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Bahnaktien : Wetten auf Amerikas Konjunktur

  • -Aktualisiert am

Für Investor Warren Buffett war der Kauf von Burlington Northern Santa Fe eine „Wette auf die wirtschaftliche Zukunft der Vereinigten Staaten“. Bild: AP

Warren Buffett kaufte die Bahngesellschaft Burlington Northern. Dieses Jahr hinken Eisenbahnanteile dem Aufschwung aber hinterher.

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          Auf der jährlichen Hauptversammlung des Konglomerats Berkshire Hathaway in Omaha gibt es zwei besondere Attraktionen: eine große Modelleisenbahn mit der Aufschrift BNSF und einen Simulator, in dem Aktionäre Lokführer spielen können. Die Eisenbahngesellschaft Burlington Northern Santa Fe baut ihre Modelle in Omaha auf, seit der berühmte Investor Warren Buffett, der Vorstandsvorsitzende von Berkshire Hathaway, vor mehr als zwei Jahren ihre Übernahme verhandelt hatte. „Das alles geschieht, weil mir mein Vater keine Spielzeugeisenbahn gekauft hat, als ich ein Kind war“, witzelte Buffett. Ein Mann wie er gibt natürlich keine zweistelligen Milliardenbeträge aus, um sich einen Kindertraum zu erfüllen. Der Kauf von Burlington sei eine „Wette auf die wirtschaftliche Zukunft der Vereinigten Staaten“.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Eisenbahnen gelten in Amerika als Konjunkturindikator, weil sie fast ausschließlich Güter transportieren. Buffett nutzt seit längerem Daten über die Auslastung von Eisenbahnwaggons als Anzeiger für die wirtschaftliche Entwicklung. Und schon vor dem Kauf von Burlington hatte Buffett für Berkshire Aktien an anderen großen Eisenbahngesellschaften wie Union Pacific und Norfolk Southern erworben, sie aber mittlerweile wieder verkauft. Nur an CSX, der vierten großen amerikanischen Gesellschaft, war Berkshire nie beteiligt. Gemessen am Jahresumsatz, liegen Union Pacific und Burlington Northern mit jeweils 16,9 Milliarden Dollar an der Spitze, gefolgt von CSX (10,2 Milliarden Dollar) und Norfolk Southern (9,5 Milliarden Dollar).

          Eisenbahnaktien leiden unter geringer Nachfrage nach Kohle

          In diesem Jahr hinken die Aktienkurse der Eisenbahngesellschaften dem von Hoffnungen auf einen andauernden Aufschwung getriebenen, allgemein positiven Aktientrend aber ungewöhnlicherweise hinterher. Mit einem Plus von nur 0,2 Prozent hat sich das Branchenbarometer Dow Jones U.S. Railroads Index seit Anfang des Jahres kaum verändert. Dagegen hat der Dow Jones Industrial Average, in dem 30 amerikanische Standardwerte abgebildet sind, um 8 Prozent zugelegt. Die Schwäche der Eisenbahnaktien belastet auch den Transportwerte-Index Dow Jones Transportation, der im bisherigen Jahresverlauf nur um 5,5 Prozent gestiegen ist. Börsianer an der Wall Street achten darauf, dass Transportwerte, zu denen auch Fluggesellschaften und Logistikunternehmen gehören, den allgemeinen Trend bestätigen. Andernfalls gilt der weitere Aufschwung der Aktienkurse als gefährdet.

          Eisenbahnaktien leiden in diesem Jahr aber unter einem Sonderproblem: nachlassende Nachfrage nach Kohle. Der schwarze Rohstoff, der vor allem für die Herstellung von Strom, aber auch für Stahl genutzt wird, ist das wichtigste Transportgut amerikanischer Eisenbahnen. Im vergangenen Jahr entfielen nach Angaben des Branchenverbandes Association of American Railroads 44 Prozent der transportierten Fracht und 24 Prozent des Umsatzes auf Kohle. Analysten wie David Vernon von der Gesellschaft Bernstein Research schätzen, dass 40 bis 50 Prozent des operativen Gewinns mit dem Transport von Kohle generiert werden.

          Eisenbahngesellschaften halten an positiven Ergebnisprognosen fest

          Die nachlassende Nachfrage hat mehrere Gründe. Der milde Winter in den Vereinigten Staaten hat den Bedarf an Elektrizität gemindert. Zudem sind die Preise für Erdgas stark gefallen, was Gas als Konkurrent für Kraftwerkskohle attraktiver macht. Waggonladungen für Kohle sind in diesem Jahr um 7,7 Prozent zurückgegangen, obwohl das Transportaufkommen insgesamt nur um 0,8 Prozent nachgelassen hat. Die Eisenbahngesellschaften halten dennoch an ihren positiven Ergebnisprognosen fest.

          Union Pacific und CSX avisieren für das Jahr 2012 einen Rekordgewinn. Nach Angaben von Finanzchef Rob Knight erwartet Union Pacific einen Ausgleich des schwachen Kohlegeschäfts durch wachsendes Transportvolumen von Chemikalien. Besonders hart getroffen wurden in diesem Jahr die Aktienkurse von CSX und Norfolk, weil Kohle aus dem Bergbaugebiet der Appalachen mehr als 30 Prozent zu deren Umsatz beiträgt. Der Aktienkurs von CSX erholte sich allerdings wieder, nachdem der Finanzchef Mitte März auf einen Ausgleich im Geschäft mit Containern hinwies, die auch von Schiffen und Lastwagen transportiert werden.

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