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Banken : Aktie der HVB droht in den Abwärtstrend zurückzufallen

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Die HypoVereinsbank hat den Quartalsgewinn im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesteigert. Der Markt hatte allerdings mehr erwartet und läßt die Aktie fallen. Sie droht sogar unter den Aufwärtstrend zu rutschen.

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          Mit Kursverlusten von mehr als acht Prozent auf 14,65 Euro reagiert die Aktie der Münchener HypoVereinsbank auf die Ertragszahlen des ersten Quartals. Das Unternehmen hat zwar ihre Erträge im Vergleich mit dem Vorjahr deutlich gesteigert, die Erwartungen der Finanzmärkte dabei aber deutlich verfehlt.

          Die zweitgrößte deutsche Bank teilte am Donnerstag in München mit, der Vorsteuergewinn habe in den ersten drei Monaten 199 Millionen Euro betragen nach einem um Beiträge aus verkauften Beteiligungen bereinigten Vorsteuerergebnis von 54 Millionen Euro im Vorjahr. Analysten hatten im Schnitt einen Vorsteuergewinn von 369 Millionen Euro erwartet. Das Betriebsergebnis legte im Auftaktquartal bis Ende März um 123 Prozent auf 290 Millionen Euro zu und fiel damit auch etwas geringer aus als von der HVB selbst geplant. Während sich das Provisions- und das Handelsergebnis wie von der Bank erwartet entwickelten, ging der Zinsüberschuß als der wesentliche Ertragsposten um 3,7 Prozent auf 1,285 Milliarden Euro zurück. Die Kreditrisikovorsorge wurde planmäßig auf 485 Millionen Euro nach 575 Millionen Euro im Vorjahr gesenkt.

          Schrittr zur Steigerung der Erträge angekündigt ...

          Die Bank erklärte, im ersten Quartal seien Schritte zur Steigerung der Erträge in allen Geschäftsfeldern eingeleitet worden, die sich in den kommenden Quartalen in den Ergebnissen niederschlagen würden. Zudem steht der Bank der volle Betrag aus der Kapitalerhöhung, bei der die HVB rund drei Milliarden Euro einnahm, ebenfalls erst für das zweite Quartal zur Verfügung, so daß aus der Anlage der Mittel Erträge erwirtschaftet werden können. Im weiteren Verlauf würden zudem Veräußerungsgewinne von 100 Millionen Euro aus dem Verkauf der Beteiligung am Energiekonzern Eon und von rund 40 Millionen Euro für die verkaufte Beteiligung an Brau und Brunnen verbucht.

          Bankenanalyst Metehan Sen vom Bankhaus Sal. Oppenheim sagte zu den Ergebnissen der HVB: „Die Zahlen sind schwach. Während andere Banken Rekordzahlen einfahren im Auftaktquartal, schaffen es die Münchener nicht.“ Vor allem der Zinsüberschuß sei niedriger als erwartet ausgefallen. Aus Sicht von WestLB-Analyst Georg Kanders ist es besonders bedauerlich, daß die HVB bei den wichtigsten Ertragsquellen - dem Zins- und Provisionsergebnis - so schwach abgeschnitten hat.

          Die Commerzbank - die deutsche Nummer dei - hatte ihre Quartalszahlen am Montag veröffentlicht und mit einem Nettogewinn von 254 Millionen Euro fast fünf mal soviel wie die HVB verdient. Allerdings wird bei der HVB darauf verwiesen, daß das Auftaktquartal bei der Münchener Bank häufig nicht so stark läuft wie bei anderen deutschen Großbanken. An dem Ziel, das Betriebsergebnis im gesamten Geschäftsjahr 2004 auf 1,4 bis 1,7 Milliarden Euro zu steigern, hielt die HVB fest. „Wir sind zuversichtlich, daß wir auf der Ertragsseite im weiteren Jahresverlauf noch kräftig zulegen und unsere für 2004 angekündigten Ziele erreichen werden", erklärte Bank-Chef Dieter Rampl.

          ... sind allerdings auch notwendig

          Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16,7 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende Jahr ist die Aktie nicht sonderlich günstig. Vor allem auch, wenn man die Entwicklung des ersten Quartals berücksichtigt. Denn es deutet bei den Gewinnprognosen auf eine gewisse Überschätzung hin. Vor allem die Entwicklung beim Zinsüberschuß dürfte zu denken geben. Immerhin hat die HypoVereinsbank eines der größten Kreditbücher Europas.

          Auch charttechnisch kann die Aktie nicht überzeugen. Das Papier hat den während der Erholung von den Tiefständen im vergangenen Jahr etablierten mittelfristigen Aufwärtstrend längst wieder durchbrochen und droht nun wieder in den längerfristigen Abwärtstrend zurückzufallen. Das wären keine sonderlich guten Perspektiven.

          Wie die anderen deutschen Privatbanken hat auch die HypoVereinsbank mit der fragmentierten und durch Sparkassen und Raiffeisenbanken verzerrten Bankenstruktur in Deutschland zu kämpfen. Dazu kommt das schwächliche internationale Profil des Unternehmens. Immerhin mußte es in den vergangenen Jahren nicht nur neue Aktien ausgeben, sondern einen Teil der an sich interessanten Tochter Bank Austria verkaufen, um die Eigenkapitalbasis auf solidere Beine zu stellen. Damit fällt allerdings auch ein Teil des Ertragspotentials weg. Insgesamt dürfte das Papier einer jener Werte sein, die man nicht unbedingt im Depot haben muß.

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