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Bankenprognose : Nach EZB-Entscheidung steigen die Aktienkurse

Zum Ende der Woche könnte es lebhafter werden. Bild: Reuters

Für die einen ist es das „große Finale“ des Jahres, andere warnen vor zu großen Erwartungen. Sollte Mario Draghi das Tor für weitere Schritte offen lassen, dürfte das die Finanzmärkte beflügeln.

          Die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) an diesem Donnerstag über eine weitere Lockerung der Geldpolitik dürfte vor allem die Aktienmärkte nach Einschätzung vieler Banken und Fondsgesellschaften weiter beflügeln. Anleger könnten damit rechnen, dass die Folgen die Aktienkurse „weiter treiben“ werden, sagte Ulrich Stephan, der Chef-Anlagestratege Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zwar werde die Entscheidung der EZB seiner Einschätzung nach nicht über die am Markt erwarteten Schritte hinausgehen, sagte Jörg Krämer, der Chefvolkswirt der Commerzbank. Allerdings werde es eine positive Marktreaktion geben, wenn EZB-Präsident Mario Draghi das „Tor für weitere Maßnahmen“ offen lasse. Das werde die „Phantasie der Anleger anregen“.

          Die Commerzbank spricht vom „großen Finale“ des Jahres 2015. Als an den Märkten eingepreist bezeichnete Krämer eine Senkung des Einlagenzinses der EZB. Er liegt bei minus 0,2 Prozent und könnte Krämer zufolge um weitere 15 bis 20 Basispunkte sinken, also auf minus 0,35 bis minus 0,4 Prozent. Außerdem werde an den Märkten eine Ausweitung des Anleihekaufprogramms QE von 60 auf rund 75 Milliarden Euro im Monat erwartet.

          Skeptiker: Erwartungen ungewöhnlich hoch

          „Ich glaube nicht, dass Draghi die Märkte hier überraschen wird“, sagte Krämer. Gut denkbar sei aber ein Satz von Draghi, dass sich die EZB, falls die Inflation zu langsam steige, weitere Maßnahmen innerhalb ihres Mandates vorbehalte. Das dürfte an den Märkten als positives Signal aufgenommen werden, meinte Krämer.

          Auch Dominic Rossi, Chief Investment Officer für Aktien der Fondsgesellschaft Fidelity, rechnet mit einem Kursanstieg: „Für Aktien verheißt das Gutes.“ Andrew Bosomworth, Deutschlandchef des weltgrößten Anleiheinvestors Pimco, erwartet darüber hinaus, dass die EZB auch die Zinssätze für die ständigen Fazilitäten, also den regulären Leitzins, weiter senken wird, und zwar auf bemerkenswerte 0 Prozent: „Das bedeutet kostenloses Geld.“

          Zu den Skeptikern bezüglich des Aktienmarktes gehört diesmal Edgar Walk vom Bankhaus Metzler. Er meint, die Erwartungen der Finanzmarktakteure an die EZB-Sitzung seien ungewöhnlich hoch. Da jedoch schon viel eingepreist sei, wäre es für die EZB dieses Mal sehr schwierig, für eine die Erwartungen sehr übertreffende Entscheidung eine fundamentale Begründung zu finden. „Ich gehe daher davon aus, dass die hohen Erwartungen nicht erfüllt werden“, sagte Walk. „Die Enttäuschung dürfte sich in fallenden Aktienkursen und steigenden Renditen bei zehnjährigen Staatsanleihen zeigen.“

          Matthias Hoppe, Portfoliomanager der Fondsgesellschaft Franklin Templeton, sagte: „Sollte die EZB am Donnerstag hinter den Erwartungen der Marktteilnehmer bleiben, rechnen wir am ehesten beim Euro und am kurzen Ende der Zinskurve mit einer starken Gegenreaktion.“ Unterdessen ist der Euro am Montag auf den tiefsten Stand seit April gefallen. Zwischenzeitlich kostete ein Euro 1,0564 Dollar. „Durch die monetären Maßnahmen ist der Euro sehr schwach geworden“, sagte Stephan.

          Für das Portfolio von Privatanlegern empfiehlt der Anlagefachmann der Deutschen Bank: „Anleger sollten in gut diversifizierte Portfolios investieren.“ Dazu gehörten Aktien aus Amerika mit Schwerpunkten bei Technologie, Gesundheitswesen und Finanzen sowie aus Europa Zykliker, insbesondere Autos, Chemie, Finanzen und Konsum sowie aus Asien Infrastruktur und Konsum.

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