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Automobilkonzern : Daimler auf Sparkurs - Aktie profitiert

  • Aktualisiert am

Daimler-Hauptversammlung in Berlin Bild: dpa

Zur Hauptversammlung in Berlin bekräftigt Daimler-Chef Zetsche einen rigiden Sparkurs und gibt einen düsteren Ausblick. Trotzdem kann der Daimler-Aktienkurs deutlich zulegen. Der Wert profitiert von einer positiven Studie - Branchenkenner bleiben jedoch skeptisch.

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          Der Deutsche Aktienmarkt verbucht am Mittwoch Vormittag Verluste, die Daimler-Aktie hingegen konnte nach anfänglichen Kursverlusten um bis zu fünf Prozent zulegen. Auch Aktien von BMW profitierten und kletterten um mehr als fünf Prozent.

          Dabei stecken Automobilkonzerne in einer schweren Krise. Über eine Kapitalerhöhung stieg kürzlich die staatlich kontrollierte Investmentgesellschaft Aabar mit 9,1 Prozent bei Daimler ein und zahlt dafür 2 Milliarden Euro an das Unternehmen. Daimler kämpft seit Monaten mit sinkenden Absatzzahlen. Der Absatzrückgang hat sich den Daimler-Zahlen zufolge nun aber etwas verlangsamt, denn im Februar schlug der Konzern weltweit noch ein Viertel weniger Pkw los.

          Daimler stellt sich aber weiterhin auf ein Krisenjahr ein. Wegen der dramatischen Absatzkrise schließt das Unternehmen Entlassungen nicht mehr aus. Dieser „äußerste Fall“ könne eintreten, wenn die Krisendynamik anhalte, sagte Konzernchef Dieter Zetsche am Mittwoch bei der Hauptversammlung vor rund 6.600 Aktionären in Berlin.

          Bild: F.A.Z.

          Für das laufende Jahr gab Daimler-Chef Dieter Zetsche einen düsteren Ausblick, ohne allerdings konkrete Zahlen zu nennen. Dies sei erst möglich, wenn die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft und der Märkte besser absehbar sei. Schon Mitte Februar hatte Zetsche Belegschaft und Aktionäre auf schwere Zeiten eingeschworen und für das erste Quartal einen operativen Verlust vorausgesagt. Zetsche verwies auf die Vorlage der Bilanz für das erste Quartal am 28. April, kündigte aber bereits ein „deutlich negatives Ergebnis“ für das erste Vierteljahr an. Auch für das Gesamtjahr erwartet der Konzern ein deutliches Minus beim Umsatz und Belastungen für das Ergebnis. Frühestens im zweiten Halbjahr sei damit zu rechnen, dass die Talsohle auf den Automobilmärkten durchschritten sei, sagte Zetsche.

          Senkung der Dividende vorgeschlagen

          Wegen der schlechten Zahlen und Aussichten schlug der Daimler-Vorstand eine Senkung der Dividende auf 0,60 Euro (Vorjahr: 2 Euro) vor. Zetsche verwies auf die „schwer abschätzbare weitere Entwicklung“, die auch eine genauere Aussage zum Ergebnis 2009 vorerst verhindere. Die kritischen Daimler-Aktionäre hatten einen kompletten Verzicht auf eine Dividenden-Ausschüttung verlangt.

          Für 2008 hatte Daimler einen Umsatz von 95,9 Mrd. Euro ausgewiesen. Das operative Ergebnis lag bei 2,7 Mrd. Euro, das Konzernergebnis 1,4 Mrd. Euro. Die Belastungen durch Chrysler und der schleppende Verkauf der großen Mercedes-Modelle hatten den Gewinn bei Daimler im vergangenen Jahr einbrechen lassen. Der Betriebsgewinn ging um zwei Drittel zurück, nachdem 2007 mit 8,7 Milliarden Euro noch ein Rekordergebnis verbucht worden war.

          Die Verhandlungen des Autokonzerns Daimler über die Abgabe seiner verbliebenen Beteiligung am US-Autobauer Chrysler gestalten sich schwierig. Es würden weiter Gespräche geführt, sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche am Mittwoch auf der Hauptversammlung in Berlin. Allerdings halten die Stuttgarter die Ansprüche des Haupteigners Cerberus für unberechtigt. Daimler hatte die Mehrheit an seiner früheren US-Tochter 2007 an den Finanzinvestor Cerberus abgegeben und hält seitdem noch knapp 20 Prozent an Chrysler. Von dieser Beteiligung wollen sich die Schwaben gern trennen. Im vergangenen Jahr hatte Cerberus jedoch neuerliche Forderungen erhoben. Seither stocken die Verhandlungen.

          Aussagen überzeugen Analysten nicht

          Aus Sicht von Analysten sind die Nachrichten zu Daimler am Mittwoch nicht wirklich überzeugend. Zu den ersten Aussagen auf der Aktionärsversammlung meinte Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler: „Im Grund wurde nur wiederholt, was bereits gesagt worden war, und immer noch gibt es keine richtige Prognose für das Gesamtjahr.“ Er selbst geht von einem Verlust aus, doch die Aussagen des Konzerns blieben schwammig. Daimler erwartet, dass das Schlimmste im ersten Quartal überstanden sein wird.“

          Auftrieb erhielt der Daimler-Aktienkurs vor allem von einer neuen Studie. So konnte der Aktie eine Hochstufung durch die Bank Goldman Sachs profitieren. Die Analysten hoben Daimler-Aktien von „Neutral“ auf „Buy“ mit dem Ziel 27,00 Euro. Die Aktie des Stuttgarter Autobauers habe nach ihrer schlechten Kursentwicklung Nachholbedarf.

          Goldman Sachs hatte zudem BWM auf die „Pan-Europe Conviction Buy List“ gehoben und ein Kursziel von 33,00 Euro genannt. Es sei an der Zeit, sich auf die strukturellen Gewinner zu konzentrieren, lautete die Begründung. Dank eines strengen Spar- und Restrukturierungsplans werde der Münchener Konzern seine durchschnittliche Marge voraussichtlich wieder auf sechs Prozent erhöhen können. Außerdem habe er bei der Produktion von spritsparenden Premium-Modellen einen Wettbewerbsvorteil.

          Kursziel 27 Euro

          Daimler hoben die Experten von „Neutral“ auf „Buy“ und ließen das Kursziel bei 27,00 Euro. Die Papiere des Autobauers hätten sich in den vergangenen Monaten unterdurchschnittlich entwickelt, hieß es hier. Grund sei unter anderem die Furcht vor enttäuschenden Zahlen. Da die Markterwartungen nun gering seien, könnten zusätzliche Restrukturierungen und größere Klarheit über die Geschäftsaussichten den Aktien Schub verleihen.

          Analyst Pieper ist jedoch skeptisch hinsichtlich der höheren Qualität der Aktien von Daimler und BMW im Vergleich zu denen von anderen Autobauern. „Ich habe meine Zweifel, dass sie langfristig zum alten Qualitätsstandard zurückfinden werden“, sagte er.

          Auch ein Händler beurteilte die Aussagen des Daimler-Managements zur Hauptversammlung negativ. „Das klingt wie eine Gewinnwarnung“, meinte er und verwies er unter anderem darauf, dass Daimler 2009 eine substanzielle Belastung für die Gewinne sieht und auch mit beträchtlich geringeren Umsätzen im laufenden Jahr rechne.

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