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Automobile : Rekordtief der Fiat-Aktie zeigt Zweifel an der Strategie des Autobauers

  • Aktualisiert am

Der Glanz trügt: Fiat hat immense Probleme Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Wegen der allgemeinen Krise in der Autobranche machen sich die Börsianer immer mehr Sorgen um die Zukunft von Fiat. Der verherrende Kursverlauf läßt ahnen, daß die Börsianer bereits mit dem Schlimmsten rechnen.

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          Beim Blick auf den Kursverlauf der Fiat-Aktie stellt sich die Frage, wer eigentlich überhaupt noch in dem Titel investiert ist. Anleger, die dem Wert bis heute die Treue gehalten haben, müssen jedenfalls großes Gottvertrauen haben. Denn in den vergangenen Jahren brachte dieses Engagement nur Verluste.

          Und Besserung ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Nachdem die Aktie am Montag phasenweise wieder einmal um über zehn Prozent eingebrochen ist, müssen bei jedem charttechnisch angehauchten Börsianer die Alarmglocken schrillen. Am Ende konnte der Abschlag zwar auf ein Minus von 4,6 Prozent beschränkt werden, die Schlußnotiz von 4,795 Euro war aber immer noch gleichbedeutend mit einem neuen Rekordtief.

          Gerüchte sorgen für einen erneuten Kurseinbruch

          Die Begründung für den Einbruch macht deutlich, daß das Unternehmen auch fundamental noch immer mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Der erstmalige Fall unter die Kursmarke von fünf Euro wurde von Marktteilnehmern mit der Sorge um die Zukunft des Unternehmens erklärt. Händler sagten, es gebe eine „große Unsicherheit über die Zukunft der Gruppe“. Die Aktie sei von der sich verschlechternden Marktsituation im Automobilsektor belastet, nachdem die Neuzulassungszahlen weltweit zurückgingen, hieß es weiter.

          Ein Analyst, der namentlich nicht genannt werden wollte, erinnerte an die Verschiebung der ursprünglich für den 10. März anberaumten Fiat-Hauptversammlung, ohne daß plausible Gründe genannt wurden. „Wahrscheinlich wurde das Treffen abgesagt, damit der Vorstand die im Herbst fällig werdende Wandelanleihe über drei Milliarden Euro mit den Banken neu verhandeln kann. Aber warum sagen sie es nicht?“, wunderte sich der Analyst.

          Ein anderer Aktienhändler sah einen Zusammenhang mit den für Dienstag erwarteten Zahlen des amerikanischen Autokonzerns General Motors (GM). „Die Ergebnisse von GM könnten sehr schlecht ausfallen“, sagte er. Damit könnte es Probleme bei der Rückzahlung von 500 Millionen Euro an Fiat geben, die General Motors bei der Auflösung der Allianz mit dem italienischen Konzern versprochen habe.

          Erfolg der Sanierung steht in den Sternen

          Unterdessen hat Fiat immerhin Stellung zu den Themen genommen. Der Vorstand ließ wissen, es seien keine Änderungen an den Konditionen für die Wandelanleihe geplant. Zudem trat er Befürchtungen von Marktteilnehmern entgegen, es könne bei der abschließenden Zahlung der General Motors zu Verzögerungen kommen. Zum laufenden Geschäft hieß es ergänzend, das Jahr 2005 sei zwar durch ein “schwieriges Umfeld“ gekennzeichnet. Dennoch werde das Unternehmen in diesem Jahr nach Sonderposten einen Gewinn ausweisen.

          Wie die verherrende Kursentwicklung belegt, haben die Aktionäre aber ihre Zweifel, ob sich dieses Versprechen auch erfüllen wird. Wie wir schon im Juni 2004 an dieser Stelle in einer Besprechung zur Fiat-Aktie schrieben, wird wegen der Überkapazitäten im Autosektor mindestens einer der Anbieter früher oder später auf der Strecke bleiben müssen. Und Fiat ist wegen einer schwachbrüstigen Bilanz nun einmal einer der Kandidaten, die dafür in Frage kommen.

          Wie groß die Verwirrung auch in der Konzernzentrale in Turin sein muß, zeigt sich auch an manchen Personalentscheidungen. So mußte der zunächst als der große Retter gefeierte Topmanager Herbert Demel unlängst nach nur rund 15 Monaten an der Spitze des Autobauers das Feld wieder räumen. Konzernchef Sergio Marchionne selbst übernahm dafür die Führung des angeschlagenen Kerngeschäfts. Wie erfolgreich er letztlich bei der Sanierung von Fiat sein wird, bleibt abzuwarten. Das Rekordtief bei der Aktie dokumentiert, daß die Börsianer derzeit nicht an erfolgreiche Aufräumarbeiten glauben.

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