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Banken : HypoVereinsbank-Aktie bietet trostloses Bild

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Erstmals in ihrer Geschichte weist die HypoVereinsbank einen Jahresverlust aus und streicht die Dividende. Während der Vorstand mit vorsichtiger Zuversicht nach vorne blickt, äußer sich Analysten skeptisch. Die Aktie hält sich dennoch.

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          Schlechte Nachrichten für Aktionäre der HypoVereinsbank: Erstmals in der Konzerngeschichte ist die Bank in die roten Zahlen gerutscht. Am Ende des „schwierigsten und schlechtesten Geschäftsjahr in der Geschichte“ seines Hauses, wie Vorstandschef Dieter Rampl 2002 charakterisierte, steht ein Nettoverlust in dreistelliger Millionenhöhe.

          Damit nicht genug: Die von erheblichen Kursverlusten gebeutelten Anleger sollen diesmal keine Dividende erhalten. Zudem beurteilen Analysten, die sich enttäuscht über die Zahlen äußern, die Aussichten sehr zurückhaltend. Gleichwohl kann sich die Aktie am Vormittag nach ersten Verluste wieder erholen; sie liegt gegen 11.00 Uhr sogar mit knapp einem Prozent im Plus bei 11,02 Euro.

          Risikovorsorge auf Rekordhöhe

          Die HypoVereinsbank (HVB) hat unter den europäischen Kreditinstituten das größte Kreditportfolio. Dies rächte sich in der Wirtschaftskrise. Das Jahr 2002 hat die HypoVereinsbank mit einem Verlust vor Steuern von 821 Millionen Euro abgeschlossen und einem Nettoverlust von 858 Millionen Euro abgeschlossen. Ende 2001 hatte sie noch einen Vorsteuergewinn von 1,55 Milliarden Euro und einen Jahresüberschuß von 967 Millionen Euro ausgewiesen.

          Die Risikovorsorge musste die HypoVereinsbank auf den Rekordwert von 3,8 Milliarden Euro nach oben schrauben. Allein im Schlußquartal verbuchte die Bank Sonderbelastungen von 1,1 Milliarden Euro, darunter Abschreibungen auf Beteiligungen in Höhe von 321 Millionen Euro.

          Schlußquartal das beste Vierteljahr

          Den Abschreibungen und pauschalen Einzelwertberichtigungen (1,32 Milliarden) sind die Fortschritte im operativen Geschäft im vierten Quartal komplett zum Opfer gefallen. Von Oktober bis Ende Dezember, dem besten Quartal im vergangenen Jahr, hat die HypoVereinsbank vor Risikovorsorge ein Vorsteuerergebnis von 1,126 Milliarden Euro erzielt. Die Verwaltungsaufwendungen sind im Vergleich zum Vorquartal um knapp 14 Prozent gesunken, während beim Kerngeschäft ein Plus in gleicher Höhe erreicht wurde; der Zins- und der Provisionsübeschuß wuchsen jeweils leicht, das Handelsergebnis annähernd um das Vierfache.

          Alles in allem ist die Bank hinter den Erwartungen von Marktbeobachtern zurückgeblieben. Analysten von Berenberg Bank, Helaba Trust, der Landesbank Rheinland-Pfalz und des Finanzdienstleisters Nols bezeichneten sie unisono als „enttäuschend“. Auch die Fortschritte im vierten Quartal und seit Jahresbeginn werten sie nicht als Anlässe, viel Positives von der HypoVereinsbank zu erwarten.

          Analysten sehen mehr Risiken als Potenzial

          Analyst Andreas Pläsier von der Berenberg Bank meint, durch die anstehende Ausgliederung der Immobiliensparte könnten weitere Risiken auftreten. Die Kapitalausstattung sei mit einer Eigenkapitalquote von 5,6 Prozent bedenklich, urteilt Sebastian Reuter von Helaba Trust. Das erklärte Ziel, diesen Wert auf sieben Prozent zu steigern, sei ambitioniert und auf operativer Basis kaum zu erreichen. Folglich müßte die Bank sich von weiteren Beteiligungen wie der Noris Bank trennen. Dieser Schritt biete sich eigentlich nicht an, weil die Noris Bank profitabel sei - deswegen lasse sich andererseits ein Buchgewinnen erzielen.

          Auch Rampls Aussage, er blicke „mit vorsichtiger Zuversicht“ nach vorne, stimmt die Analysten nicht optimistisch. Auch weil das konjunkturelle Umfeld weiter ungünstig ist, sieht Reuter wenig Potenzial für eine Besserung auf operativer Basis. Heinz Stork von Nols verweist zudem auf die Risiken, die sich durch einen möglichen Irak-Krieg ergeben könnten. Aussagen zum künftigen Gewinn wagt auch er noch nicht. Pläsier hat die Aktie derweil von „Halten“ auf „Verkaufen“ abgestuft, mit dem Kursziel neun Euro.

          Charttechnisch ein trostloses Bild

          Dabei ist das Papier binnen Jahresfrist schon von 42,50 auf 10,91 Euro abgerutscht - ein Wertverlust von 75 Prozent. Zwar liegt die Aktie leicht über dem Jahrestief von 10,04 Euro, das sie vor einer Woche markierte. Doch charttechnisch bietet sich ein trostloses Bild. Nicht einmal eine Bodenbildung ist zu beobachten. Mit dem - auf den bisherigen Gewinnschätzungen von Analysten basierenden - Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 17,8 ist das Papier nicht günstig bewertet. Schließlich liegt dem KGV eine Konsensschätzung von 61 Euro-Cent Gewinn je Aktie zu Grunde, von dem die Bank meilenweit entfernt ist.

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