https://www.faz.net/-gv6-qwau

Banken : Aktie der Deutschen Bank: Dax mit Dividende

  • Aktualisiert am

Josef Ackermann hat gut lachen Bild: dpa

Gute Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr veröffentlichte am Donnerstagmorgen die Deutsche Bank. Die Aktie notiert auf einem Allzeithoch und läuft dem Dax derzeit ein wenig voraus. Allerdings sollte der Ausblick noch etwas konkreter werden.

          3 Min.

          2006 war für die Banken ein Erfolgsjahr. Fusionsfieber, Private-Equity-Deals - all das führte zu einer regen Tätigkeit der Investmentbanken und zu entsprechenden Gewinnen. Auch die Deutsche Bank konnte von dieser Sparte profitieren und hat im vergangenen Jahr den Reingewinn um 70 Prozent auf einen Rekordwert von 5,99 Milliarden Euro nach 3,53 Milliarden Euro im Vorjahr steigern können. Vor Steuern legte der Gewinn binnen Jahresfrist um 33 Prozent auf 8,1 Milliarden Euro zu.

          Die um Sondereffekte bereinigte Eigenkapitalrendite vor Steuern - die zentrale Steuerungsgröße der Bank, die von Konzernchef Ackermann immer wieder ins Visier genommen wurde - kletterte auf 31 Prozent nach 25 im Vorjahr, womit das Ziel von 25 Prozent übertroffen wurde. Die Deutsche Bank will diesen Wert über den Konjunkturzyklus hinweg halten und jährlich zweistellige Steigerungsraten beim Ergebnis je Aktie aufweisen. Der Umsatz stieg um neun Prozent auf 7,16 Milliarden Euro.

          Starkes Schlussquartal

          Im Schlussquartal 2006 konnten die Frankfurter den Gewinn fast vervierfachen und übertrafen damit die Erwartungen von Analysten deutlich. Unter dem Strich seien von Oktober bis Dezember 1,81 Milliarden Euro verdient worden, teilte Deutschlands größtes Geldhaus mit. Ein Jahr zuvor waren lediglich 487 Millionen angefallen - Vorsorge für einen Rechtsstreit sowie Rückstellungen wegen der Krise eines Immobilienfonds hatten damals das Ergebnis gedrückt. Zudem lag Steuerquote damals außergewöhnlich hoch.

          Bild: FAZ.NET

          Die Bank profitierte diesmal hingegen von der aktivierten zukünftigen Erstattung von Körperschaftssteuerguthaben in Höhe von 355 Millionen Euro, verzeichnete aber auch geringere Kosten für den Stellenabbau und ein höheres Handelsergebnis. Dabei erzielte die Bank, die ihr Geld hauptsächlich mit dem Anleihehandel verdient, einen überraschenden Zuwachs im Aktienhandel aufgrund eines höheren Handelsvolumens an den europäischen und amerikanischen Börsen.

          Aktienhandel holt gegen Anleihegeschäft deutlich auf

          Der Erlös aus dem Anleihengeschäft stieg im vierten Quartal um 26 Prozent auf 1,84 Milliarden Euro. Zu dieser Entwicklung trugen ein starkes Geschäft mit Kredit- und Zinsprodukten sowie das Emerging-Markets-Geschäft (Debt) bei.

          Die Erlöse aus dem Aktiengeschäft kletterten um 23 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro. Analysten hatten eine Stagnation erwartet. Neben einem sehr guten Eigenhandelsergebnis war diese Verbesserung im Vergleich zum vierten Quartal 2005 auf Ertragssteigerungen im Geschäft mit Derivaten und im Emerging-Markets-Aktiengeschäft zurückzuführen.

          Die Erträge im Emissionsgeschäft erhöhten sich im Vergleich zum Vorjahresquartal um 38 Prozent auf 611 Millionen Euro. Im Beratungsgeschäft stiegen die Erträge um 21 Prozent auf 239 Millionen Euro.

          Die Eigenkapitalrendite gemäß Zieldefinition lag bei 28 Prozent. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt für das Schlussquartal mit einem Überschuss von 1,44 Milliarden Euro gerechnet. Für das Gesamtjahr waren 5,58 Milliarden Euro erwartet worden.

          Seltsam zugeknöpft beim Ausblick

          So gut sich die Ergebnisse lesen, so sind sie doch zumindest zum Gutteil einer guten Konjunktur geschuldet. Florian Esterer, Fondsmanager bei Swisscanto, drückte es im Vorfeld der Ergebnisveröffentlichung gegenüber Bloomberg so aus: „Eine steigende Tide hebt alle Boote“.

          Für das laufende Jahr gab sich die Deutsche Bank weiter optimistisch, aber auch seltsam zugeknöpft. Er sehe „ausgezeichnete Chancen für weiterhin anhaltende Erfolge im Jahr 2007“, erklärte Bankchef Josef Ackermann bei der Bilanz-Pressekonferenz. „Wir sehen nachhaltiges Wachstum auf den Kapitalmärkten der Welt, Innovationen im Wertpapierhandel und ein dynamisches Niveau der Unternehmensaktivität.“ Konkreter wurde er allerdings nicht.

          Die Zahlen sind insgesamt sicher positiv, ebenso die Tatsache, dass das Aktien- gegenüber dem Anleihengeschäft aufholen konnte. Indes ist sicherlich auch die Ansicht korrekt, dass eine steigende Tide alle Boote hebt. Daher kann auch kaum verwundern, dass die Aktie des Konzerns im Grunde der Entwicklung des Dax folgt und dass sie aktuell diesem ein wenig voraus läuft.

          „Eine steigende Tide hebt alle Boote“

          Bereits am Mittwoch hatte die Aktie kurz vor Handelsschluss kräftig zugelegt, nachdem die Notiz zuvor im negativen Bereich seitwärts gegangen war. Am Schluss des Tages stand ein Plus von knapp einem Prozent auf 108,44 Euro zu Buche und damit ein neues Allzeithoch, nachdem die bislang gültige Rekordmarke von 104,73 Euro aus dem Jahr 2001 bereits eine Woche zuvor überwunden worden war. Am Donnerstag morgen eröffnet die Aktie mit 109,85 Euro abermals höher.

          Grund war, dass die Bank bereits vorab veröffentlicht hatte, dass sie der Hauptversammlung eine um 60 Prozent höhere Dividende von vier Euro je Aktie vorschlagen werde. Analysten hatten im Mittel mit 3,55 Euro gerechnet. Damit erhält die Aktie ein recht attraktive Dividendenrendite von 3,64 Prozent.

          Bewertet ist sie mit geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 10,3 für das laufende und 9,5 für das kommende Jahr und damit etwas niedriger als ausländische Investmentbanken. Solange die Tide also weiter stiegt, ist die Deutsche Bank eine gute Alternative zum Dax - zumal angesichts der attraktiven Dividende.

          Indes enttäuscht doch ein wenig, dass die Bank keinen konkreten Ausblick gab. Das lässt viele Interpretationen zu. Genauere Informationen stehen spätestens zu erhoffen, wenn am 27. März der Geschäftsbericht veröffentlicht wird, vielleicht auch schon von der Presse-Konferenz am Vormittag. Solange hier keine bösen Überraschungen folgen, dürfte davon kein Störfeuer zu erwarten sein.

          Weitere Themen

          Das hässliche Entlein im Dax

          Delivery Hero : Das hässliche Entlein im Dax

          Der Aktienkurs ging steil nach oben, das Wachstum ebenfalls. Trotzdem gibt es auch zwölf Monate nach dem Aufstieg von Delivery Hero in den Dax Kritik. Vor allem: Wann liefert der Essenslieferant unter dem Strich endlich Gewinn?

          Topmeldungen

          Afghanistan : Eine Stadt in Angst

          Die Taliban stehen vor Kabul. Viele Einwohner der afghanischen Hauptstadt sind verzweifelt und fragen sich, ob sie fliehen sollen. Ein paar junge Frauen wollen kämpfen.
          Impfgegner demonstrieren in Athen

          Impfdruck in Griechenland : Mit Zuckerbrot und Spritze

          Auch Griechenland führt wie Frankreich und Italien eine partielle Impfpflicht ein. Fast ein Drittel der Griechen will sich nicht impfen lassen, Anreize haben nicht gewirkt.
          Im Fokus: Die Machenschaften der chinesischen Hacker.

          Mysteriöse Website : Wer jagt Chinas Hacker?

          Auf einer Website werden chinesische Hacker enttarnt. Das Material wird sogar vor Gericht verwendet - in den Vereinigten Staaten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.