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Axel Springer : Zwischen Gewinnmitnahmen und Dividendenjagd

Bild: dapd

Der Axel-Springer-Konzern hat 2010 zwar ein Rekordergebnis erzielt, dennoch fällt der Aktienkurs deutlich. Offenbar wurden Gewinnmitnahmen in der Hoffnung auf neuen Phantasie bis jetzt aufgeschoben. Die Rekorddividende aber wirkt stabilisierend.

          Deutlich unter Druck steht am Mittwoch der Aktienkurs des Verlagshauses Axel Springer. Mit einem Minus von mehr als 5 Prozent verzeichnet sie am Mittwoch im HDax mit die höchsten Kursverluste.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dabei hat der Medienkonzern 2010 sein Rekordergebnis von 2008 deutlich übertroffen und will nun seine Dividende anheben. Getrieben vom Aufschwung im internationalen Geschäft und weiteren Zuwächsen bei den digitalen Medien erreichte der um Sondereffekte und Kaufpreisallokationen bereinigte operative Gewinn im abgelaufenen Jahr 510,6 Millionen Euro. Damit wurden die 486 Millionen Euro Ebitda aus dem Rekordjahr 2008 ebenso übertroffen wie die 334 Millionen Euro des vergangenen Jahres. Analysten hatten im Durchschnitt mit einem operativen Gewinn von 519 Millionen Euro gerechnet.

          Der berichtete Konzernüberschuss belief sich im abgelaufenen Geschäftsjahr allerdings lediglich auf 274,1 Millionen Euro 313,8 Millionen im Vorjahr. Um wesentliche nicht-operative Effekte bereinigt stieg der Konzernüberschuss hingegen um 85,5 Prozent auf 283,2 Euro nach 152,6 Millionen im Jahr davor. Beide Zahlen lagen aber unter den von Analysten geschätzten Werten.

          Digitale Medien und internationales Geschäft laufen gut

          Der Jahresumsatz kletterte um fast 11 Prozent auf 2,89 Milliarden Euro und fiel damit etwas höher aus als prognostiziert. Bereinigt um Konsolidierungseffekte blieb allerdings nur ein Umsatzplus von 3,5 Prozent. Axel Springer hatte prognostiziert, den Jahresumsatz deutlich zu steigern und an das Rekordergebnis von 2008 anzuknüpfen.

          Da der Umsatz bei den Digitalen Medien um mehr als die Hälfte und im internationalen Printgeschäft um mehr als ein Viertel zulegte, konnten Rückgänge im inländischen Printgeschäft mehr als ausgeglichen werden. Im internationalen Printgeschäft kam Axel
          Springer dabei ab dem dritten Quartal das Osteuropa-Gemeinschaftsunternehmen mit Ringier zugute.

          Enttäuschungen und Positives

          Viele seien von den Zahlen nicht überzeugt und vermissten einen konkreten Ausblick, erklärt indes ein Händler. Den Umsatz sieht Springer im laufenden Jahr auch ohne weitere Zukäufe im einstelligen Prozentbereich steigen. Der operative Gewinn soll ohne weitere Akquisitionen leicht über dem Vorjahr liegen. Im inländischen Printgeschäft können höhere Papierkosten
          allerdings zu einem leicht niedrigeren Ergebnis führen. Sofern sich die konjunkturelle Belebung fortsetze, sollen auch 2012 Umsatz und operativer Gewinn weiter leicht steigen. Dabei soll der kontinuierliche Ausbau des internationalen und digitalen Geschäfts wesentlicher Treiber sein.

          Springer nimmt Akquisitionen bei seiner Prognose aus, teilte allerdings schon kurz nach Zahlenvorlage einen weiteren Zukauf mit. Am Marktführer für Online-Prospekte, kaufDA, haben sich die Berliner 74,9 Prozent gesichert. Dagegen will Springer wohl entgegen kolportierten Gerüchten nicht wieder bei ProSiebenSat.1 einsteigen.

          Die Analysten der DZ-Bank und von Silvia Quandt Research sehen Springer indes positiv, wenngleich die steigenden Papierkosten als Belastungsfaktor gelten. Indes äußerten sich andere Beobachter enttäuscht: die Resultate für das Jahr 2010 hätten leicht unter den Markterwartungen gelegen, der Ausblick auf das laufende Jahr keine Überraschungen gebracht. Ein weiterer Marktteilnehmer zeigte sich enttäuscht davon, dass Preissteigerungen nicht zu einer Margenverbesserung geführt hätten. Ein dritter Börsianer verwies auf das Chartbild.

          Kampf um Kursstabilisierung

          Rettend wirkt sich anscheinend die auf das Rekordniveau von 4,80 Euro je Aktie erhöhte Dividende aus. Bei einer Bewertung mit geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 11,5 für das laufende und 10,5 für das kommende Jahr erscheint die Aktie, nachdem sich der Kurs bis Anfang 2010 innerhalb von zwei Jahren annähernd verdreifacht hat, angemessen bewertet, wobei die Dividendenrendite von 4,2 Prozent noch Spielraum nach oben anzeigt.

          Nachdem aber Springer am Mittwoch keine größere Kursphantasie entfachen konnte, ist für etliche Anleger wohl der Zeitpunkt gekommen, Gewinne mitzunehmen. Dieser Prozess setzte an für sich schon nach dem Drei-Jahres-Hoch im Januar ein. Damals scheinen aber einige noch die Zahlen abgewartet zu haben.

          Charttechnisch erscheint von nicht geringer Bedeutung, dass sich die Kursverluste nach dem sie am Vormittag mehr als 10 Prozent betragen hatten, annähernd halbiert haben. Schließt der Handel nicht unter dem Tief vom 23. Februar, besteht eine Chance, dass sich die Abgaben nicht längere Zeit fortsetzen.

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