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Automobilzulieferer : Gewinnwarnung bei Leoni zeigt konjunkturelle Risiken

  • Aktualisiert am

Spezialkabel von Leoni Bild: Leoni

Den fränkischen Automobilzulieferer holt die Realität ein. Mit einer Umsatz- und Gewinnwarnung reagiert er auf die nachlassende Nachfrage, die Aktie verbucht deutliche Kursverluste. Sie sieht optisch zwar günstig aus. Aber Risiken bleiben.

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          Mit massiven Kursgewinnen reagieren die Anleger nach der depressiven Stimmung der vergangenen Wochen auf massivste staatliche und geldpolitische Interventionen, die der Wiederherstellung des Vertrauens dienen sollen.

          Allerdings stellt sich die Frage, wie weite diese werden tragen können. Denn die Grundprobleme der Finanz- und Wirtschaftsmisere noch lange nicht aus der Welt geschafft. Aus diesem Grund scheint in den kommenden Monaten alles möglich zu sein. Die kurze Halbwertszeit von Prognosen und Erwartungen lässt sich am Beispiel des Automobilzulieferers Leoni ablesen.

          Umsatz- und Gewinnwarnung nach Realisierung der volkswirtschaftlichen Realität

          Zusammen mit vielen anderen war es noch bis vor wenigen Wochen erstaunlich optimistisch, sich operativ robust entwickeln zu können. Nun wurde das Management offensichtlich von der Realität eingeholt: Der Autozulieferer kürzt wegen einer bevorstehenden Flaute in seinem Geschäft mit den Autobauern seine Prognose für das laufende Jahr. Das Nürnberger Unternehmen gehe für 2008 nun von einem Umsatz von 2,9 Milliarden Euro statt wie bisher von über drei Milliarden Euro aus, teilte Leoni am Dienstag mit. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern werde zwischen 110 und 120 Millionen Euro liegen. Zuletzt hatte das auf Bordnetze und Kabel spezialisierte Unternehmen noch ein Betriebsergebnis um die 140 Millionen Euro vorausgesagt.

          Kabelbaum für einen Sportwagen

          „Wesentlicher Grund für die Prognoseänderung ist, dass die Bordnetzsparte von einem deutlich schwächeren vierten Quartal ausgeht: Es ist zu befürchten, dass die Automobilindustrie zusätzlich zu den bereits in den letzten zwei Wochen angekündigten Drosselungen oder. Aussetzungen der Produktion weitere Kürzungen vornehmen wird“, hieß es weiter. Zugleich kündigte Leoni jedoch einen Aktienrückkauf an. Die Franken wollen bis zu zehn Prozent ihrer Papiere zurück erwerben, um sie als Akquisitionswährung zur Verfügung zu haben.

          Aktie sieht optisch günstig aus - Kauf nur in Verbindung mit Absicherungsstrategien ratsam

          Aufgrund dieser Nachrichten ist die Aktie des Unternehmens an der Börse unter Druck geraten. Nachdem sie noch am Montag im Rahmen der allgemeinen Euphorie hatte etwas mehr als 20 Prozent zulegen können, so liegt sie am Dienstag nach der Umsatz- und Gewinnwarnung mit einem Minus von 19,3 Prozent bei 13,50 Euro. Das ist der tiefste Stand seit viereinhalb Jahren.

          „Die Gewinnwarnung ist mit rund 18 Prozent beim operativen Gewinn für das laufende Jahr hoch ausgefallen“, sagt ein Händler in einer ersten Einschätzung. Offensichtlich schwächele die Nachfrage der Automobilindustrie stärker als befürchtet. Negativ sei zudem, dass mit der Bordnetzsparte das margenstarke Geschäft die Haupteinbußen erlitten habe, heißt es.

          Mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 4,6 und 3,8 und einer Dividendenrendite von 6,6 Prozent auf Basis der bisherigen Gewinnschätzungen und Ausschüttungen scheint die Aktie zwar inzwischen unglaublich günstig zu sein. Angesichts des wirtschaftlichen Abschwungs und der andauernden Unsicherheiten an den internationalen Finanzmärkten scheint sich der Kauf der Aktie nur in Verbindung mit Absicherungsstrategien zu empfehlen. Auch wenn sich aufgrund der getroffenen Stabilisierungsmaßnahmen der vergangenen Tage Liquidierungswellen wie in den vergangenen Wochen künftig nicht wiederholen mögen.

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