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Bankaktien : Soll man sie jetzt spielen?

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Bild: FAZ.NET

Bankaktien werden skeptisch betrachtet. Obgleich die Probleme wohl nicht weniger werden, wenn die Ausfälle bei den gewerblichen Krediten ihren Höhepunkt erreichen, könnten sich in den kommenden Monaten attraktive Chancen bieten.

          Seit Abschluss der vom amerikanischen Finanzministerium angeordneten Stresstests Anfang Mai geht ein gewaltiger Seufzer der Erleichterung durch die Reihen derer, die in amerikanische Banken investiert haben.

          In den seither vergangenen Wochen haben die Banken insgesamt Eigenkapital in Höhe von 16 Milliarden Dollar erwirtschaftet. Dies versetzt viele von ihnen in eine deutlich bessere Ausgangsposition, um mit einem herannahenden Problem fertig zu werden: den noch bevorstehenden Kreditausfällen, insbesondere aus gewerblichen Immobilienkrediten.

          Gewerbliche Immobilien werden riskanter

          Kreditausfälle bei gewerblichen Immobiliendarlehen werden weithin als der nächste Kugelhagel gesehen, dem die Wirtschaft auf ihrem gefährlichen Weg in Richtung Aufschwung ausweichen muss. Tendenziell sind die regionalen Banken am meisten auf diese Kredite angewiesen, deren Refinanzierung am Ende der Laufzeit sich für viele Kreditnehmer als schwierig, wenn nicht gar unmöglich gestaltet, da die Zahl der leerstehenden Gewerbeimmobilien zunimmt, das Eigenkapital aufgrund exorbitanter Beleihungsausläufe in den negativen Bereich abrutscht und die Immobilienbewertungen folglich sinken.

          Auch nach dem Anziehen der Aktienkurse des Sektors seit März bleiben die Bewertungen vieler Banken verlockend. Nun gilt es, zu unterscheiden, ob man einen guten Handel mit einem Unternehmen macht, das sich wahrscheinlich erholen wird, oder zu viel Geld in eine Aktie steckt, die ganz zu Recht im Keller vor sich hin dümpelt.

          „Die regionalen Banken sind allesamt nicht ausreichend auf Kreditausfälle vorbereitet, da die Verluste zu rasch auf uns zukommen“, meint Paul Miller Jr., Analyst bei Friedman Billings Ramsey (FBR) in Arlington, Virginia. Die Bilanzen der Banken sollten genügend Rücklagen aufweisen, um zwei Jahre lang Gewerbekreditausfälle abdecken zu können, sagt er.

          Steigende Anzahl von Kreditausfällen

          Die Ausfallraten bei gewerblichen Krediten werden voraussichtlich bis ins Jahr 2012 hinein weiter steigen, da der starke Einbruch der Immobilienwerte im ganzen Land auch die Immobilienschätzungen mit auf Talfahrt nehmen wird und die Kredite auslaufen. Auch für Immobilien, auf die die Kreditnehmer Anzahlungen in Höhe von 30 Prozent vorgenommen haben, ist es bei einem Einbruch der Immobilienwerte um 33 bis 40 Prozent nicht gut bestellt, und in vielen Fällen wurden Kredite mit viel geringeren Anzahlungen abgeschlossen, meint Richard Green, Director und Lusk Chair in Real Estate am Lusk Center for Real Estate an der Universität Südkalifornien. Dieses Problem wird sich verschärfen, wenn diese Kredite auslaufen und die Kreditnehmer nach Refinanzierungsmöglichkeiten suchen.

          „Einerseits möchten die Regionalbanken keine Zwangsvollstreckungen vornehmen und die Immobilien in ihrer Bilanz haben“, erklärt er. „Andererseits jedoch wollen sie angesichts der allgemeinen Kapitalknappheit nicht, dass diese Kredite, derer sie sich ursprünglich entledigen wollten, weiterhin in ihren Bilanzen ausgewiesen sind, da sie dann keine neuen Kredite vergeben können.“ Er schätzt, dass in den kommenden zwei bis drei Jahren gewerbliche Kredite im Wert von 350 Milliarden Dollar ablaufen.

          Gleich ob die Banken zur Refinanzierung auslaufender Kredite bereit sind, oder sich dafür entscheiden, den Wert dieser Kredite abzuschreiben, dürften sie aufgrund ihrer schwachen Kapitalpositionen nur wenig Spielraum für neue Kreditvergaben haben. Dies lässt auf einen langwierigen und wenig dynamischen Aufschwung der amerikanischen Wirtschaft schließen.
          Banken, deren Kreditportfolio sich überwiegend auf geografische Regionen wie Georgia oder Florida Kredite konzentriert, wo die Immobilienwerte besonders stark eingebrochen sind, dürften die Anleger wohl am leichtesten von ihrer Liste streichen. Hierzu zählen beispielsweise SunTrust Banks (STI) und Synovus Financial (SNV), während Marshall & Ilsley (MI) zur Zeit der Immobilienblase viele Kredite an Bauunternehmer in Kalifornien vergaben.

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