensatz zur Royal Bank of Scotland hatte der europäische Branchenprimus HSBC die Anleger am Dienstag mit einem relativ zurückhaltenden Ausblick überrascht und seine Aktien damit ins Minus geschickt.

          Asien-Geschäft wächst

          Die Risiken der RBS seien relativ gut gestreut, sagte Antony Broadbent, Analyst von Sanford C. Bernstein in London, gegenüber Bloomberg. Ein großer Teil des Wachstums der Bank in den vergangenen Jahren sei auf Akquisitionen zurückzuführen. „Es ist keinesfalls gesagt, daß das in den nächsten fünf Jahren so bleibt“, sagte Broadbent weiter.

          In den vergangenen vier Jahren hat das Institut 15 Milliarden Dollar für Zukäufe ausgegeben. Im Februar sagte RBS-Chef Fred Goodwin, er habe derzeit keine weiteren großen Übernahmepläne. Das beruhigte die Investoren, denn nach dem Einstieg bei der Bank of China war die Angst aufgekommen, das Institut könnte weitere Zukäufe zu teuer bezahlen. Wachstum könnte daher vor allem in Asien stattfinden: Im August 2005 hatte sich die RBS zehn Prozent der Anteile an der Bank of China gesichert, bis Jahresende werden die Schotten mehr als eine Million Kreditkarten an chinesische Kunden ausgegeben haben.

          Kurs zeigt nach oben - mit Rückschlägen

          Der Kurs der RBS-Aktie zeigt seit Jahren nach oben, muß aber immer wieder Rückschläge verkraften. Vor zehn Jahren notierte die Aktie noch auf einem Niveau von etwa 500 Pence, im Jahr 2002 erreichte sie ein Rekordhoch bei mehr als 2.000 Pence. Diese Marke konnte die Aktie seither nicht mehr überschreiten.

          Den höchsten Stand in diesem Jahr erreichte die Notiz im März bei 1.933 Pence. Im Oktober gelang es nicht, diese Hürde zu nehmen. Jetzt steht dieses Hoch abermals zum Test an. Gelingt es nicht, ein neues Jahreshoch zu markieren, dürfte das Hoch vom März als massiver Widerstand gelten.

          Aktie scheint nicht zu teuer zu sein

          Nach dem KGV-Kriterium scheint die Aktie noch nicht zu teuer zu sein: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf Basis der durchschnittlichen Gewinnschätzung beträgt 10,1 für dieses und 9,3 für das kommende Jahr. Die HSBC-Aktie zum Beispiel ist höher bewertet. Auch die Dividendenrendite von mehr als vier Prozent spricht für die RBS-Aktie.

          Die Chancen stehen gut, daß die RBS der Konkurrenz weiterhin Marktanteile abnimmt und den Gewinn solide steigern kann. In einem nach wie vor freundlichen Marktumfeld sollte der Kurs deshalb noch einiges Potential haben. Aus charttechnischer Sicht empfiehlt es sich allerdings, vor einem eventuellen Einstieg abzuwarten, ob die Aktie den Widerstand bei 1.933 Pence überwinden kann. Dann wäre der Weg frei bis zum Rekordhoch aus dem Jahr 2002.

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