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Banken : Finanzkrise trifft Australien

  • Aktualisiert am

Bild: AP

Zwei große Finanzdienstleister rutschen in Australien in die Krise. Die Aktie von MFS Ltd. aus Southport verlor am Freitag 69 Prozent ihres Wertes. Seit dem Höchststand im Mai vergangenen Jahres hat das Papier 90 Prozent eingebüßt.

          Australien gerät immer tiefer in den Sog der Finanzkrise in Amerika. Die Aktie des Finanzdienstleisters MFS Ltd., Southport, verlor am Freitag 69 Prozent ihres Wertes. Seit dem Höchststand im Mai vergangenen Jahres hat das Papier 90 Prozent eingebüßt. Vorausgegangen war die Ankündigung des Managements, das Unternehmen aufzuteilen und für die Reisegruppe Stella Tourism Group junge Aktien an den Markt zu bringen. Dadurch will das Unternehmen Schulden tilgen. MFS schuldet den Banken mindestens eine Milliarde australische Dollar (601 Millionen Euro), davon allein 790 Millionen Dollar der Schweizer UBS AG.

          Immobilienentwickler steht vor dem Zusammenbruch

          Die Anleger misstrauen dem Vorhaben, im jetzigen Wirtschaftsklima an die Börse gehen zu wollen. Zuvor war der Plan gescheitert, Stella an Privatinvestoren verkaufen zu wollen. MFS verwaltet rund 5 Milliarden australische Dollar an Anlegergeldern. Der Markt in Australien ist äußerst angespannt, nachdem der Immobilienentwickler Centro Properties Group. Melbourne vor dem Zusammenbruch steht. Die Lage in Amerika berührt die Australier besonders, da auch sie mit extrem wenig Eigenkapital Immobilien erwerben.

          Der Wert der an der Börse in Sydney notierten Unternehmen - seit Jahren von Rekord zu Rekord geeilt - ist innerhalb der vergangenen Tage um gut 150 Milliarden australische Dollar geschrumpft. Die zehn Verlusttage in Folge sind die längste Verlustphase überhaupt, die die Börse "down under" verzeichnet. Erst im November hatte der Index S&P/ASX 200 mit 6829 Punkten ein Rekordhoch verzeichnet. Am Freitag endete er bei 5762 Punkten.

          Centro-Aktie verliert 90 Prozent ihres Wertes

          Centro hatte sich hoch verschuldet, um 700 Einkaufsmeilen in Amerika zu kaufen. Die Aktie war zu Wochenbeginn für drei Tage vom Handel ausgesetzt worden. Inzwischen ist der Vorstandsvorsitzende Andrew Scott zurückgetreten. Er verantwortete das schwer durchschaubare Firmen- und Fondsgeflecht, sieht sich bis heute aber kaum in der Verantwortung für den Zusammenbruch. Erst vergangene Woche verkaufte der 53 Jahre alte Manager die Hälfte seines Anwesens in Melbourne für 2 Millionen Dollar an seine Frau - um Schulden zu begleichen, wie er erklärte. Die Centro-Aktie hat, seit Mitte Dezember eine Deckungslücke von 3,9 Milliarden australischen Dollar öffentlich wurde, 90 Prozent ihres Wertes eingebüßt.

          Die Centro-Geldgeber haben dem Unternehmen nun eine Gnadenfrist bis zum 15. Februar eingeräumt, um einen Entschuldungsplan vorzulegen. Analysten geben dem angesichts der harten Bedingungen für Firmenkredite wenig Chancen. Gleichwohl heißt es im Markt, Geldgeber wie die australische Macquarie Bank und der Hedge-Fonds Citadel seien an einem Einstieg interessiert. Macquarie-Analysten schätzen die Gesamtverschuldung von Centro auf 9,4 Milliarden australische Dollar.

          Hypothekenanbieter unter Druck

          Die privaten Hypothekenanbieter in Australien geraten zunehmend unter Druck. Dem Zusammenbruch von Rams Home Loans Ltd. im vergangenen Herbst würden weitere folgen, erklärte John Symond, der Gründer von Aussie Home Loans Ltd., gegenüber Bloomberg TV. "Ich denke, wir werden einige sehen, die das Geschäft aufgeben müssen - sie werden verschmolzen, übernommen oder abgewickelt", warnte er. Rams hatte im Oktober sein Portfolio an die Westpac Banking Co. abgegeben, nachdem sich kein Käufer für amerikanische Schuldtitel im Wert von 6,17 Milliarden australische Dollar gefunden hatte.

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