https://www.faz.net/-gv6-43ae

Banken : Hypovereinsbank-Aktie wird durch Anteilsverkauf nicht interessanter

  • Aktualisiert am

Bild:

Die HypoVereinsbank braucht dringend neues Kapital. Mit dem Verkauf eines Teils der Bank Austria-Creditanstalt an der Börse hat sie eine clevere Lösung gefunden. Das macht die Aktie der Mutter jedoch nicht wirklich attraktiv.

          2 Min.

          Die Lage der HypovereinsBank ist bekannt, sie ist kritisch. Die Bank hat europas größtes Kreditportfolio in ihren Büchern stehen - und das droht auf Grund der schwachen Konjunktur, zunehmender Insolvenzen und einer gleichzeitig wegen de Börsenschwäche schwindender Reserven zu einem Mühlstein um den Hals zu werden.

          Die Bank braucht dringend neues Kapital. Eine direkte Kapitalerhöhung wird am Markt im aktuellen Umfeld schlecht ankommen. Allein das Gerücht über eine „Zwangswandelanleihe“, also eine verkappte Kapitalerhöhung, führte zu dramatischen Turbulenzen an den Börsen. Denn im Moment dürfte sich niemand ernsthaft die Aktien des Unternehmens ins Depot legen wollen. Zu hoch scheinen die Risiken zu sein, die man sich damit auf Basis einer allenfalls dahindümpelnden Konjunktur - eine Erholung ist nicht einmal in Ansätzen erkennbar, die Anzeichen deuten eher auf eine sich vertiefende Rezession hin - aufbürdet.

          Clevere Kapitalerhöhung auf Umwegen

          Damit bleibt im Prinzip nur der Verkauf von Beteiligungen, um die Reserven etwas aufzupolstern. Nun hat die Bank angekündigt, ein Viertel der erst im Jahr 2001 vollständig in den HVB-Konzern integrierten Bank Austria-Creditanstalt an die Börse zu bringen. Dieser Schritt war in dieser Weise nicht erwartet worden, ist aber im Prinzip nichts anderes, als eine Kapitalerhöhung auf Umwegen. Sie wird nicht bei der Mutter vorgenommen, sondern bei der Tochter.

          Das Elegante daran ist, die Tochter scheint erheblich attraktiver zu sein, als die Mutter. Denn die Bank Austria-Creditanstalt ist erstens Marktführer in Österreich, zweitens profitabel und hat drittens erhebliche Wachstumsmöglichkeiten in Mittel - und Osteuropa. Schon heute stammen mehr als 50 Prozent der Erträge aus diesen Regionen, weiteres Wachstum ist zu erwarten. Aus diesem Grund dürften die Aktien der Tochter für Anleger wesentlich interessanter sein, als die der HypoVereinsbank selbst. Außerdem führt der Verkauf einer Beteiligung auf diesem Umweg nicht zu Abschreibungen, wie sie beispielsweise bei der Veräußerung der Vereins- und Westbank notwendig werden würde.

          Börsengang hat seinen Preis

          Ausgehend von der Annahme, dass die Aktien mit einem Preis-Buch-Verhältnis von 1,5 bewertet werden, rechnen die Analysten von Merck Finck & Co mit einem Erlös von 1,5 bis zwei Milliarden Euro. Das dürfte knapp reichen, um die Kapitalbasis der HypoVereinsbank nahe an die angestrebte Quote von sieben Prozent zu bringen. Allerdings bezahlt die Bank dafür auch ihren Preis. Denn sie verzichtet nicht nur auf die vollen Gewinne der Tochter, sondern auch auf den Anteil des erzielbaren Ertragswachstums. Konrad Becker von Merck Finck & Co geht davon aus, dass der Anteilsverkauf den Gewinn der HypoVereinsbank je Aktie um 16 bis 18 Cents mindern könnte. Konsequenz: Ausgehend vom Durchschnitt der in Bloomberg veröffentlichten - etwas weit streuenden - Gewinnschätzungen würde die HypoVereinsbank im Jahr 2003 gerade so eine schwarze Null erreichen.

          Insgesamt dürfte die Bank eine relativ elegante Lösung für ihr Eigenkapitalproblem gefunden haben. Aber dadurch wird die Aktie auf Grund des anhaltend schwachen Umfelds noch lange nicht attraktiv.

          Weitere Themen

          Inflationssorgen in London

          Britischer Finanzmarkt : Inflationssorgen in London

          Die Londoner Börse erlebt seit Monaten eine regelrechte Kursrally, doch nun stand eine Korrektur an. Viel hängt derzeit an der Geldpolitik der britischen Regierung.

          Topmeldungen

          Auserzählt und neu in Szene gesetzt: Olaf Scholz

          SPD-Kanzlerkandidat Scholz : Schrei vor Glück?

          Die SPD ist in Umfragen wie festgenagelt. Sie hofft, dass am Ende die Wähler Olaf Scholz als natürlichen Erben der Kanzlerin sehen. Reicht das?

          Politik im Fußball : Wenn der Hass geweckt wird

          Die Schlacht von Göteborg 1958 war ein Musterbeispiel für die Politisierung des Fußballs. Auch heute gilt: Egal, mit welcher Botschaft er sich in seiner aggressiven Beschränktheit auflädt, es ist die falsche.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.