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Banken : Kreditkrise und Skandal lasten auf der Aktie der Société Générale

  • Aktualisiert am

Zentrale der Société Générale in Paris Bild: dpa

Die Aktie der Société Générale hat in den vergangenen Wochen die Hälfte ihres Wertes verloren. Nun zeigt sich wieso: Die Bank hat massive Probleme mit Schieflagen, die den Gewinn erodieren und eine Kapitalerhöhung nötig machen.

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          Mit deutlichen Kursgewinnen erholen sich am Donnerstag nach einer Rally an der Wall Street auch die Börsen in Europa. Allerdings lässt sich fragen, wie weit diese tragen wird. Denn erstens dürften die Kursgewinne in erster Linie auf das so genannte „Short Covering“ zurückzuführen sein.

          Zweitens verbuchten nicht alle Börsen in Asien Kursgewinne - in Hongkong und Indien ging es nach unten. Drittens reißen die schlechten Nachrichten aus dem Finanzsektor auch in Europa nicht ab. So gibt es neuerdings Meldungen, nach denen die Bayerische Landesbank aufgrund der anhaltenden Kreditkrise deutlich mehr wird abschreiben müssen, als bisher angekündigt. Gleichzeitig bestätigten sich bisherige Gerüchte, nach denen sich die französische Großbank Société Générale in Schwierigkeiten befindet.

          Massive Abschreibungen aufgrund der Kreditkrise und eines „Händlerfehlers“

          Das französische Bankhaus hat nach eigenen Angaben einen „milliardenschwere Betrug eines Händlers“ aufgedeckt. Die Unregelmäßigkeit werde negative Auswirkungen auf das Geschäft von 4,9 Milliarden Euro haben, teilte die zweitgrößte börsennotierte Bank Frankreichs am Donnerstag mit. SocGen werde den in Paris ansässigen Händler entlassen. Seine Vorgesetzten würden das Kreditinstitut ebenfalls verlassen.

          Die Bank teilte zudem mit, ein Rücktrittsgesuch des Chefs Daniel Bouton abgelehnt zu haben. Ein Analyst sagte, er bezweifle, dass die Bank erst jetzt von dem Betrug erfahren haben will. „Ich finde es schwer zu verstehen, dass ein Händler in der Lage gewesen sein soll, ein 'geheimes Geschäft' von 4,9 Milliarden getätigt zu haben, ohne dass jemand davon gewusst hat“, sagte Ion-Marc Valahu von der Amas-Bank in der Schweiz.

          Darüber hinaus müsse das Geldhaus zusätzliche Abschreibungen von 2,05 Milliarden Euro im vierten Quartal vornehmen, die auf die Immobilienkrise zurückzuführen seien, teilte die Bank weiter mit. Über eine Kapitalerhöhung wolle die Bank 5,5 Milliarden Euro einnehmen, um die Kapitaldecke zu stärken. Für 2007 geht Société Générale von einem Nettogewinn zwischen 0,6 und 0,8 Milliarden Euro aus. Bisher waren die Analysten im Durchschnitt von einem Gewinn von rund drei Milliarden Euro oder von knapp 6,5 Euro je Aktie ausgegangen.

          Die Bank muss ihr Kontrollsystem reorganisieren

          Auf diese Weise bestätigt sich einmal mehr, wie berechtigt das Misstrauen der Anleger in die Werte der Finanzbranche ist. Es lässt sich gleich mehrfach begründen. Erstens in der offensichtlichen Unfähigkeit vieler Institute, ihre Risiken zu erfassen, zu bewerten und vor allem auch zu kontrollieren. Zweitens in der „Verschleierungstaktik“, die vielfach nur scheibchenweise kommuniziert, wie die Lage tatsächlich aussieht.

          Die Société Générale stellt diesbezüglich einen speziellen Fall dar. Denn während Großbanken weltweit derzeit mit milliardenschweren Abschreibungen angesichts der Auswirkungen der Hypotheken- und Kreditmarktkrise zu kämpfen haben, schiebt sie nun nach Ansicht von Marktteilnehmern die Fehler eines einzelnen Händlers vor. Das ist doppelt blamabel. Denn erstens ist es wenig glaubwürdig und zweitens peinlich, dass das Risikokontrollsystem dermaßen versagen konnte.

          Auf dieser Basis dürfte man die Aktie bis aus weiteres kritisch betrachten müssen, auch wenn sie in den vergangenen Wochen schon die Hälfte ihres Wertes verloren hat und optisch noch so günstig aussehen mag. Interessant würde sie grundsätzlich erst dann wieder werden, wenn die Kreditkrise bereinigt ist und die Bank ihr Risikomanagementsystem restrukturiert hat. Auf der anderen Seite ist das die Chance für einen Konkurrenten, das Institut zu schlucken. So mögen sich Zocker zu einer Übernahmespekulation gereizt sehen.

          War die Aktie des Hauses bis zum Mittag vom Handel an der Pariser Börse ausgesetzt, so fiel der Kurs nach der Handelsaufnahme um bis zu knapp sieben Prozent auf 73,60 Euro im vorläufigen Tagestief um 12.32 Unr.

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