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Banken : Finanzwerte verkraften Ackermann-Aussagen relativ gut

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Gewinnwarnung:Bei „Maybrit Illner” legt der Chef der Deutschen Bank die Karten auf den Tisch Bild: dpa

Mit einer Gewinnwarnung überraschte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann am Mittwochabend die Märkte. Doch der Zeitpunkt war gut gewählt: In der stabilisierten Verfassung stecken die Finanzwerte den Schrecken gut weg. Doch die Stimmung bleibt fragil.

          Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann gilt nicht zu Unrecht als versierter Manager. Im Zuge der Finanzkrise wurde er nicht müde zu betonen, dass man die Kreditrisiken stets gut unter Kontrolle gehabt habe, die Zweckgesellschaften (Conduits) nicht in Subprimes engagiert und überwiegend in der Bilanz der Bank konsolidiert seien. Die Bank habe auch keine unbesicherten Kredite an Hedge-Fonds gegeben und niemals Schwierigkeiten gehabt, sich zu refinanzieren.

          Zudem strahlte der Manager immer wieder Optimismus aus, sah schon vor Wochen erste Anzeichen für ein Ende der Vertrauenskrise an den Finanzmärkten. Dass er dabei stets einräumte, auch die Deutsche Bank sei im August von der Finanzmarktkrise nicht verschont geblieben, verblasste in der Wahrnehmung der Marktteilnehmer bisweilen, nicht zuletzt, weil er noch Anfang September auf einer Konferenz betonte, es handele sich dabei nicht um die Gewinnwarnung über die genauso spekuliert worden war wie über seinen Rücktritt.

          Aussagen negativer als zuvor

          Am Mittwochabend indes räumte Ackermann in der zu diesem Zeitpunkt aufgezeichneten ZDF-Sendung „Maybrit Illner“ indes nicht nur ein, dass auch die Deutsche Bank Fehler gemacht habe. Vielmehr erwarte man nun doch eine Ergebnisbelastung für das dritte Quartal und werde die bisher geplanten Neueinstellungen verschieben.

          Nach der Aussage Ackermanns gerieten die meisten Aktien deutscher Kreditinstitute unter Druck, allen voran die Papiere der Deutschen Bank selbst, die bis zum Donnerstagmittag 2,1 Prozent abgaben.

          Marktteilnehmer verwiesen darauf, dass Ackermanns Aussagen etwas negativer klängen als zuletzt. Dass die Kursverluste nicht höher ausgefallen sind, liegt an der exzellenten Wahl des Zeitpunkts. Noch vor wenigen Tagen wäre der Aktienkurs der Deutschen Bank bei dergleichen Nachricht eher um 20 als um 2 Prozent gefallen und hätte am Dienstag und Mittwoch sicherlich die Erholung verdorben.

          Optimaler Zeitpunkt für eine kalte Dusche

          Doch nachdem die ausgewiesenen Ergebnisse der amerikanischen Investmentbanken nicht durchgängig schlecht ausgefallen waren und die Zinssenkung der amerikanischen Notenbank für Euphorie an den Märkten sorgten, konnte der Kurs der Deutsche-Bank-Aktie eine schlechte Nachricht durchaus verkraften.

          Ackermann sagte, er rechne mit einer Belastung des Ergebnisses im dritten Quartal, weil größere Kreditversprechen neu bewertet werden müssten. Er bezifferte das Volumen zur Finanzierung großer Übernahmen auf 29 Milliarden Euro. Diese Kredite könnten nun nicht mehr platziert werden und müssten anders bewertet werden. „Und das belastet unsere Erfolgsrechnung im dritten Quartal.“

          Alle Werte der Kreditversprechen würden in den nächsten neun Monaten korrigiert. „Das ist sehr konservativ, aber richtig und auch ein Zeichen der Stärke.“ In der Euphorie sei die Deutsche Bank sicher auch übertriebene Engagements eingegangen. „Da stehen wir dazu.“

          Auch die geplante Aufstockung der Beschäftigtenzahl bei der Deutschen Bank von derzeit 76.000 auf 80.000 noch in diesem Jahr wird gestoppt. Man gehe aber davon aus, dass man „die Stellen halten“ könne, sagte er in der ZDF-Sendung, die am Donnerstagabend ausgestrahlt werden sollte.

          Misstrauen gegenüber Finanzwerten nicht völlig geschwunden

          Ein Systemproblem in Deutschland sieht Ackermann nicht, auch nicht weitere Gefahren für deutsche Institute. Sicher gebe es in den Büchern der Institute noch Positionen, die am Ende des dritten Quartals zu Bewertungskorrekturen führen werden. Dies könne aber aufgefangen werden. „Ich gehe davon aus, dass hier keine größeren Zeitbomben ticken.“

          Die Gewinnwarnung verbessert die Lage für die Finanzwerte sicherlich nicht. Trotz aller positiven Ansätze bleibt ein ungutes Gefühl, dass im weltweiten Bankensystem doch noch weitere Belastungen ruhen, die noch nicht offenbar wurden. Und so erscheint jedes Gerücht, seien es nun Milliardenbelastungen für die Commerzbank oder ein Hilfeersuchen der britischen HBOS an die Bank of England nicht allzu abwegig. Auch Ackermanns Aussage, alle Werte der Kreditversprechen in den nächsten neun Monaten zu korrigieren, weist daraufhin, dass die Bereinigung der Lasten noch längere Zeit in Anspruch nehmen wird.

          Hinzu kommt, dass gegenüber den Bankbilanzen bei Experten ein gewisses Misstrauen herrscht. Der für die Nachrichtenagentur Bloomberg arbeitende Bankbilanzexperte Jonathan Weill beklagt etwa, dass ein Gutteil der Gewinne auf subjektiven Preisschätzungen beruht. Auch Währungsstratege Hans Redeker von der französischen BNP Paribas sieht im FAZ.NET-Interview die amerikanischen Bilanzausweise recht kritisch (vgl. „Der Euro kann bis auf 1,50 Dollar überschießen“).

          Fragile Stimmung kann Kurse jederzeit belasten

          Je nachdem wie stark die Ergebnisbelastungen für die Deutsche Bank ausfallen, wird sich auch die Bewertung der Aktie relativieren, die mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 7,7 für das laufende und 7,8 für das kommende Jahr auf Basis der aktuellen Analystenschätzungen zumindest optisch recht preiswert erscheint. Insofern sollte man den Quartalsausweis abwarten und auch den Ausblick genau studieren, bevor man sich über die tatsächliche Bewertung des Papiers eine neue Meinung bildet.

          Charttechnisch hat sich die Aktie angesichts des großen Drucks noch recht gut gehalten und kämpft derzeit um den Durchbruch druch den kurzfristigen Abwärtstrend. Zudem ist die vom 2006er Tief bei 81,74 Euro noch ein gutes Stück entfernt. Wer daher das Vertrauen mitbringt, dass sich die Belastungen für die Deutsche Bank in Grenzen halten, kann im derzeitigen Umfeld sogar den Einstige wagen. Indes ist die Stimmung gerade für Finanzwerte fragil und könnte mit einer richtig schlechten Nachricht rasch kippen. Das dürfte dann den Aktienkurs der Deutschen Bank belasten, selbst wenn diese nicht direkt davon betroffen sein sollte.

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