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Automobilindustrie : Daimler-Aktie: Ein Stern geht neu auf

  • Aktualisiert am

Frisch poliert: Der Daimler-Stern glänzt wieder Bild: AP

Auf den ersten Blick sähen die Zahlen gut aus, „auf den zweiten Blick noch besser“, sagten Analysten zu den Daimler-Geschäftszahlen für das dritte Quartal. Auch wenn letztlich nur Mercedes dafür sorgt, scheint der Stern von Stuttgart am Aktienmarkt neu aufzugehen.

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          Sah es am Mittwoch noch nach einem Schreckenstag für die Aktienmärkte aus, ist am Donnerstag alles anders. Die Kurse steigen und insbesondere der der Daimler-Aktie, der um mehr als 3,6 Prozent auf 77 Euro zulegt.

          Das dürfte nicht zuletzt an den positiven Äußerungen der Analystenzunft liegen. Operativ gesehen laufe alles gut bei Daimler, sagte Robert Heberger von Merck Finck. Auf den ersten Blick sähen die Zahlen gut aus, „auf den zweiten Blick noch besser“, sagte etwa Equinet-Analyst Tim Schuldt. Insbesondere Mercedes habe sich sehr gut entwickelt. Auch die leichte Anhebung der Ebit-Prognose stieß auf Wohlwollen bei den Marktteilnehmern.

          Mercedes macht's

          Über alle Sparten verdiente Daimler im dritten Quartal vor Steuern und Zinsen (Ebit) mit 1,9 Milliarden Euro vier Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Der Umsatz kletterte um sechs Prozent auf 25,7 Milliarden Euro.

          Bild: FAZ.NET

          Mercedes-Benz, mit den Schwestermarken Maybach und Smart nun wieder tragende Säule im Konzern trotzte dem starken Wechselkurs und erzielte ein um 57 Prozent höheres Betriebsergebnis (Ebit) von 1,33 Milliarden Euro. Das Unternehmen führt das
          Ergebnis vorwiegend auf die Absatzentwicklung der C-Klasse und der S-Klasse sowie auf das jüngst abgeschlossene Restrukturierungsprogramm Core zurück. Negativ hätten sich Wechselkursbelastungen ausgewirkt.

          Lkws in Amerika weniger gefragt

          Besser als erwartet schnitt auch die Lkw-Sparte ab. Das heißt aber nicht, dass das Ergebnis an sich positiv war, denn der Betriebsgewinn fiel um 15 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal auf 480 Millionen Euro. Der Rückgang sei auf die schwächere Nachfrage in Nordamerika und Japan zurückzuführen. So brach der Absatz von Daimler Trucks in den Vereinigten Staaten um 58 Prozent ein. Diese Schwächephase soll spätestens 2008 überwunden sein, wobei die Bestellungen in den Vereinigten Staaten aber frühestens im ersten Quartal 2008 nach oben gehen dürften, so Daimler-Finanzvorstand Bodo Uebber.

          Der im August nach monatelangen Verhandlungen besiegelte Verkauf von gut 80 Prozent an Chrysler riss nochmals ein Loch in die Bilanz. So musste Daimler aktivierte Steuervorteile für die Verluste von Chrysler abschreiben, was dem Konzern unter dem Strich einen Verlust von 1,53 Milliarden Euro einbrockte. Ohne diese Effekte hätte der Stuttgarter Autobauer einen Gewinn von 1,1 Milliarden Euro ausgewiesen, was ein Fünftel mehr als vor Jahresfrist gewesen wäre.

          Chrysler reißt nochmals ein Loch

          Auch in der Finanzdienstleistungs-Sparte schlug die Abspaltung von Chrysler negativ zu Buche, da Daimler in Nordamerika nun ein eigenständiges Finanzdienstleistungsgeschäft aufbauen muss. Der Betriebsgewinn schrumpfte daher gegenüber dem Vorjahresquartal um 60 Prozent auf 87 Millionen Euro, was deutlich unter den Analystenerwartungen von 209 Millionen Euro.

          Den bei Daimler verbleibenden Restanteil an Chrysler von 19,9 Prozent führt der Konzern künftig zusammen mit den Transportern, Bussen und den übrigen Beteiligungen wie der an der EADS. Auch diese Sparte verdiente mit 319 Millionen Euro 6,5 Prozent weniger als vor Jahresfrist, aber immer noch mehr als von Analysten erwartet..

          Für das Gesamtjahr strebt Daimler-Chef Dieter Zetsche eine operative Umsatzrendite von deutlich mehr als acht Prozent an. Er gab sich am Donnerstag zuversichtlich, das Betriebsergebnis 2007 wie geplant auf 8,5 von fünf Milliarden Euro zu steigern. Der vom schwachen Dollar gedämpfte Umsatz werde bei rund 99 Milliarden Euro stagnieren.

          Prognosen leicht erhöht

          Mercedes-Benz Cars rechnet für 2007 mit einer Umsatzrendite von deutlich über 8 Prozent, zur Veröffentlichung der Halbjahreszahlen hatte der Konzern noch von deutlich über 7 Prozent gesprochen.

          Trotz aller Belastungen aus der gescheiterten transatlantischen Ehe scheint Daimler insgesamt auf Kurs zu sein. Einmal mehr scheint sich dabei zu bestätigen, dass der Konzern vor allem von der starken Marke Mercedes zehrt.

          Folgt man den Analystenprognosen, so ist die Aktie mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 16,6 für das laufende und 13,1 für das kommende Jahr noch nicht einmal teuer, vor allem dann nicht, wenn man es mit KGVs von 19,3 und 16,6 für Volkswagen vergleicht.

          Aufsteigender Stern

          Zu den teureren Auto-Aktien gehört sie alle mal. Toyota, Honda und BMW sind für das laufende und kommende Geschäftsjahr mit KGVs von zehn bis elf deutlich günstiger. Indes wiest nun einmal Daimler prognosegemäß die größere Dynamik auf und ähnlich wie bei VW geht wenigstens für die Aktienmärkte der Stern des Unternehmens neu auf. Das dürfte der Aktie künftig Rückhalt geben.

          Kann die Notierung den Kurs von 77 Euro halten, so hätte sie damit notiert das Acht-Jahres-Hoch aus dem Jahr 1999 eingestellt. Aktuell aber kämpft sie weiterhin mit der Marke. Ein Scheitern wäre zumindest kurzfristig als negatives Signal zu interpretieren, auch wenn nicht unwahrscheinlich scheint, dass die Marke angesichts der so positiv aufgenommenen Nachrichtenlage nicht später doch genommen wird.

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