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Banken : Aktie der HypoVereinsbank hängt in den Seilen

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Die Aktie der HypoVereinsbank scheint keinen Boden zu finden. Mit Kursverlusten von bis zu zwölf Prozent reagiert sie auf Berichte über eine verkappte Kapitalerhöhung. Eine Besserung der fundamentalen Lage ist nicht absehbar.

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          Mit satten Kursverlusten von 11,46 Prozent auf gerade noch 8,5 Euro reagiert die Aktie der HypoVereinsbank (HVB) auf Berichte und Gerüchte über die bevorstehende Emission einer Anleihe, die später verbindlich in Aktien umgewandelt werden solle. Diese Kursreaktion, die trotz eines Dementis der Bank zu beobachten ist, spiegelt das Misstrauen des Marktes gegenüber dem Unternehmen wider.

          Denn diese Art von Konstruktion der „Zwangswandelanleihe“ scheint in jüngster Zeit in Mode zu kommen, nachdem die Deutsche Telekom in der vergangenen Woche mit einem entsprechenden Instrument am Markt aufgetreten war. Es stellt im Kern eine Kapitalerhöhung dar, die die Rechte der bisherigen Aktionäre verwässert und ihre Papiere entsprechend im Wert mindert. Händler sagten, wenn die Bank eine Zwangswandelanleihe begebe, müsse die Not groß sein.

          Bank muss alle Optionen prüfen

          „Die Kapitalausstattung der Bank ist knapp, und eine direkte Kapitalerhöhung in diesem Markt ist keine Option. Sie müssen allerdings alle Optionen prüfen“, erklärt sich ein Analyst die Gerüchte. Die HVB hatte im Jahr 2002 wegen der Krise an den Finanzmärkten und einer Risikovorsorge von rund 3,8 Milliarden Euro erstmals in ihrer Geschichte einen Jahresverlust verzeichnet, vor Steuern betrug das Minus 821 Millionen Euro. Konzernchef Dieter Rampl hatte zuletzt aber mehrfach betont, dennoch keine Kapitalerhöhung zu planen. Vielmehr sei der Verkauf von Vermögenswerten angestrebt, hieß es dazu in der HVB nahe stehenden Kreisen. Fragt sich nur, was im aktuellen Umfeld zu welchen Preisen veräußert werden kann.

          Fakt ist jedenfalls, dass vor allem die deutschen Banken nicht nur unter den fallenden Börsen zu leiden haben, weil damit ihre Wertpapierbestände und Beteiligungen deutlich an Wert verlieren. Viel problematischer dürfte die Entwicklung auf der Kreditseite sein. Denn eine auf Grund der schwachen Wirtschaftsentwicklung deutlich steigende Insolvenzrate schlägt sich überdeutlich nieder. Vor allem bei der HypoVereinsbank, die in Deutschland das größte Kreditbuch hat und die sich mit der Übernahme der Hypobank zusätzliche Risiken eingehandelt hat. Unter dem Stichwort Basel II - Vergabe von Krediten nach individuellen Risiken - kommt ein weiterer Aspekt hinzu. Die Rating-Agenturen haben längst darauf reagiert, Standard & Poor's beispielsweise hat die Kreditwürdigkeit des Hauses im vergangenen Jahr zwei Mal reduziert. Das verteuert die Refinanzierungskosten, was die Probleme nur noch verstärkt.

          Kostensenkung alleine kann die Probeme nicht lösen

          Ähnliche Probleme hat auch die Commerzbank. Beiden ist gemeinsam, dass sie weder in der Vermögensverwaltung noch im Investmentbanking groß und profiliert genug sind, um die Probleme auf der Kreditseite ausgleichen zu können. Im Gegenteil: Beide Institute haben in den Jahren des Booms in diesen Bereichen noch relativ spät begonnen, zu expandieren. Der Erfolg dieser Bemühungen war begrenzt, die Kosten sind jedoch geradezu explodiert. Auch der Aufbau von Direktbanken hat bisher nicht viel mehr gebracht, als rote Zahlen. Als Konsequenz können beide Häuser die Kosten kaum so schnell reduzieren, wie die Probleme an Intensität gewinnen.

          Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 14 auf Basis der Gewinnschätzungen für das kommende Jahr ist die Aktie trotz der Kursverluste der vergangenen Monate nicht sonderlich günstig. Der Chart zeigt nicht nur Kursverluste in Höhe von mehr als 85 Prozent in gerade einmal zwei Jahren, sondern der Trend weist nach wie vor nach unten. Um eine Besserung der Lage erwarten zu können, müssten sich nicht nur die Finanzmärkte deutlich erholen, sondern auch die Konjunktur. Das eine wird ohne das andere kaum möglich sein. Aber gerade in Deutschland dürfte mehr notwendig sein, als nur auf die Weltkonjunktur zu hoffen. Denn der größte der Teil der Probleme ist hausgemacht und das Resultat einer schon seit Jahren verfehlten Wirtschaftspolitik. Vor diesem Hintergrund sollte man der Aktie mit Reserviertheit begegnen.

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