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Marktbericht : Bankaktien erholen sich

  • Aktualisiert am

Der Vorstand der Deutschen Bank denkt über einen Verzicht seiner Boni nach. Bild: AFP

Die deutschen Bankaktien erholen sich am Mittwoch etwas. Der Verkauf der Abbey Life beruhigt die Aktionäre der Deutschen Bank. Auch ein angeblicher Notfallplan ändert daran wenig.

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          Die großen deutschen Privatbanken kommen auch am Mittwoch nicht zur Ruhe. Hatten ihre Aktienkurse am Morgen noch wie schon am Dienstag abermals einen Erholungsversuch gestartet, so ist dies gegen Mittag bedeutend weniger. Bis zu 3,7 Prozent stieg der Aktienkurs der Deutschen Bank, der der Commerzbank um 2,2 Prozent. Aktuell steht nur noch ein Plus von 2 bzw. 1,2 Prozent zu Buche.

          Die „Zeit“ hatte berichtet, die Bundesregierung bereite trotz Dementis einen Notfallplan für die Deutsche Bank vor. Dieser solle in Kraft treten, falls die Deutsche Bank zusätzliches Kapital benötige, um ihre zahlreichen Rechtsstreitigkeiten beizulegen, und sich diese Mittel nicht selbst am Markt besorgen könne. Deutsche Bank-Chef John Cryan hatte hingegen der „Bild-Zeitung" gesagt, dass dies für die Bank kein Thema sei.

          DT. BANK

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          Vielmehr hat die Bank die britische Lebensversicherung Abbey Life für 935 Millionen Pfund (1,1 Milliarden Euro) an den Versicherer Phoenix Life verkauft. Wenngleich sich dadurch die Eigenkapitalquote um 0,1 Prozentpunkte verbessert, so führt der Verkauf doch zu einem Vorsteuerverlust nach IFRS von 800 Millionen Euro. Grund ist, dass Abbey Life mit einem deutlich höheren Wert in den Büchern stand.

          Die Bank versicherte, dass der aus dem Verkauf resultierende Verlust keinen Einfluss auf Zinszahlungen für die eigenkapitalähnlichen sogenannten „Coco-Anleihen“ haben solle. Ob die Bank nach der Streichung der Dividende auf diese für Anleger sehr riskanten Papiere noch Zinsen zahlen wird, ist seit Jahresbeginn immer wieder ein Thema. Entscheidend für ein Veto der Aufseher gegen eine Ausschüttung auf die Cocos ist der Jahresabschluss nach deutschem Bilanzierungsrecht.

          Nach diesem fallen aber keine nennenswerten Belastungen an, da der Verkaufspreis auf dem Niveau des einstigen Kaufpreises liegt, weil das HGB nur die Einstandskosten in der Bewertung zulässt. Nach dem international üblichen Bilanzierungsstandard IFRS war Abbey Life allerdings mit dem Marktwert bewertet.

          Börsianer sprechen von gemischten Gefühlen. „Einerseits wäre es fahrlässig, sich nicht auf den Fall der Fälle vorzubereiten", sagte ein Händler. „Andererseits könnte es aber auch heißen, dass die Probleme jetzt schon größer sind als gedacht."

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          Die Anleger sorgen sich zunehmend um die Kapitaldecke der Bank. Alleine seit der zweistelligen Milliardenforderung der amerikanischen Behörden als Folge dubioser Hypothekengeschäfte in der vorletzten Woche hatten die Aktien bis zu ihrem neuen Rekordtief am Dienstag über ein Fünftel ihres Wertes verloren.

          Ansonsten hält sich der Aktienmarkt nach den Kursgewinne an der Wall Street gut. Der den Markt breit abbildende F.A.Z.-Index stiegt um 0,9 Prozent auf 2116 Zähler. Der Dax gewinn etwas stärker auf 10.459 Punkte hinzu. Jochen Stanzl, Analyst des Online-Brokers CMC Markets, mahnt aber vor überzogenen Erwartungen an die weiteren Aussichten. „Die Kursgewinne von heute können morgen bei entsprechender Nachrichtenlage wieder verfallen. Diese Schaukelbörse kann gut und gerne noch bis in den Oktober anhalten.“

          Investoren warten auf die öffentlichen Auftritte des EZB-Chefs Mario Draghi und zahlreicher amerikanischer Notenbanker. Die Analysten der Essener National-Bank erwarteten von Letzteren "Meinungsvielfalt, ohne dass sich eine klare Richtung über den weiteren geldpolitischen Kurs ableiten lassen wird". Draghis Ausführungen vor dem Europa-Ausschuss des Bundestages würden ebenfalls kaum neue Erkenntnisse liefern.

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