https://www.faz.net/-gv6-6y3xe

Bankaktien : EZB-Geldschwemme treibt Kurse

Eine große Baustelle: das neue Heim der Europäischen Zentralbank Bild: Felix Schmitt

Der neue EZB-Dreijahrestender soll einer Kreditklemme vorbeugen - und lässt die Aktienkurse vor allem italienischer Banken steigen. Sie sollen 139 Milliarden Euro abgerufen haben.

          2 Min.

          Die Geldschwemme der Europäischen Zentralbank (EZB) über 530 Milliarden Euro hat am Donnerstag die Aktienkurse europäischer Banken steigen lassen. Vor allem italienische Institute waren gefragt, die nach Einschätzung von Analysten besonders stark beim zweiten Dreijahrestender der EZB zugegriffen haben. Der Aktienkurs von Unicredit stieg um 5,8 Prozent und der von Intesa Sanpaolo um 4,5 Prozent. Die Mittel über den ungewöhnlich langen Zeitraum von drei Jahren stellt die EZB zum historisch niedrigen Leitzins von 1 Prozent bereit. Damit will sie einer Kreditklemme vor allem in den südeuropäischen Ländern vorbeugen.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Unicredit habe bei dem EZB-Tender weniger als 12,5 Milliarden Euro abgerufen, zitierte die Nachrichtenagentur Bloomberg am Donnerstag informierte Kreise. Dagegen teilte Italiens zweitgrößte Bank, Intesa Sanpaolo, mit, dass sie sich 24 Milliarden Euro beschafft habe. Damit dürfte sie nach den bisher bekannten Zahlen den höchsten Betrag unter den einzelnen Instituten abgerufen haben. Auf italienische Banken sollen insgesamt 139 Milliarden Euro vom zweiten EZB-Langfristtender entfallen sein. Damit haben sie etwas geringer zugegriffen als beim ersten Dreijahrestender. Kurz vor Weihnachten hatte die EZB rund 500 Banken 489 Milliarden Euro zugeteilt. Davon schätzte eine Deutsche-Bank-Analystin 161 Milliarden Euro für italienische, 107 Milliarden Euro für französische und 85 Milliarden Euro für spanische Banken.

          Auch beim Dreijahrestender am Mittwoch sollen zwei Drittel auf Banken aus diesen drei Ländern entfallen sein. Insgesamt wurden 800 Banken bedient, was die Ratingagentur Fitch positiv bewertet. Die größere Bandbreite reduziere die Finanzierungsrisiken und zeige, dass die Teilnahme nicht mehr als Stigmatisierung betrachtet werde. Einige Banken hatten vor dem ersten Tender befürchtet, sie könnten bei einer Teilnahme als liquiditätsschwach gebrandmarkt werden.

          Keine Beteiligung der Bayern LB, der DZ oder der WGZ Bank

          Spaniens zweitgrößte Bank BBVA hatte schon im Vorfeld angekündigt, 11 Milliarden Euro abrufen zu wollen. Bei der Banca Sabadell und der Sparkassengruppe Civica sollen es jeweils 6 Milliarden Euro gewesen sein. Spaniens größte Bank, Santander, machte keine Angaben. Französische Banken hielten sich ebenso zurück. Die Analysten von Morgan Stanley schätzten für BNP Paribas eine Summe von 5 bis 10 Milliarden Euro und für die Société Générale 3 bis 7 Milliarden Euro. Presseberichten zufolge sollen an portugiesische Banken 19 Milliarden Euro geflossen sein, 2 Milliarden Euro mehr als beim ersten Dreijahrestender.

          Auch die Aktienkurse der Deutschen Bank (plus 2,2 Prozent) und der Commerzbank (plus 2,9 Prozent) profitierten von der Branchentendenz. Beide Banken machten keine Angaben zu ihrer Teilnahme am EZB-Tender. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hatte auf der Jahrespressekonferenz am 2. Februar erklärt, dass man beim ersten Langfristtender aufgrund der befürchteten Stigmatisierung nicht teilgenommen habe. Für den zweiten Tender sei dies aber in Erwägung gezogen worden. Für die Commerzbank schätzt Morgan Stanley eine Summe von 7,5 Milliarden Euro im zweiten Tender. Am ersten Tender beteiligte sich die angeschlagene Tochtergesellschaft Eurohypo.

          Die Aareal Bank nahm den zweiten Tender laut einem Sprecher mit 1 Milliarde Euro in Anspruch. Am ersten Tender hatte der Wiesbadener Immobilienfinanzierer nicht teilgenommen. Die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) räumte eine Teilnahme am zweiten Tender ein, nannte aber keine Summe. Weder am ersten noch am zweiten Tender beteiligten sich die DZ und die WGZ Bank sowie die Bayern LB. Die Deutsche Pfandbriefbank, ehemals Hypo Real Estate, soll sich beteiligt haben. Auffallend hoch sind die 11,4 Milliarden Euro, die nach eigenen Angaben die britische Lloyds Banking Group abrief.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Zweimal Gündogan: Kimmich schreit seine Erleichterung über die Treffer des Kollegen heraus.

          3:0 für Deutschland : Geduldsspiel in Tallinn

          Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft muss einen frühen Platzverweis von Emre Can verkraften, gewinnt aber nach zähem Beginn 3:0 in Estland. Gündogan trifft zweimal, Werner setzt noch einen drauf.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.