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Hoffnung auf Geldspritzen : Bankaktien treiben Dax auf Jahreshoch

Vor kurzem noch gemieden, jetzt wieder Börsenliebling: Die deutschen Banken und ihre Aktien Bild: Lukas Kreibig

Die Kurse der Institute steigen plötzlich in ganz Europa. In Italien hofft man auf eine staatliche Rettung der Krisenbank MPS. Zudem bauen die Anleger auf noch mehr EZB-Geldspritzen.

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          Bankaktien zählen derzeit zu den Titeln der Stunde. Noch vor kurzem wurden sie wegen der vielen Risiken gemieden – dazu zählen niedrige Zinsen, hohe aufsichtsrechtliche Vorgaben, teure Rechtsstreitigkeiten der Deutschen Bank und faule Kredite in Italien. Nun sind sie zum Börsenliebling avanciert. Der europäische Bankenindex gewann in den vergangenen zwei Tagen 10 Prozent und hat einen Jahreshöchststand erreicht. Das zog den Dax hinterher, der mit 10.989 Punkten ein Jahreshoch erreichte. Geholfen haben den Bankaktien Aussichten auf eine schnellere Sanierung der italienischen Krisenbank Monte dei Paschi di Siena (MPS). Vor der Sitzung der Europäischen Zentralbank am Donnerstag schob auch die Erwartung auf mehr Geldspritzen die Märkte an.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Angeführt wurde der Kursspurt von der Deutschen Bank, die am Mittwoch in der Spitze bis auf 17,40 Euro zulegen konnte. Das waren 30 Prozent mehr als im vergangenen Monat – allerdings ausgehend von niedrigem Niveau. Später sank der Kurs wieder knapp über 17 Euro. Zuletzt kostete die Deutsche-Bank-Aktie im April so viel wie jetzt. Seit dem Tief im September hat sie ein Kursplus von fast 70 Prozent verzeichnet. Die Commerzbank konnte am Mittwoch um fast 4 Prozent und im vergangenen Monat um 36 Prozent zulegen auf 7,30 Euro. In ganz Europa sieht es für Bankaktien derzeit gut aus: Die Titel der Credit Suisse zählten am Mittwoch mit einem Plus von mehr als 7 Prozent zu den Favoriten. Die zweitgrößte Schweizer Bank hatte weitere Sparmaßnahmen angekündigt.

          Stark unter Beobachtung stehen Italiens Banken, die unter faulen Krediten in dreistelliger Milliardenhöhe ächzen. Schon seit Monaten wird um die Zukunft der toskanischen Bank Monte dei Paschi gerungen. Derzeit denkt der Finanzminister in Rom darüber nach, seine Beteiligung an der Krisenbank aufzustocken. Aktuell hält der Staat 4 Prozent an der ältesten Bank der Welt. Dieser Anteil könnte auf bis zu 40 Prozent ausgebaut werden, berichtete Reuters unter Berufung auf Insider. An der Mailänder Börse stieg der MPS-Kurs um 7,8 Prozent. Auch Unicredit und Intesa SanPaolo standen mit Gewinnen von 3 und 4 Prozent hoch im Kurs.

          Börsianer blicken mit Spannung auf EZB-Sitzung

          Als Gründe für die Hausse wurde genannt, dass die politische Krise in Italien entspannter bewertet werde: Die Marktteilnehmer rechnen offensichtlich damit, dass sie keinen allzu großen Einfluss auf die Lage der Banken haben werde. Als zweiter Grund wird genannt, dass global die Inflationserwartungen steigen und in der Folge auch die Zinsen vor allem bei längeren Laufzeiten steigen dürften – was den Banken nutzen dürfte, die bei einer steileren Renditekurve mehr Gewinn machen. In Amerika dürfte die Notenbank Fed nächste Woche den Leitzins anheben.

          Mit Spannung blicken die Börsianer auf die anstehende Sitzung der Europäischen Zentralbank. Wegen der politischen Turbulenzen in Italien ist die Wahrscheinlichkeit gestiegen, dass EZB-Präsident Mario Draghi mit der Geldpolitik stärker unterstützend eingreift. Eine Mehrheit der Beobachter erwartet, dass die Zentralbank beschließen wird, ihre monatlichen Anleihekäufe von derzeit 80 Milliarden Euro um etwa ein halbes Jahr zu verlängern. Damit würde das Kaufprogramm um fast eine halbe Billion Euro größer ausfallen. Allerdings wäre auch eine schrittweise Verringerung der Käufe denkbar. Im EZB-Rat gibt es Stimmen, die warnend auf die Nebenwirkungen des Kaufprogramms hinweisen, etwa Risiken für die Finanzstabilität. Diese Kritiker wollen eher einen schnellen Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik. Doch die Mehrheit um EZB-Chef Draghi denkt anders. Daher ist die Verlängerung wahrscheinlich – und das treibt die Börse an.

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